§ 39. Prosaische Bibelübersetzungen.
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ein älteres Original voraus. Ans Ende des 12. Jhs. oder in das 13. Jh.fallen die Interlinearversion des 88. Ps. (Hs. Graz, Schönbach, ZfdA. 20,144 ff.) und die 2 Doppelbl. einer (alemann.?) interlinearen Psalmenversionim Kloster Schlierbach (Mariasaal) in Österreich ob der Ens (Schiffmann,ZfdA. 43, 220—226). Die Windberger und Trierer Psalmen, deren Hss.ebenfalls erst am Ende des 12. Jhs. geschrieben sind, sollen im folgendenBande dieser LG. besprochen werden.
II. Legenden. 1 )
Die Heiligenlegende ist die Heldensage des Gottesstaates. Wenn dieHelden der Welt kämpfen für Ruhm und Ehre, so streiten die Diener Gottesgegen die Feinde der Kirche und gegen deren Oberhaupt, den Erzfeind,den Teufel. Aber ihre Waffen sind nicht die zerstörbaren aus Erz undRiemenwerk, sondern das Schwert des Geistes und der Schild des Glaubens.Ihre Heldentaten verrichten sie nicht in selbsteingreifendem, wegebahnendemHandeln, sondern in standhafter Ertragung von Leiden und in geduldigerEntsagung. Sie sind Helden des Leidens.
Der Ursprung der Märtyrerlegende liegt in der Geschichte, in denQualen und dem Sterben der zahllosen Blutzeugen der Christenverfolgungen.
Die Mönchslegende ist eine Übertragung der griechischen Wunder-erzählungen, der Aretalogie, auf die Anachoreten der alten Kirche.
Das Neue Testament berichtet nichts von den Lebensschicksalen derPersonen, die zu Jesus in Beziehung standen. Hier setzte ergänzend diesagenbildende Phantasie ein und schuf die Apostel- und andere einschlägigeLegenden, und vor allem die höchste Blüte der Heiligenliteratur, die Marien-dichtung.
Im gesamten kirchlichen Leben wirkt die Legende als ein wichtigesMittel zur Erbauung und Belehrung, als Vorbild frommen, gottergebenenLebenswandels. Der Heiligenkult mit Predigt, Gebet und Hymnen erstrecktsich über alle Tage des Jahres, mit der Verehrung der Heiligen als Schutz-patrone und Fürsprecher war die Legende allgemein ins Volk gedrungen.Die Heiligengeschichte vertritt gleichsam die Stelle der Novelle in der christ-lichen Literatur und bildet damit in derselben einen eifrig gepflegten Zweig.
Aus den erhaltenen Legenden der frühmhd. Zeit, wenn auch ihre Zahlim Verhältnis zu der gesamten der Acta Sanctorum beschränkt ist, läßt sichdoch ein Überblick über die Gattung gewinnen. Jedes Denkmal vertritteinen besonderen Typus: Das mittelfränk. Legendär ist eine ganze Samm-lung, Andreas ist der heilige Apostel, Silvester der heilige Papst und Be-
') ZurLegendenlit.vgl. bes.: Ernst Lucius,Die Anfänge des Heiligenkults in d. christl.Kirche, Tübingen 1904; Ludwig Zopf, DasHeiligen-Leben im 10. Jh., Leipz. u. Berl. 1908;R. Reitzenstein, Hellenist. Wundererzäh-lungen, Leipz. 1906; Wilhelm, Deutsche
Legenden u. Legendare, Leipz. 1907; PaulMerker, Studien zur nhd. Legendendichtung,Leipz. 1906; Burdach, Dresd. Philol.-Ver-samml. 1902 S. 29; Ders., Vom MA. zur Ref.I, 1, 21 ff.