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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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A. Geistliche Literatur, c) Geistliche Epik.

lobelich 1, sint beschirmit, sint gefirmit alter unde jugende 16, ferner4. 5. 13 usw.; auch mehr als zwei Glieder, z. B. 37 ff. Besonders der PreisGottes 144 und hierin wieder 3344 sind in solch gehobener Spracheabgefaßt. Auch Alliteration wird nicht selten angewendet. Die Vorliebe fürSynonyma und Parallelismus kann befördert worden sein durch den Psalmen-stil, zumal die Windberger Interlinearversion häufig zwei oder mehrere Über-setzungen für ein und denselben Ausdruck bietet. Oft finden sich latei-nische Worte, Zitate, technische Ausdrücke, zumeist im Reim, 1 ) hier zugleichals rhetorischer Schmuck. Die Ausdrucksweise ist gewandt und im Wort-schatz anschaulich. Anredeformeln werden nicht gebraucht, das Gedichtist nicht als Predigt gedacht.

Einzigartig ist auch die Metrik. 2 ) Der gelängte Typus ist durchgeführtund besteht in allen Versen. Senkungssilben sind es meist mehr als eine,am häufigsten zwei, auch drei und sogar vier oder fünf; auch schwerereAbleitungssilben können in mehrsilbige Senkungen fallen. Gewöhnlich habendie Verse vier Hebungen, es kommen aber auch sichere fünf Hebungenvor; das Reimgeschlecht, ob männlich oder weiblich, kommt dabei nichtin Betracht, die weiblich endenden Verse (- x) sind weitaus die häufigsten;für viele Verse endlich ist die Hebungszahl zweifelhaft. Die vierhebigenVerse sind meist dipodisch gegliedert. Vierhebige Verse: 2. 3. 4. 9. 10. 16.18. 25. 30. 51 usw.; fünfhebige Verse: 37. 38. 39. 40. 269. 270. Diese beidenTypen sind durch die logische Betonung als vierhebig oder fünfhebig ge-sichert, sie enthalten vier bezw. fünf unbestreitbar sinnstarke Wörter bezw.haupttonige Silben. Die Reime sind fast durchweg rein. Einen besonderenSchmuck bilden innere Reime, z. B. sint beschirmit, sint gefirmit alterunde jugende 16, ferner 45. 210, und zwei Paare in 38; Zäsur und End-reim 17.

Anhang..

§ 39. Prosaische Bibelübersetzungensind aus diesem Zeitraum nur sehr spärlich erhalten. Eine rheinfrk. Inter-linearversion der Psalmen (2 Perg.doppelbl. im Staatsarchiv zu Wien, 1. Hälftedes 12. Jhs., Schönbach, ZfdA. 45, 177186) geht wohl auf ein Originaldes 11. Jhs. zurück. Auch die Bruchstücke einer alemann. Evangelien-übersetzung (Perg., in München u. Wien, um 1200,. Keinz, Münch. SB. 1869,I, 549; Jos. Haupt, Germ. 14,440466; Tomanetz, ZfdPhil. 257285) setzen

') Grünewald S. 26.

2 ) W. Grimm, ZGdR. Reg. S. 332; Häve-meier S. 18; E. Hertel, Die Verse vonmehr als vier Hebungen in der frühmhd.Dicht., Marburger Diss. 1909 S. 73. DasEigenartige im Versbau besteht darin, daßdie in frühmhd. Gedichten häufig vor-kommenden langen Verse hier durch dasganze Gedicht durchgeführt sind und außer-dem einen oft überhaupt außergewöhnlichen

Umfang bis zu 17, 18, 19 Silben erreichen;und ferner in der Verwendung fünfhebigerVerse- Der Versbau ist also aus dem frühmhd.Prinzip abzuleiten und nicht eine Nachahmungdes lat. Hexameters (Haupt, Von dem ÜbelnWeibe S. 77, dazu HäVEMeier S. 1). Mög-lich wäre allerdings, daß der Dichter zu derAnwendung und Durchführung der langenVerse durch das Vorbild lat. Gedichte ver-anlaßt worden ist.