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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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A. Geistliche Literatur, c) Geistliche Epik.

ihrem Stoff nach auch von Pilatus handeln mußten, lat. in Versen und inProsa, altengl., altfranz., häufig in mhd. Denkmälern (auch niederrh. undmnd.), meist in Verbindung mit der Veronicalegende. Die Quelle desdeutschen Dichters war, wie er selbst angibt, lateinisch (177).

Inhalt und Darstellung tragen die Art eines Rittergedichtes, religiöseEmpfindung spricht, soweit unser Bruchstück reicht, nirgends mit. Aberdie Auffassung des Stoffes ist noch nicht höfisch, Pilatus ist der gewalt-tätige, streberhafte Egoist, an dem der Fluch haftet, überall, mit oder ohneWillen, Böses zu stiften. Schon als Knäblein ist er unbändig: er wächstalso im Gegensatz zur höfischen zuht heran. Sein Charakter wird indirektdurch seine Taten geschildert und die ganze Persönlichkeit ist gut heraus-gearbeitet, wie denn der Dichter anschaulich und lebensvoll zu erzählenweiß. Der Stil 1 ) ist im Grunde einfach, der Satzbau überwiegend paratak-tisch; die dann und wann begegnenden Inversionen verleihen ihm einennatürlichen Ausdruck. Und doch ist er rhetorisch gefärbt, die häufigenTautologien, Synonyma und zweigliedrigen Formeln sind beabsichtigteSprachmittel. Vor allem aber ist die Einleitung (1176) ein stilistischesKunstwerk, denn sie ist in der geblümten Rede abgefaßt und zwar istsie wohl das erste Beispiel für diese in der mhd. Literatur. 2 )Solche Blümungen sind z. B. 1113. 1930. 36. 54. 57 f. 7279. 136 f.;seltene Reimwörter 5. 7. 9. 75. 77. Der ganze Ton ist hier manieriert. Auchim übrigen Text kommen manchmal seltenere Worte und seltenere Bin-dungen vor.

Das Gedicht steht also stilistisch am Eingang der höfischen Kunst. Undebenso metrisch, denn die Reime 3 ) sind rein und Assonanzen sind aus-geschlossen, die Verse sind, wenn auch nicht gewandt, so doch nach demPrinzip der vierhebigen Reimpaare gebildet.

§ 48. Die heilige Margarete.

Kelle 2,199. 382; Piper, GD. 2,1821, Nachtr. S. 334346, Höf. Ep.3, 724; Vogt,Beitr. 1,263287.

Die Margaretenlegende ist uns in verschiedenen Fassungen erhalten, diealle nicht mehr dem Frühmhd. angehören, zum Teil aber doch ein älteresdeutsches Gedicht aus dem Ende dieses Zeitraums voraussetzen!

Der Inhalt ist typisch für Frauenlegenden. Die Heilige hat heidnische Eltern, abersie ist im Herzen Christin. Sie soll einen heidnischen Großen zum Herrn nehmen, abersie hat sich Gott ergeben. Darauf die Ausmalung der Martern, die sie glaubensfreudigund sieghaft über sich ergehen läßt; ihr Tod; dazwischen auch oft die Bändigung des

'-) Weinhold S. 270 f.

2 ) Die geblümte Rede ist die mitRede-blumen", flores rhetoricales, versehene Stil-manier, eine hyperpoetische Schmückungdurch gesuchte und geschraubte Ausdrückeund Bilder und durch seltene Reimwörter,s. Ehrismann, Beitr. 22, 313 ff., ZfdPh. 33,

395 ff. u. 42, 490, Germ.-roman. Monatsschr.1, 664 ff., Stud. über Rudolf v.Ems S.5778;Otto Mordhorst, Egen von Bamberg unddie geblümte rede", Berliner Beitr. zur germ.u. rom. Piniol. Nr. 43,; Singer, Wolframs Stil,Wiener SB. 180 (1916), 4. Abhandl. S. 6 ff.s ) Schröder, Gott. Nachr. 1918, 427.