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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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§ 29. Von Chkisti Geburt. § 30. Priester Adelbrecht, Johannes Baptista. 123

mit der Darstellung im Tempel bricht das Fragment ab. Alles ist kurz dar-getan, das Gedicht war jedenfalls nicht umfangreich.

Es ist Durchschnittsarbeit. Der Stil 1 ) oft unklar, mit Wiederholungen,mit den üblichen Formeln und lateinischen Wörtern. 2 ) Ebenso bietet dieMetrik 3 ) sowohl in der Reimbildung (etwas mehr als ein Drittel genau)als im Versbau (ziemlich gleichmäßige Verse, nicht überkurz oder überlang)nichts Bemerkenswertes. Seine Unselbständigkeit zeigt der Verfasser in einersogar für jene Zeit auffallenden Abhängigkeit von der damaligen Dichter-sprache. Fast das ganze Gedicht besteht aus herkömmlichen Wendungen,das Ezzolied ist geradezu ausgeschrieben, viel ist aus dem FriedbergerChrist und Antichrist entlehnt, wohl auch das Jesusleben der Ava und dasMelker Marienlied sind unmittelbar benutzt worden. 4 )

§ 30. Priester Adelbrecht, Johannes Baptista.

Kelle 2, 163. 361; Piper, GD. 1, 238 f. Ausg.: Mone, Anz. f. Kunde d. d. Vorz. 8(1839), 47-51, dazu Bartsch, Germ. 12, 86 f.; Kraus, D. Ged. S. 1523 u. S. 111134,dazu Wunderlich, ZfdPh. 28, 258. Scherer, QF. 1, 67 f. 12, 49. 69; Gusf. Vomberg,Drei Bruchstücke einer poetischen Bearbeitung des Lebens Johannes des Täufers aus demXII. Jh., Marburger Diss. 1875; v. Kraus, ZfdA. 50, 328 ff.; Schröder, Gott. Nachr. 1918, 427.

Hs.: Bruchstücke aus Maria-Saai, s. oben Babylon. Gefangenschaft. Der Anfang undein Stück in der Mitte (Herodias und ihre Tochter) fehlen,

Heimat (Dialekt) des Gedichtes ist Kärnten, Abfassungszeit um 1120 1130. 6 )Der Dichter Adelbrecht nennt sich 252: ein priester hiez adelbreth.

Der biblische Stoff, der den Evangelien, bes. Luc. und Matth. entstammt,ist in Legendenform gebracht. Damit hängen alle Änderungen zusammen,die biblischen Stellen wurden bedeutend erweitert durch Ausmalung ge-schichtlicher Züge, durch nähere Erklärungen, religiöse Betrachtungen; darumliegt auch der Schwerpunkt auf dem Märtyrertum, der Kerkerszene mit derHinrichtung 172 ff. Unbiblisch ist die Versenkung des Hauptes in einenBrunnen (nach dem Beispiel anderer Martyrien) 200; die Totenklage 217 ff.Das Wirken des Täufers wird an das Ende gestellt 236 ff., wie in einerHeiligenlegende. In Taufe und Bußpredigt besteht seine Aufgabe, und sowird er am Schluß angerufen als Führer aller Büßer, meister unde uoget259 ff., er soll unser Fürsprecher sein am jüngsten Tage, helfäre 262, uoget266. Das Gedicht gipfelt in dem Gedanken der Buße: in der Tat wirdJohannes der Täufer oft in Beichtformeln als Beichtempfänger angerufen(MSD. Nr. 94, 3. 95, 30. 96, 40. 97, 41).«) So ist er, dem kirchlichen Heiligen-kult entsprechend, auch hier der Typus des Bußpredigers, des Asketen.Dieses heiligen Mannes Diener und Knecht (253 f.) will der Priester Adel-brecht sein. Er hat ein Laienpublikum vor Augen, denn er spricht zu guten

') Schönbach S. 363. hier der vornehmste, der Führer der Pro-

2 ) Grünewald S. 14. pheten (Matth. 11,911, Luc. 7, 2628), der

3 ) Schönbach S. 361 f. oberste der Märtyrer und einer der wirk-

4 ) MSD. P, 101 Anm. u. II 3 , 174 f. 183; samsten Fürsprecher der Beichtenden, vgl.Schönbach S. 363373; Kraus S. 7177. auch die Litanei 447569, bes. 450 f. 552 f.;

5 ) Kraus S. 116. Kelle, Spec. eccl. S. 90; Baumgartenberger°) Johannes derTäuferistunterallenHeiligen Joh. Bapt. 25 ff.