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A. Geistliche Literatur, c) Geistliche Epik.
Quellen der ganzen Sammlung waren lateinische Einzellegenden, dieder deutsche Dichter zusammenstellte: eine Veronicalegende, 1 ) die Petrus-und Paulusakten des Marcellus und Pseudo-Abdias, Melito de transituS. Mariae, ein Martyrologium (für die Schicksale der Apostel), die ActaS. Judae Quiriaci (für die Kreuzauffindung), das Chronicon Reicherspergense(für Heraclius und Cosdras); keine bestimmte einheitliche Vorlage ist fürden Schluß von Himmel und Hölle zu ermitteln, ebenso nicht für den An-fang, Adam und Johannes den Täufer, der zumeist der Bibel folgt.
Der Verfasser hat plump gearbeitet, er hat sich im allgemeinen eng anseine Überlieferung gehalten, hat sie aber nicht selten verwirrt, auch Wider-sprüche hineingebracht: er hat die einzelnen Stücke meist ohne Übergangäußerlich aneinandergestellt, so daß u. a. die gleichen Personen in einemAbschnitt wieder auftreten, nachdem sie in einem vorhergehenden schongestorben sind. 2 ) Er zitiert einige Male Gewährsmänner: Paulus 416, Lucas528, Johannes ewangelista Br. 76, Miletus (Melito) 239, Arator 327, Sedu-lius 451; die beiden letzten passen aber nicht, er hat also offenbar die be-treffenden Werke gar nicht gekannt. Einige Male sind kurze dogmatisch-erklärende Abschweife gemacht. 3 ) Und so ist auch die Darstellung dürftig,meist wird nur trocken berichtet, ohne Stimmung. Die Ausdrucksweise mitden häufigen Wiederholungen, den hölzern gebauten Satzgefügen ist sehrungelenk; das Verbum sagen erscheint alle Augenblicke, 4 ) z. B. zwischen43 und 80 zehnmal, zwischen 529 und 574 elfmal. Formelhafte und Flick-verse sind im Verhältnis nicht übermäßig zahlreich. Lat. Worte 5 ) kommenoft vor, sie sind aus dem betr. lat. Original entlehnt; deutsche Präpositionenmit falschem lat. Kasus verbunden 581. 582. 590, s. auch 243. 433. Lat.Konstruktionen begegnen z. B. 347 f. 360. 429. 431. 470. 6 )
Metrik. 7 ) Etwa die Hälfte der Reime sind Assonanzen, darunter abernur wenige starke. Die Verse sind im Umfang recht verschieden, das Ge-dicht hat also rhythmisch ungleichen Typus.
§ 42. Der Trierer Silvester.
Kelle 2, 105. 306; Piper, GD. 2,31. — Ausg.: Rödiger, ZfdA. 22, 145—209; Kraus,Mon. Germ. Tom. I pars II, D. Chroniken 1895, S. 1—61 u. 133—138, dazu Schönbach,DLZ. 1897, 1614 ff., Rosenhagen, ZfdPh. 30, 271. — Bartsch, Germ. 26, 57—63; Leitz-mann, ZfdA. 52, 387 f.
Hs.: Trierer Stadtbibliothek, 8 ) 4 Pergbl., kl. 4°, vom Ende des 12. Jhs., enthalten Bruch-
sale der Apostel, Märtyrer, Bekenner usw.;am Schluß: Aufnahme in den Himmel. —Latein. „Sammelhandschriften von ähnlicherBeschaffenheit" s. Schönbach, Anz. 2, 201.
1 ) Schönbach, Anz. 2, 199—201.
2 ) Busch 11, 55 ff.
3 ) Kraus, D. Ged. S. 264. — Vielleichthatte der deutsche Dichter schon eine lat.Kompilation vor sich (Rödiger, Anz. 6,224);dann würden die Mängel, wenigstens teil-
weise, dieser zur Last fallen, nicht erst demdeutschen Bearbeiter.
4 ) Busch 10, 408.
5 ) Grünewald S. 28 f.
6 ) Zum Stil s. Kraus S. 263 f.
7 ) Busch 10, 405-423 u. Beitr. f. ZacherS. 288—292; Rödiger, Anz. 6, 225—227;Kraus S. 260—262.
8 ) STEiNMEYERV-ZfdA. 21, 307 ff.; KrausS. 2 f.