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A. Geistliche Literatur, c) Geistliche Epik.
genauen Bindungen entsprechen dem sonstigen Gebrauch in der mittelfrk.geistl. Dichtung seit der 2. Hälfte des 12. Jhs. Die Verse haben ungleichenBetonungstypus, jedoch ohne allzu starke Überschreituug des Mittelmaßes.
Der Wilde Mann.
Der Dichter nennt sich der wilde man 1 u. 587, Girh. 161; Christi.Lehre 100 „de wilde". Er war, wie Wernher vom Niederrhein, aus dem nörd-lichen Mittelfranken und zwar vermutlich ein Fahrender, der sich gelehrteKenntnisse erworben, vielleicht einmal eine Klosterschule besucht hatte. DieBezeichnung „der wilde Mann" hat wohl die Bedeutung eines Personen-namens. 1 ) Er wird um 1170 — 1180 die uns vorliegenden Gedichte verfaßthaben. Die vier Stücke sind im Stoff sehr verschieden. 1. Veronica isteigentlich ein Leben Jesu von der Geburt bis zur Himmelfahrt, woran sichnoch die Ausgießung des heiligen Geistes anschließt. Die Darstellung istgleichsam in einzelnen Bildern gegeben, indem die Hauptereignisse, Taufe,Passion, Kreuzigung, Auferstehung, Gang nach Emmaus, Erscheinungen Jesu,Himmelfahrt, besonders ausgeführt sind. In gleicher Weise ist episodischzwischen Geburt und Taufe 89—196 die Geschichte der Veronica erzählt:Ein Weib hieß Veronica, sie folgte Jesu aus Liebe nach. Sie brachte Lucasein Tuch, darauf er das Antlitz des Herrn setzen sollte. (Der Heilandtrocknete sein Gesicht in einem Tuche, das ihm Veronica, ein ihm in Liebeanhangendes Weib, bei der Mahlzeit reichte. In diesem Tuche prägte sichsein Antlitz ab.) Mit einem Schreiberreim 659 f. schließt das Gedicht inder Handschrift ab. Darauf folgt 2. mit dem historischen Einsatz Ein wunderzu Röme giscach, das Gedicht von Vespasianus, das eine Fortsetzungder Verohicalegende bildet. Der Kaiser Vespasianus, der an einer bösartigenKrankheit leidet, wird dadurch geheilt, daß er das Bildnis Jesu auf demTuche, das ihm Veronica bringt, an sein Gesicht drückt. Darauf zieht ermit seinem Sohn Titus übers Meer und züchtigt die Juden für das, wassie an Jesus getan. Jerusalem wird zerstört, die Judenschaft über alleWelt zerstreut.
Die beiden Gedichte Veronica und Vespasianus gehören zusammen, dieLegende ist auf beide verteilt in der Weise, daß die Entstehung des Christen-bildes dem ersten, die Heilung des Kaisers dem zweiten zufällt, getrenntist ihr Inhalt durch das Leben Jesu seit der Taufe. Sie sind auch vom Ver-fasser als zwei selbständige Stücke beabsichtigt, denn das erste hat mit653—658 einen besonderen Abschluß, der vom Schreiber der Handschriftnoch mehr hervorgehoben wurde durch seine Verse mit „Amen".
J ) Derartige Namen kommen seit dem Endedes 12. Jhs., besonders aber im 13. Jh. auf undwaren anfangs noch nicht zu festen Ge-schlechtsnamen geworden. Sichere Schlüsseauf die Eigenschaften oder auf das Lebenihrer augenblicklichen Träger lassen sich nicht
aus ihnen ziehen. Einschlägige Beispiele, wieUolricus dictusWildenman, verzeichnet Pfeif-fer S. 225. Aehnliche Namen trugen besondersFahrende und bürgerliche Dichter, z. B. derwilde Alexander.