§42. Der Trierer Silvester. §43. Der Trierer Aegidius. 153.
stücke des Ägidius, des Silvester 1 ) und des Floyris. 2 ) Der Trierer Silvester folgt auf denÄgidius. Viele Einzelstellen sind verstümmelt.
Dialekt der Trierer Hs. 3 ) mhd. Normalorthographie mit mundartl. Formen;diese sind hessisch, also nordrheinfrk. Der Dialekt des Dichters ist eben-falls md. 4 ) Zeit der Abfassung nach 1150, einige Jahre nach der Kaiser-chronik. 6 )
Inhalt: Die Silvesterlegende erzählt die Heilung Kaiser Konstantins vomAussatz durch den Papst Silvester, die Einführung des Christentums, dieVerteidigung desselben durch den Papst gegenüber den Gelehrten der Judenund Heiden auf einer dazu berufenen Synode, endlich die Bekehrung derHelena, der Mutter Konstantins.
Sie ist in der Kaiserchronik enthalten, 6 ) V. 7806—10633, und der TriererSilvester ist nichts anderes als eine Umdichtung dieses Stückes. Die ausder Kehr, aufgenommenen Verse (es sind 502) hat der Verfasser zumgrößeren Teile mehr oder weniger umgeformt, wobei er die Reime meistbestehen ließ, selten hat er Verse der Kehr, durch andere ersetzt; zuweilenhat er längere Partien ausgelassen, auch Verse umgestellt. Zu der Kehr,hat er noch eine lat. Vita des Heiligen hinzu benutzt, mittels derer er denText wiederum erweiterte. Einiges, aber Unwesentliches, unnötige Ver-deutlichungen, hat er selbst beigebracht. 7 ) Durch diese Änderungen undZusätze ist die Darstellung matter und breiter geworden und hat viel vonder lebendigen Erzählungsart der Kehr, verloren. Lat. Worte sind selten. 8 ) —Die Trierer Bruchstücke reichen bis in die Disputation und entsprechenden V. 7806—8679 der Kehr. Die Einleitung des Trier. Silv., 1—32, istden V. 3—14 und 27—42 der Kehr, entnommen.
Die Verse 9 ) haben rhythmisch ungleichen Typus; der Umdichter hatdie Art seiner Vorlage, der Kehr., sowohl im Versbau als im Reimgebrauchnachgeahmt.
§ 43. Der Trierer Aegidius.
Kelle 2,199. 380; Piper, GD. 2, 28—31, Höf. Ep. 3,724. — Ausg.: Rödiger, ZfdA.21,331—412 (mit Faksimile von Steinmeyer); mit Besserungen hgb. von Bartsch, Germ.26, 1—57, daz'u Rödiger, ZfdA. 26, 240 f. — John Meyer, Beitr. 16, 97.
Hs..- Bruchstücke der Trierer Stadtbibl., zu der gleichen Hs. gehörig wie der Trier. Silv.
Eine leichte Überarbeitung des Trierer Ägidius ist enthalten in einer zweitenHs., einst in Höxter: Pergbl. vom Ende des 12. Jhs. (nur 130 V. gegen 1720 V.
*) Jetzt verschollen, s. Ad. Becker, Died. Hss. der Stadtbibl. zu Trier, 1912, Reg.
2 ) Trierer Floyris s. LG. II, 2. Abt.
3 ) Rödiger S. 396—399 u. ZfdA. 22,179—181; Kraus S. 38—43. Der Stand der Den-talen z. B. ist normalmhd., nicht rheinfrk.,außer t in dit (gegen z in daz) in den zumTrier. Silv. gehörigen Teilen der Fragm. (nurin den vom Überarbeiter des Trier. Silv. her-rührenden Versen, Kraus S. 43; im Trier.Ägidius kommt das Wort nicht vor). Jenesdit entscheidet für hessischen Dialekt.
4 ) Vielleicht mittleres Rheinfrk., vgl. den
Reim wärheit : geit 486 bei Fehlen sonstigermfrk. Formen.
5 ) Kraus S. 44.
6 ) Siehe unten Kehr.
') Zur Quellenfrage und dem Verhältniszur Kehr. s. Rödiger S. 181—209; Vogt,ZfdPh. 26,560—562; Kraus S. 3—38; Schön-bach aaO.; Schröder, ZfdA. 27, 80, Kehr.S. 42. 60 f. 224 Anm. zu 7806. 439.
8 ) Zwierzina, ZfdA. 45,281 Anm.; Grune-wald S. 29.
9 ) Rödiger S. 170—179.