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A. Geistliche Literatur, c) Geistliche Epik.
kehrer, Veit der Märtyrer der Christenverfolgungen, Anno ist der heiligeBischof, Aegidius der heilige Einsiedler und Abt, Albanus ist der heiligeBüßer, Pilatus eine Gestalt aus der Umgebung Jesu; das weibliche Mär-tyrertum ist vertreten durch Margaretha und Juliana.
§ 40. Das Annolied.
Kelle 2,105—107. 307f.; Piper, Spielm. D. 2, 1—13, Nachtr. S. 243 f., Höf. Ep. 3,712. —Ausg.: 1 ) Ältester Druck: Martinus Opitius, Incerti poetae rhythmus de Sancto Annone,Dantisci 1639; dann folgen die Ausgaben von Schilter, Thesaurus I, 2, Bodmer u. Brei-tinger, Zürich 1745, Hegewisch, Deutsches Magazin Bd. 1 u. 2, Hamburg 1791, Goldmann,Leipz. u. Altenbg. 1816, Karl Roth, München 1847 (dazu K. Roth, Kl. Beitr. Bd. II, 207 f.),Bezzenberger, Quedlinbg. u. Leipz. 1848, Kehrein, Frankfurt a. M. 1865. Die gültige Ausg.ist die von Rödiger, Mon. Germ. hist. Script, vern. lingua Tom. I, pars II, Hannover 1895,S. 63—132 u. 139—145, dazu C. Kraus, ZföG. 47 (1896), 226—236, WilmAnns, Anz. 23,346—357, Schönbach, DLZ. 1897, 1614 ff., Rosenhagen, ZfdPh. 30, 271—280. Überset-zungen: Alb. Stern, Reclams Universalbibl. Nr. 1416 (1881); Wolfskehl u. v. d. Leyen,S. 142—155. 222—224. — Herder, Andenken an einige ältere deutsche Dichter II, 2. Brief(1793); Massmann, Kehr. 3, 263—278; Holtzmann, Der Dichter des Annoliedes, Germ. 2,1—48; Heinr. Welzhofer, Untersuchungen über die deutsche Kehr., München 1874, S. 22—31;Scherer, QF. 12,21.30f.;Ders., Rolandslied, Kehr., Rother, ZfdA. 18,298—306; Emil Kettner,ZfdPh. 9, 257—337; Wilmanns, Über das Annolied, Wilm. Beitr. H.2, 1886, dazu Seemüller,ZföG. 38 (1887), 372—380, Vogt, LitBl. 1887,5—7, Kettner, ZfdPh. 19,321—338; Zarncke,Berichte d. Sachs. Gesellsch. d. Wissensch. 1887, 283—305; Schröder, Kehr. S. 50 f. 64 f. 438;Seemüller, ZfdA. 42, 322—338.
Überlieferung. 2 ) Das Annolied ist nur noch erhalten durch den Druck, den MartinOpitz 1639 in Danzig kurz vor seinem Ende herausgab; 3 ) die zugrund gelegte Hs. selbstist verloren, sie war, den Sprachformen nach, in der 2. Hälfte des 12. Jhs. abgefaßt; OpitzensWiedergabe ist nicht ganz genau. Aus derselben Hs., allerdings mit stark von OpitzensDruck abweichender Orthographie, stammen die in dem Werke de Literis et Lingua Getarumsive Gothorum des niederländ. Gelehrten Bonaventura Vulcanius, 1597 (gest. als Professorzu Leiden 1615), abgedruckten Verse 19—74. 4 )
Der Dialekt der Hs. ist mittelfrk., genauer wohl moselfrk., die Her-kunft des Gedichtes aber läßt sich aus den Reimen wegen der starkenAssonanzen nicht so bestimmt lokalisieren. Ein Mittelfranke ist der Dichterjedenfalls gewesen. 6 )
Inhalt. Das Gedicht zerfällt in zwei Hälften: A. Der historische Teil 1—560. I. Prolog1—18. IL Historischer Abriß vom Weltbeginn an bis auf Anno 19—560 (Einleitung 19—38).—B. Die Legende 561—878. 1. Einleitung 561—580. IL Annos Leben 581—772. IIJ. Die Wundernach seinem Tode 773—878.
Das Annolied ist das erste zeitgeschichtliche und zeitbiographische Werkin deutscher Sprache^ der Held der Legende, der Kirchenfürst und all-
>) Siehe K. Roth S. XIII—XXXIV; RödigerS. 66-73.
2 ) Hoffmann, Fundgr. 1,249—256; RödigerS. 63—66, dazu S. 66 ff.
') Am 12. Juli 1639 widmete Opitz seineAusgabe dem Danziger Bürgermeister Ciren-berg, am 20. Aug. starb er an der Pest;Zarncke aaO. S. 283—293.
*) Kraus aaO. S. 227—231.
6 ) Ueber die Sprache und Heimat des
Schreibers und des Dichters s. Holtzmann,Germ. 2, 38 ff.; MSD. II 3 s. Reg. S. 476;Heinzel, Gesch. der niederfrk. Geschäfts-sprache S. 356—365; Braune, Beitr. 1, 1 ff.;Kettner, ZfdPh. 9, 305—337; Wilmanns,Ueb. d. Annol. S. 89 ff. u. Anz. 23, 351—353;Schröder, Kehr. Einl. S. 51; Rödiger S. 88—95; Zwierzina, ZfdA. 45, 281; Eberhardt,Beitr. 34, 13—15.