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A. Geistliche Literatur, c) Geistliche Epik.
taten geringer sind als die Kämpfe gegen die Sünde im Dienste Gottes(561—566).
Ein Landsmann seines Helden, ein Mittelfranke, war auch der Ver-fasser. Köln, der Bischofssitz Annos, und Siegburg, seine Lieblings-stiftung, sind die beiden Orte, auf die sich das Hauptinteresse des Ge-dichtes erstreckt. In Köln — eher als in Siegburg, das mehr zurücktritt —wird es abgefaßt worden sein. Der Dichter, ein Mönch oder Stiftsgeistlicher,besaß eine nicht gewöhnliche Belesenheit und war geschult, die mensch-lichen Dinge von dem großen theologischen Standpunkt einer Geschichts-idee aus zu betrachten. Er war mehr Gelehrter als Künstler, mehr Nach-ahmer als Selbstschöpfer, er besaß wohl dichterisches Empfinden, aberkeine eigentlich selbständige Ausdrucksfähigkeit. In den kriegerischenPartien des ersten Teiles ist er abhängig von dem nationalepischen Stil,von da hat er die Schilderung von Ausrüstungen und Waffen 125 ff. 297, ff.417 ff., die Darstellung des Krieges zwischen Cäsar und Pompejus 415—462,der Verheerung Deutschlands 675 — 696; der zweite Teil, die Legende, be-wegt sich in den Formen der lateinischen geistlichen Literatur.
Es liegt etwas von der Kraft der Heldendichtung in der Erzählung vonden Weltereignissen, und kräftig ist auch die Sprache 1 ) in ihrer Einfach-heit, ohne sich zur Leidenschaft zu steigern. Ein besonderer Schmuck sinddie'zahlreichen Bilder und Vergleiche, welche den Verlauf der Erzählungphantasievoll beleben: einige der schönsten gerade sind entlehnt: 435—438aus Virgil, 449—458 aus Lucan, 773—780 aus 5. Mos. 32, 11. Die meistenAbschnitte sind durch einen abschließenden Gedanken markiert: Hinweisungauf die Zukunft 60. 152. 479 f. 810; gegenwärtiger Zustand 96. 630. 646; ein-tretende Zustände 674. 696. 712; religiöse Abschlüsse 74, ferner 108. 534.771 f. 838. 852, dazu das Ende des ersten Abschnittes 17 f. und des letzten878; Resultat kriegerischer Unternehmungen 279 f. 294. 319f. 345 f. 398.462;andere Schlüsse 37 f. 119 f. 518. 595 f. 613f. 757 f. 787 f.
Die formalen Stilmittel beherrscht der Dichter,- seine Ausdrucksweiseist fließend, doch sucht er nicht durch besondere Sprachkunst zu wirken.Der Satzbau ist überwiegend hypotaktisch, besonders mit relativen undtemporalen (dö) Anknüpfungen; Aufzählungen in mehrfachen Parallelgliedernbegegnen an passenden Stellen. Zweigliedrige Ausdrücke werden mitMaß verwendet, ebenso Formeln. Gerade im Gebrauch der Formeln undformelhaften Verse zeigt der Verfasser eine gewisse Beherrschung desSprach- und Wortschatzes, denn er haftet nicht starr an dem geläufigenMaterial. Weitaus die meisten Formeln kommen im ersten Teil vor, Be-
*) Zum Stil vgl. Holtzmann, Germ. 2,42 ff.;MSD. II 3 , 188; Scherer, QF. 12, 31; Wil-manns, Annol. S.94f.; Seemüller aaO.S.334—337; Behaghel, Beitr.30,431 ff. (bes.S.559f.);Zwierzina, ZfdA. 45,281 Anm.; Grunewald
S. 32. — Kraft, Würde, moralische Schön-heit, die Komposition, den Stil rühmt Herder(aaO.)' an dem Gedichte und nennt es einpindarisches Loblied.