§ 48. Die heilige Margarete. § 49. Die heilige Juliane.
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Teufels. — Margarete ist eine der am meisten gefeierten Heiligen; 1 ) sie findet besondersVerehrung als Helferin in gesegneten Umständen.
Sante Margareten Marter. 2 ) Hss.: Universitätsbibl. zu Prag XVI. Q. 19, 8°, 15. Jh.; Stifts-bibl. zu Klosterneuburg, 15. Jh. 3 ) Der Eingang, 1—60 der Prager Hs. bei Bartsch, fehlt,ebenso der Schluß von 621 an. Der Dialekt der Hss. und des Gedichts ist österreichisch.
Das Gedicht ist in der uns erhaltenen Gestalt eine starke Umarbeitung einerVorlage, die noch zum Teil in Assonanzen, etwa um 1160 oder 1170, ver-faßt worden sein mag. Darauf können einige altertümliche, unreine Reimehinweisen. 4 ) Der Bau der Verse wechselt, erreicht jedoch nicht Überlänge. 5 )
§ 49. Die heilige Juliane (Priester Arnolds Juliane).
Kelle 2, 173. 366 f.; -Piper, QD. 2, 80 f., Nachtr. S. 277. — Ausg.: Schönbach, WienerSB. 101 (1882), 445—536, dazu Schröder, DLZ. 1883, 555—557; Bartsch, Germ. 28,257—267; Sprenger, Germ. 30, 75—78.
Hs.: Universitätsbibl. zu Graz 39/59, 8°, dieselbe, welche Heinrichs Litanei und dieGebete einerFrau enthält (s. unten; ZfdA. 18, 82 ff.); das Gedicht ist auf Bl. 26a—65a V on einerFrauenhand im 14. Jh. eingetragen. Die Orthographie ist unsicher, der Text sehr verderbt.
Der Dialekt der Hs. und des Gedichtes ist bairisch-österreich. Ent-standen ist es in der 1. Hälfte des 12. Jhs.
Der Verfasser nennt sich V. 5: ez was ein ewart, Arnolt was er genant, alsoein Priester Arnolt. Ob er der gleich e ist wie der Dichter der Siebenzahl (s. o. 70 ff.)ist wahrscheinlich, kann jedoch nicht mit völliger Sicherheit behauptet werden. 6 )
Inhalt (Schema wie in der heiligen Margarete). I. 1—12 Einleitung.II. 13—185 Julianas Leben als Christin. III. 186—225 Marter. IV. 226—509Sie bindet den Teufel, der sie im Kerker zur Weltlust verführen will. V. 511—628 Weitere Martern und Enthauptung. Aulesius ertrinkt im Meer.
') Ueber die Verbreitung der Legende s.Vogt aaO.
2 ) Bartsch, Germ. 4,440—471. 7,268—270.
3 ) J. M. Wagner, Germ. 6, 376—379.
4 ) Bartsch S. 460 ff. Unreine Reime läßtdie Volksdichtung immer zu. Das Ohr undder Sprachsinn empfinden es dabei nicht,wenn der Gleichklang nicht vollkommen ist,zumal bei den Liedern, die gesungen werden.Diese unreinen Reime (jüngerer Asso-nanzentypus) in den Dichtungen nach derZeit, in der die Assonanzen stilgemäß waren,also nach dem Ausgang des 12. Jhs., unter-scheiden sich von jenen älteren der frühmhd.Zeit besonders dadurch, daß volle Endsilben-vokale im Reime nicht mehr vorkommen(doch -dt, part. präs. -unde, sind noch langezu treffen). Meist besteht die Unreinheit dannin der Verschiedenheit der Konsonanten beiGleichheit des reimtragenden Vokals, z. B.haben: tragen,binden : singen, kam.: an,mal:jär; überschüssige Konsonanten, bes. n:geben : lebe, witzen : Criste, immer : singe,wange:ander; i:u:kinde:sunde, i:iu:zUen:bediuten. Aus diesem Grunde kann z. B. dievon Schönbach, Zs. 17,85—141, hgb.Christo-phoruslegende wegen der Masse von kon-sonantischen Assonanzen gegenüber ver-
schwindend wenigen vokalischen nicht aufein Original des 12. Jhs. zurückgehen.
6 ) Auch mehrere der anderen Fassungender Margaretenlegende haben verstreut un-reine Reime, aber keine solche, die für eineHerkunft aus dem 12. Jh. sicher beweisen(einige altertümliche Assonanzen finden sich %in Sand Margreten püechlein, Haupt, ZfdA.1, 152—193). Immerhin ist es möglich, daßes i m 12. Jh. ein oder mehrere deutscheMargaretengedichte gab, die noch lange aufdie Behandlung der Legende nachwirkten.Sente Margareten Passie (SCHADE, Geistl.Ged. S. 71—99) hat mit der von Bartschherausgegebenen Sante Margareten Marterdie V. 61—80 (= Eingang der Passie 1—20)gemein, mit Weglassung der unrein gereimtenV. 71 f. (Bartsch) und Ersetzung derselbendurch rein gereimte 19 f. Der Eingang, BARTSCH1—60, fehlt auch hier wie in der Kloster-neuburger Hs. Zu den verschiedenen Fas-sungen s. Vogt aaO.
6 ) Schönbach aaO. sucht die Identitätnachzuweisen, doch haben die Reime in derSiebenzahl ein reineres Gepräge, s. Polzer-van Kol, Priester Arnolds Ged. von derSiebenzahl S. XI.