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A. Geistliche Literatur, c) Geistliche Epik.
Lambert von Hersfeld in seinen Annalen beschrieben (abgeschlossen imJ. 1077), die, wie das Lied, mit einem kurzen Abriß der Weltgeschichte vonder Schöpfung an beginnen. Auf Lambert beruht die umfangreichere, weit-schweifige Vita Annonis, die im Jahre 1105 von einem Mönche des KlostersSiegburg verfaßt wurde. Mit ihr hat das Lied einige wörtliche Anklängegemein und steht jedenfalls in Beziehung zu ihr, sei es daß es unmittelbaraus ihr schöpfte oder daß beide ein und dieselbe Vorlage hatten. Die Vitaist mönchisch engherzig, für Klosterleute bestimmt und hat den ausgespro-chenen Zweck, durch Erzählung der Wunderkraft und Prophetengabe ihrenfrommen Helden als Heiligen zu erweisen und weithin bekannt zu machen, 1 )um dadurch den Ruhm ihres Klosters zu erhöhen.
Für die Abfassungszeit des Liedes sind zwei feste Daten gegeben,das Vollendungsjahr von Lamberts Annalen 1077 und die Niederschrift derVita 1105, welche jene Annalen voraussetzt. Eine sichere Entscheidung istbis jetzt nicht erreicht worden. Wir müssen uns begnügen zu sagen, daßes zwischen ca. 1080 und 1110 entstanden ist. 2 )
das Verhältnis zwischen Annol. undKehr, (die verschiedenen Ansichten s. beiRödiger S. 80—88). Gegenwärtig werden diedrei folgenden Möglichkeiten vertreten: Bege-mann, Verhandl. der 30. Philol.-Versamml. inRostock 1876 S. 120 ff. (Germ. 20,501; ZfdPh.7, 102), ebenso Kettner, ZfdPh. 9,266—296.19, 321 ff., John Meier, Beitr. 16, 97, See-müller, ZfdA. 42, 322—338 und RÖDIGERaaO. nehmen an, daß Annol. und Kehr, auseiner gemeinsamen Vorlage, einer älterendeutschen Chronik, geschöpft habe; Schrö-der, Anz. 7, 191, Kehr. S. 65, Wilmanns,Annol. S. 10—64, Anz. 23,347 ff., Seemüller,ZföG. aaO., Kraus aaO. S. 232 f., Rosen-hagen, ZfdPh. 30, 271 ff. u. Vogt, Grundr. II 2 ,169 dagegen erklären, die Kehr, habe un-mittelbar das Annol. benutzt; Schröder setztdabei jedoch ein älteres, ausführlicheresAnnolied voraus, das unser erhaltener Anno-text und die Kehr, vor sich hatten. — DieKehr, enthält zwei umfangreichere, nicht imAnnolied stehende Zusätze: 1. Die Gründungder festen Plätze und darauf die EinnahmeTriers durch Cäsar 379—454, die auf 398 desAnnolieds folgen (vgl. dazu Vogt, ZfdPh. 26,551), und 2. die Erzählungen von Augustus605—642 hinter 482 des Annolieds. Für beideFälle ist es sicher, daß sie nicht dem ur-sprünglichen Text angehören, wie ihn dasAnnolied bietet, sondern daß sie die Kehr,erst nachträglich eingeschoben hat. Das zweiteStück ist der Siebenzahl des Priesters Arnoldentnommen, darauf weist die Kehr, selbst hinmit den Worten daz liet kündet uns daz 622,so wir daz buoch hören sagen 626. BeideStücke aber unterscheiden sich im Stilvondem Annol., und zwar ganz deutlich imFormelgebrauch. Es zeigt sich dabei, daß das
Annol. und die Kehr, nicht etwa eine ge-meinsame Vorlage haben, denn diese könntedoch nicht die zweierlei Stilarten durchein-ander gehabt haben. Die Kehr, hat dasLied unmittelbar ausgeschrieben undhat zur Ergänzung andere Quellenbeigezogen, nämlich Arnolds Siebenzahl,besonders aber die Gesta Trevirorum, wieMassmann 3, 303 ff. für einige Stellen nach-gewiesen und Wilmanns aaO. befestigt hat.Sie hat also mit den Gest. Trev. gerade dieseselbe Quelle wieder benutzt, die schon demAnnolied bekannt war. Dafür spricht auchder Gebrauch des Namens Julius (seltenCesar, Julius Cesar, vgl. Julius, qui dicebaturCaesar, Gesta Trev., Massmann S. 320) inder Kehr., während das Annol. nur Cesar hat.Die Ursprünglichkeit des Annol. läßt sichauch noch an einigen kürzeren Stellen nach-weisen, wozu jedoch hier nicht der Ort ist.
') Holtzmann, Germ. 2,14—16; Kettner,ZfdPh. 9, 296-304. 19, 327 ff.; Wilmanns,Annol. S. 66; Rödiger S. 101—112. Ueberdie Vision Annos: Elis. Peters S, 135.
2 ) Die Meinungen über die Abfassungszeitschwanken, s. Rödiger S. 98—101. Lach-mann (Kl. Sehr. 1, 468. 520) und nach ihmMassmann 3,262, undBEZzENBERGER S. lOff.setzten das Gedicht um 1183, das Jahr derAufhebung der Gebeine des Heiligen (Annowird im Liede unter den 15 Fällen, wo derName vorkommt, 12mal sent, seint [sanetus]genannt, außer 589 u. 821, einmal heilig, denheiligen bischof Annen 13. Dagegen sprechenaber von vornherein Sprache und Reim-gebrauch(ScHADE, Cresc. S. 17 ff.). Wie Schade(vgl. schon früher Hoffmann, Fundgr. 1,251)und nach ihm Holtzmann (der Lambert vonHersfeld für den Verfasser hält) Germ. 2,1 ff.,