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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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140 A. Geistliche Literatur, c) Geistliche Epik.

Die Reime enthalten keine altertümlichen Assonanzen. Die Reimzeilenfehlen zu 97. 155. 429. Die Verse haben zumeist normalen Rhythmus,dazwischen erscheinen lange Verse, verhältnismäßig besonders häufig amSchluß von Absätzen. 1 )

§ 38. Vom Himmelreich.

Kelle 2, 102 f. 305; Piper, GD. 2, 122. Ausg.: Schmeller, ZfdA. 8, 145155; Rud.Hävemeier, Daz himilriche, Gott. Diss. 1891; Meyer-Benfey 2 S. 111; Leitzmann, Kl. d.Ged. S. 2027. 30. Scherer, QF. 12, 101 f., dazu Steinmeyer, Anz. 2, 240; Scherer,D. Stud. 1, 14; Schullerus, s. Germ. Jahresber. 1893 S. 207; Waag, Kl. d. Ged. 2 S.V Anm.

Hs.: München, Clm. 9513, Perg., aus dem Kloster Oberaltaich in Niederbaiern, am Randevon 15 Seiten geschrieben.

In Dialekt und in Sprache sowie in der Orthographie, ja in den Schrift-zeichen stimmt der Text mit der Windberger Psalmenübersetzung (s. LG. II,2. Teil) überein, der Verfasser war demnach ein Mönch des Klosters Wind-berg (bei Straubing in Niederbaiern), der Schreiber ebenfalls ein An-gehöriger desselben. 2 ) Dort ist das Gedicht um 1180 entstanden.

Inhalt. 3 ) A. Einleitung 164. I. 136 Die Eigenschaften Gottes. II. 3764 die dreiReiche (1. Firmamentum, das Reich der Engel; 2. Die Erde, die untere Welt, terramorientium; 3. die obere Welt, terra viventium). B. Hauptteil 65303. I. Das dritte Reich,das Himmelreich, Herrlichkeit der seligen Burg 65107. II. Die schöne Iris, der Regen-bogen; Einfluß der Elemente; symbol. Bedeutung: Iris = Friede 108192. III. Die Seligenim Himmelreich, das Schauen 193245. IV. Das Leben im Himmelreich, Schilderung durchNegation: die irdischen Arbeiten und Mühen gibt es dort nicht. . ., es gibt nicht Hitzenoch Frost, es wird nicht gesponnen noch gewoben usw. 246303; C. Schluß 304378.I. Gebet zu Gott 304320. IL Aus der Apokalypse der Thron Gottes, die 24 Alten, dieseals unsere Fürsprecher 321378.

Daz himilriche (65) ist eine apokalyptische Dichtung. Zugrunde liegtdie Apokalypse Johannis (Johannis revelatio 26), bes.. Apok. 21, 10 ff., auch7, 16 f. (das himmlische Jerusalem) und 4, 4 ff. (die 24 Alten); der Regen-bogen stammt aus 4, 3 f. Auch aus den Psalmen ist einiges entlehnt, derEingangsvers 1 = Ps. 47, 2 nach dem Windberger Text.*) Den Stoff scheintder Dichter selbst zusammengestellt zu haben, im Anschluß an die ge-nannten und andere lateinische Quellen und aus seinem Schul- und litera-rischen Wissen (122. 132. 139). 5 ) Die beim Regenbogen entfalteten natur-

Jerusalem und solchen der mhd. Legende I D. Ged. S. 103 Anm. 1.

vom Bischof Bonus und des Wiener Servatiuss. Kraus, D. Ged., Einl. S. VIII f. Anm, da-gegen Rödiger, Anz. 24, 61.

3 ) Die Zeilenzitate beziehen sich aufHävemeiers Ausg.

4 ) Die Quellen gibt Hävemeier an S. 20

') W. Grimm, ZGdR, Kl. Sehr. 4, 168; I u. 31 f. Ens. Peters S. 101108.

Konr. Hofmann, Münch. SB. 1871, 561;Scherer, QF. 7, 89; Vogt, Beitr. 2, 258; dieReime s. Ehrentraut S. 89103. Die rhyth-misch-melod. Methode wendet EhrentrautS.9698 u. 104106 auf unser Gedicht an,vgl.dazu Sievers, Zur alt. Judith, s. oben S.107.. 2 ) Schmeller aaO.; Hävemeier S. 818;Schröder, ZfdA. 50, 391. Ob der Verfasserdes Gedichts vom Himmelreich identischist mit dem der Psalmenübersetzung, ist

5 ) Die ganze Stelle 126 ff. ist nur ein Be-kenntnis der Bescheidenheit und gehört zumStil eines geistlichen Autors. Darum ist ausdiesen Worten nicht mit Sicherheit zu schließen,daß der Dichter noch zur Zeit der Abfassungdes Gedichtes Klosterschüler gewesen seinmußte, der ein Specimen seiner Kenntnissegeben wollte (Steinmeyer aaO., dagegenHävemeier S. 19 f.). Gegen eine Schularbeitspricht schon die formelle Gewandtheit, die

nicht ganz sicher. Interpunktion: Kraus, j sich in der Beherrschung der Sprache zeigt.