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A. Geistliche Literatur, c) Geistliche Epik.
Das Gedicht fordert zur Beichte auf (136, 22—27) und zum rechtenLeben (136, 21. 138, 11). Die Vorstellung des Gerichts versetzt in eine dazugeeignete Stimmung. Vielleicht war es überhaupt bestimmt, bei der Beichtevorgelesen zu werden, so wie Himmel und Hölle sich an die BambergerBeichte anschließt und wie in einer Predigt des deutschen Speculum ecclesiaenach der Aufforderung zur Buße das jüngste Gericht vorgetragen wird. 1 )So wird auch unser Gedicht nur die letzten Dinge, außer dem Gericht viel-leicht noch etwas vom Antichrist und dann das Leben der Seligen und Ver-dammten in Himmel und Hölle umfaßt haben, nicht wohl aber war es einvollständiges Leben Jesu bis zum Abschluß der Dinge.
Metrisch gehört es zu dem ungleichmäßigen Typus wie der LinzerAntichrist, hat auch ähnlichen Reimgebrauch. Der Vortrag aber verlangtmehr Leidenschaft und dramatische Modulation.
§ 36. Himmel und Hölle.
Kelle 2, 49 f. 272—275; Piper, GD. 1,25—31. — Ausg.: Reuss, ZfdA. 3, 443—445;Haupt, Monatsber. d. Akad. d. Wissensch. zu Berlin 1856, 568—580; MSD. Nr. 30 u. II 1 ,158—164; Wackernagel, LB. 6 Sp. 333—336; Piper, Leseb. d. Ahd. u. As. S. 192—195;Piper, Notker 3, XIX—XXI; v. Steinmeyer, Kl. ad. Spr. S. 153—155; Wilhelm, MUnch.Texte VIII S. 31—33, Komm. H. 8 I. Hälfte S. 59—70. — Schade, Decas S. 9—15; Scherer,QF. 12, 27 f.; Luppe, H. u. H, Jahresber. d. Kieler Realschule 1876/77 (s. dazu MSD. II 3 , 164);Wolfskehl u. v. d. Leyen S. 82—97. 218 f.
Hs.: München, Cod. lat. 4460 Bl. lll b — 114 a , gehörte ursprünglich dem Dominikaner-kloster in Bamberg. Himmel und Hölle folgt unmittelbar auf Bamberger Glaube und Beichte,mit der nächsten Zeile beginnend und von derselben Hand geschrieben. Es steht überhauptmit dieser in engstem Zusammenhang und es ist wahrscheinlich, daß ein und derselbeGeistliche beide Stücke verfaßt hat. 2 )
In stärkstem Gegensatz sind die Freuden des Himmelreichs und dieQualen der Hölle dargestellt, Hoffnung und Furcht suchen ein Bild derSeligkeit und der Verdammnis. I. 1 — 115: Die himmlische Gottesstadt istdurchleuchtet vom Glanz Gottes (1 — 12); die Stadt ist gebaut aus Edel-steinen und aller Kostbarkeit: das ist das Heer der Heiligen, der Gottes-freunde, die die vier Evangelien erfüllt haben in steter Befolgung der Ge-bote der Tugend (13—34). Die Straßen sind rotleuchtendes Gold: das be-deutet, daß da herrschen Minne (minna), Weisheit (wistuom), Wohlwollen{wolewille) — das ist die Dreieinigkeit (35—40). Die himmlischen Erbenund die drei göttlichen Tugenden Liebe (minna), 3 ) Hoffnung (gedinge),Glaube (geloubd), die die Stadt bewohnen (41—58). Da dienen die Engelmit ihrem Jubelsang (59—68). Da ist die Wohnstatt aller Gnaden, des Friedens,der Erkenntnis, der Wissenschaften (69—80). Da ist die Überfülle alles Guten,zuletzt das allerhöchste Gut, das Schauen Gottes (81 — 113). So ist dasHimmelreich einerseits beschaffen (114 1). II. 116—190: In der Hölle ist
') Kelle, Speculum eccl. S. 175.■0 Bd. I, 316—320.
s ) Minna bedeutet Erinnerung, also ergibtsich die Augustinische Trinitätsformel „Me-
moria, intelligentia, voluntas", jedoch ist indem Beisatz wole- zu wille der Begriff derGüte eingeschlossen, alsodiedrittePerson, derheil. Geist, durch Abälards Formel beeinflußt.