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A. Geistliche Literatur, c) Geistliche Epik.
lutea 226. — Einfacher Erzählerstil, durchzogen von bloßen Füllversenund Formeln (50. 74. 111. 114.127—133.139.167.177. 226 f. 231, 1 ) lateinischist nur der Schlußvers.
Benutzt sind Rolandslied und Kaiserchronik. Versparallelen finden sichauch mit der Legende vom heil. Veit. 2 )
§ 31. Baumgartenberger Johannes Baptista.
Kelle 2, 163. 361; Piper, GD. 1, 238 f.. — Ausg.: Graff, Diut. 3, 277—279; Hoffmann,Fundgr. 2, 139—141, dazu Mone, Anz. f. Kunde d. d. Vorz. 8 (1839), 51; Kraus, D. Ged!S. 12—15 u. 101—111. — Scherer, QF. 12, 68 f.; Vomberg, Drei Bruchstücke usw.; Schiff-mann, ZfdPh. 35, 88 f.
Hs.: Fragm., Öffentl. Bibl. zu Linz, stammt aus dem Kloster Baumgartenberg an derDonau, Perg., 1. Hälfte des 12. Jhs. 8°. Erhalten sind nur sechs Abschnitte (die die Hs.selbst am Rande mit römischen Ziffern, VII—XII, numeriert), 77 Verse, das ganze Gedichtenthielt ca. 200—250 Verse.
Verfaßt ist es in der Heimat der Hs., also in Baumgartenberg oder derdortigen Gegend, und zwar um 1130 (vor der Kaiserchronik, da diese dieV. 1 —4 aufgenommen hat). Im Mittelpunkt steht Johannes der Täufer undzwar als der Prophet auf der Scheide zweier Zeiten, 3 ) des alten und desneuen Bundes, als Vertreter der neuen Wahrheit und Vorläufer des sünden-tilgenden Erlösers. Die geistige Seite des Täufers also ist Gegenstand derBruchstücke und auf ihr lag wohl auch der Schwerpunkt des ganzen In-halts. Da der Verfasser sicher diese Gedanken nicht aus eigenem Wissenzusammengestellt hat, so ist als Quelle eine lat. Vorlage für das Gedichtvorauszusetzen. Denn ein Nachschreiber ist er: aus dem Ezzoliede hat er5—9 entnommen = Ezzo 14, 9. 10; 15, 7. 8. 11; dagegen sind andererseitsVerse der Kaiserchronik aus seinem Gedicht entlehnt: 1—4 = Kehr. 4047—4050; vgl. 705 f. 1783 4 ) (wenn nicht beide aus gleicher Überlieferungschöpften). Der Stil ist einförmig in der Aufzählung 27—35. Metrischsind zu bemerken überlange Verse bei kurzen (ungleicher Typus), wodurchsich der Versbau von dem des Priesters Adelbrecht unterscheidet, 6 ) Drei-reim 45—47.
Die drei Dichtungen von Johannes dem Täufer sind verschieden in derinnern Form: der Görlitzer Joh. Bapt. der Ava gibt einfach die Erzählungder Evangelien wieder (Nv sule wir mit sinnen sagen von den dingen,Piper, ZfdPh. 19, 129), der Priester Adelbrecht hat die biblische Darstellungzu einer Legende verarbeitet, im Baumgartenberger Gedicht ist geistigesWesen in seiner theologischen Bedeutung erfaßt.
1 ) Ueber „rekapitulierende Parenthese" vgl.Kraus S. 119 f.
2 ) Kraus S. 113—116.
3 ) Vgl. Augustinus Sermo 293; Sermo deSanctis 20; Honorius Aug., Gemma animaelVKap. 47 (Migne 172, 706). Zu 50 vgl. Honor.Aug. Spec. eccl., Migne 107,966 D: hunc (i. e.Redemptorem) iste praesentem digito de-
monstrando asseruit : es ist die in der typo-logischen Malerei dem Täufer häufig bei-gelegte Deutegebärde, des gegen Jesus aus-gestreckten Zeigefingers der rechten Hand.
*) Diemer, D. Ged. Anm. S. 80; KrausS. 105 f.; Kelle S. 361; MSD. II», 175;Schröder, Kehr. S. 58; Vomberg S. 22 ff.
5 ) Vomberg S. 57 ff.