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A. Geistliche Literatur, c) Geistliche Epik.
der Trierer Hs.), hgb. von J. Grimm, Arch. f. Gesch. u. Altertumsk. Westphalens1 (1826), 73—80 u. Kl. Sehr, 6,364—370; Hoffmann, Fundgr. 1, 246—249.Der Schreiber war ebenfalls ein Mitteldeutscher, wohl auch aus Hessen,wfe der Schreiber der Trierer Hs., aber das Dialektische tritt bei ihm nochmehr zurück. 1 )
Der Trierer Ägidius stammt wohl, soweit man aus den Reimen Schlüsseziehen kann, aus dem mittleren rheinfrk. Gebiet. 2 ) Abgefaßt wurde er um1160. Wenig später entstand, wohl in derselben Gegend, die HöxterscheÜberarbeitung.
Inhalt. Der heilige Ägidius, aus reichem Hause zu Athen, wandte sich schon in derJugend der Lehre Gottes zu. Er landete auf einer Reise in Südfrankreich (7. Jh.). Hier, indem Gebiet von Arles und Nimes, lebte er in öder Gegend als Einsiedler in frommemGebet. Eine Hindin nährte ihn. Einst kamen die Jäger des Königs Flavius in die Wald-wüste. Sie verfolgten die Hirschkuh. Sie flieht zur Höhle des Einsiedlers. So wird er ent-deckt. Der König baut ein Kloster in der Nähe, Ägidius wird Abt. Den König Karl vonFrankreich heilt er von schwerer Schuld, viele Wunder vollbringt er. In einer Sommer-nacht, dominica nocte (Sonnabend), kam ihm die Botschaft von Gott, daß er in das ewigeReich fahre. Seine Seele wird von Engeln in den Himmel getragen.
Überliefert ist in unsern Bruchstücken der größte Teil der Legende.Der Anfang ist verloren, aber bald setzen die Fragmente von Höxter ein,sie enthalten die Bekehrung bis zum Entschluß des Heiligen, sich ganzGott zu weihen. Die Trierer Bruchstücke beginnen mit seinem wohltätigenWirken in Südfrankreich. Größere Lücken finden sich innerhalb der TriererBlätter nicht, wohl aber sind viele einzelne Stellen schadhaft.
Quelle ist die lat. Legende der Acta Sanctorum zum 1. Sept. Der Dichterhat den Stoff stark erweitert durch Begründungen, religiöse Betrachtungen,Gebete, Ausmalung von Personen und Situationen. In oftmaliger Häufunggleicher Gedanken schreitet die Erzählung nur langsam vorwärts, aber sieist aus einem bloßen Tatsachenbericht in poetische Darstellung erhobenund es entfaltet sich ein anschauliches Gesamtbild: der fromme Mann, insich abgeklärt, fern von den Menschen, eins mit seinem Gotte. Aber er kannsich dem Leben nicht entziehen, aus der stillen Gottesnäha wird er indie Welt geführt. Er kommt an den Hof des Königs und an den desPapstes, immer Demut im Herzen. Über dem Ganzen liegt ein friedvollerTon. Mensch und Gott und Natur sind gleichgestimmt in dem Waldidyll,in das das romantische Märchen von der ernährenden Hindin eingeflochtenist (310 ff.).»)
Der Stil ist, auch in dem Höxterschen Bruchstück, einfach, 4 ) der Verfasserbeherrscht die Worte, will aber nicht durch sie wirken. Der Satzbau isthypotaktisch. Zweigliedrige Ausdrücke sind häufig, doch ist der Stil nichteigentlich formelhaft. Statt des persönlichen Pronomens her steht für Ägidius
') Pron. er für das in den Trierer Bruch-stücken herrschende her; umbe für umme.s ) Siehe Kraus, D. Ged. S. 148.
J ) Carl Pschmadt, Die Sage von der ver-folgten Hinde, Greifswalder Diss. löll S.59f.4 ) Rödiger S. 404-407.