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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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§ 28. Friedberger Christ und Antichrist.

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lied. Es können unmittelbare Entlehnungen sein oder Reminiszenzen ausdem allgemeinen, gedächtnismäßig aufbewahrten Formelschatz.

Dem (kunstlosen) äußern Gewand des Stils entspricht auch die Metrik. 1 )Die Verse sind im Normaltypus gebaut, in der Mehrzahl sind die Senkungennicht stark überfüllt, doch treten nicht selten darunter auch lange Verse auf.Auch auf die Reime hat die Verfasserin offenbar nicht besonderes Interesseverwendet; Assonanzen bilden die Mehrzahl der Bindungen, rührende Reimewerden nicht vermieden.

Die Wirkung des Buches auf die zeitgenössische Literatur scheint nichtbedeutend gewesen zu sein. Die Übereinstimmung der V. 37 f. im Görl.Johannes (= Leb. Jesu 461) mit Heinrichs Litanei Fundgr. 2, 226, 30 f. 2 )beruht wohl auf gemeinsamer Quelle. Doch hat das Gedicht von den 15Zeichen vor dem jüngsten Tag (ZfdA. 1, 117126) einige Verse aus demAbschnitt über die 15 Zeichen in Avas Gedicht entnommen. 3 )

Ava war keine große Dichterin, aber eine gläubige Frau, die warm undinnig die Geschichte des Heilands in ihr Herz aufgenommen und das Sehneneiner erlösungsbedürftigen Seele in sich selbst erlebt hat.

§ 28. Friedberger Christ und Antichrist.

Kelle 2, 79. 288; Piper, QD. 1, 60 f. Ausg.: Weigand, ZfdA. 7, 442448 und voll-ständiger ebda 8, 258274; MSD. Nr. 33 u. II 3 , 197201; Piper, Hof. Ep. 3, 715721 (Ab-druck der Hs.). Schade, Decas S. 16 f.; Bartsch, Germ. 9, 61 f.; Scherer, QF. 12, 35;Schönbach, ZfdA. 33, 367 ff.; Rödiger, ebda 419422; Behaghel, Lit.Bl. 1892, 331; JohnMeier, Beitr. 16, 96; v. d. Leyen, Kl. Beitr. S. 5661.

Hs.: Bruchstücke einer Pergamenths. des 11./12. Jhs. auf 4 der Universitätsbibl. zu Gießen,aus der Burgpfarrbibl. zu Friedberg in der Wetterau, 9 Bl. (A I), von denen zwei, F u. G,fast vollständig, die andern nur an einzelnen Stellen bezw. als Falzstreifen erhalten sind.Das ganze Gedicht hat ursprünglich etwa 1100 bis 1200 Verse enthalten.

Der größte Teil der Bruchstücke enthält Teile aus dem Leben Jesu (A a , 1Hb, 22),nur die letzten erhaltenen 23 Zeilen (I a und I&) handeln vom Antichrist.

Der TitelChrist und Antichrist" gilt nur für die uns überlieferten Bruch-stücke, das gesamte Gedicht dagegen war ein Leben Jesu von der Geburtbis zu den letzten Dingen und zum jüngsten Gericht. Die Erzählung desLebens Jesu folgt in einfacher Wiedergabe der Bibel, wobei der Kreuzestod,die Auferstehung 4 ) und die Himmelfahrt stärker ausgeführt gewesen zu seinscheinen als das Wirken Jesu auf Erden. Der Antichrist ist ebenfalls in dergewöhnlichen Auffassung wiedergegeben. 5 )

Die Symbolik ist in der Hauptsache an den Anfang verlegt und unter-bricht die Darstellung nur wenig, doch sind Begründungen und Erweite-rungen zum biblischen Text eingeschaltet: E a , 15 ff.; E b , 18 ff.; F% 18 ff. 28 ff.;F b , 44 ff.; G a , 98 ff.; G", 123 f.; H a , 146; H a 155 f.; H b , 9 ff. In der Ein-

') Lanqguth, passim, bes. S. 2530;Schröder, Gott. Nachr. 1918, 408. 423.

2 ) Scherer, QF. 7, 65 f.

») Langguth S. 130 f.

4 ) Die Erscheinungen Jesu nach seiner Auf-erstehung nehmen viele Verse in Anspruch.

Hier ist die Technik der Legenden nach-geahmt, wo nach dem Heimgang des Heiligenoft Wunder erzählt werden, die er währendseines Lebens oder nach seinem Tode ge-wirkt hat.

5 ) Siehe die Literatur in MSD. II 3 , 201.