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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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§ 41. Das mittelfränkische Legendär.

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rufungsformeln, mit denen sich der Dichter auf die Quellen seines welt-geschichtlichen Berichtes bezieht. Dagegen in der Legende braucht ersolche wissenschaftliche Beglaubigungen nicht, da er deren Stoff nicht ausBüchern, sondern aus dem Leben entnahm.

Metrik. 1 ) Reim und Versbau sind mit ziemlicher Freiheit behandelt.Mit der Prozentzahl der Assonanzen und deren Stärke steht der Reim-gebrauch noch auf der älteren Stufe der frühmhd. Reimkunst. Etwa einDrittel der Bindungen ist unrein. Der Reim kann noch auf schwachtonigeFlexionssilben fallen (über man, gewan : -an vgl. Schröder, Kaiserchr. S. 65;Rödiger S. 83 f.). Die Verse haben in der Mehrzahl mittleren Versbau,doch leicht mit zweisilbigen Senkungen; dazwischen dehnen sich manchezur Überlänge.

§ 41. Das mittelfränkische Legendär.

Kelle 2, 200. 382; Piper, GD. 2, 85. Ausg.: Hugo Busch, ZfdPh. 10, 129204.281326. 390485. 11, 12-62; ders., Beitr. z. d. Phil., Julius Zacher dargebr., Halle 1880,277292, dazu Rödiger, Anz. 6,221227, Zarncke, LC. 1867 Nr. 50; C. v. Kraus, Mhd.Übungsbuch S. 117 u. 239 f. Scherer, QF. 7, 3942. 12,39f.; Rödiger, Anz. 1, 72 ff.;John Meier, Beitr. 16,96; Kraus, D. Ged. S. 260268.

Hss.: Bruchstücke dreier Hss.: I. 6 Pergbl. 12. Jh., Universitätsbibl. in Halle, hgb. vonSchade, Fragmenta carminis theodisci veteris, Königsberg 1866 (Habilitationsschrift) (H);4 Pergbl., Dombibl. in Halberstadt (Hs), abgedruckt von Busch, ZfdPh. aaO. Die von Schadeund von Barack herausgegebenen Blätter wurden früher unter dem TitelSchade-BarackscheFragmente" zusammengefaßt. H und Hs. gehören ein und derselben Handschrift an.

II. 3 Pergbl., etwas jünger als HHs, Donaueschingen, hgb. vonBARACK, Germ. 12,9096 (D).

III. 2 Pergbl., Halberstadt, hgb. von Busch, Beitr. f. Zacher aaO. (Br). 2 )

Der Dialekt 3 ) von I (HHs) (hier häufige schwache o) und III (Br) istmittelfrk., der von II (D) obd., Dialekt des Gedichtes mittelfrk. Abfassungs-zeit ca. 11301150.

Inhalt. 4 ) 1. Schöpfung und Sündenfall; 2. Johannes der Täufer (1 u. 2: Busch, Beitr.f. Zacher aaO.); 3. Veronilla (ZfdPh. 10, 134ff. V. 1149); 4. Petrus (150238); 5. Mariaetransitus (239312); 6. Schicksale der Apostel (313419); 7. Heilige (420466); 8. Zer-störung Jerusalems (467528); 9. Kreuzauffindung (529593); 10. Heraclius u. Cosdras(594691); 11. Himmel und Hölle (Beweis, daß es zwei Himmel und zwei Höllen gibt), unterBeiziehung des armen Lazarus (692764). Die Anordnung ist im großen und ganzenhistorisch, den Rahmen bilden die Schöpfung mit Adam und dem Sündenfall 5 ) am Anfangund Hölle und Himmel am Schluß.

1 ) MSD.II 3 ,113; Kettner, ZfdPh. 9, 320326; -Rödiger S. 9598; Wilmanns, Anz.

23, 353-356; Seemüller, ZfdA. 42, 322 ff.;G. Eberhardt, Beitr. 34, 1100 (führt dieGrundsätze der Sprachmelodik von Sievers-Saran durch; dazu Habermann, Metrik d.kl. ahd. Reimgedichte S. 192 f.). Schadewandte Cresc. S. 16 ff. u. Geistl. Ged. S.XLVIII ff.seine Theorie von der sechszeiligen Stropheauf das Annolied an.

2 ) Daß diese zwei Blätter mit den andernzusammen zu dem mfrk. Legendär gehören,hat Kraus aaO. bewiesen. Rödiger, Anz.

24, 64.

3 ) Busch 10,168204.281326.390405und Beitr. f. Zacher S. 285288; Behaghel,Schriftsprache u. Mundart S. 29; Schröder,ZfdA. 42, 111; Heimat: John Meier, Beitr.16, 97.

4 ) SieheVeronica, oben beimWildenMann.

5 ) Vielleicht ist daran die Legende vomKreuzesholz angeknüpft gewesen. Aehn-lichen Inhalt und Reihenfolge hat die Aller-heiligenpredigt in des Honorius Aug. Specu-lum eccl., Migne 172,10141019 bezw. 1022:Gott als Schöpfer der Welt (1014 D), Maria(die Erzengel), Adam (und die Patriarchen),(die Propheten), Johannes d. Täufer, Schick-