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A. Geistliche Literatur, c) Geistliche Epik.
Worten aus, so besonders in den Kreuzesklagen 1693—1722, die schmerz-erfüllte Maria Magdalena am Ostermorgen 1863 ff. — Der Einförmigkeitdes Vortrags entspricht das parataktische Satzprinzip. Zeitliche oder logischeFolge wird oft anaphorisch in starrer Nebeneinanderreihung aufgebaut mitimmer sich wiederholenden dö oder so, das dann einer Aufzählung dereinzelnen Gedanken nahekommt. 1 ) — Formeln sind nicht allzu zahlreich,es sind meist Verweisungen auf die Quellen oder Übergangsphrasen (alsich ez vernomen hän, als ez hie geschriben stet), seltener Wahrheitsbeteue-rungen (daz ich in sage daz ist war). Auffallend viele Formeln sind imjüngsten Gericht vertreten, davon können aber V. 22. 32. 90. 143 auf Bin-dungen mit dem durch den Stoff gebotenen tage beruhen (vgl. auch 98.106. 128); die andern Flickverse sind V. 117. 203. 298. 344. 359, stehenalso überhaupt gegen den Schluß des ganzen Werkes. Alliterationen kommenvor, sind aber zufällig und wirken in der Formensprache nicht mit. 2 )
Als Leser- oder Hörerkreis denkt sich die Dichterin Leute höherenStandes, also Adlige oder Geistliche, da sie 297 (Piper S. 150) die Anrede an„Herren" richtet (lieben mine herren). 3 ) Durch den Inhalt bedingt ist einUnterschied in der redenden Person: im Leben Jesu richtet sich der Numerusnach dem redenden Subjekt, in den abhandelnden Teilen von den vierEvangelisten (2203 ff.) tritt oft die 1. Pers. Plur. wir, wir Menschen, ein.
Eine Besonderheit in diesem Gedicht sind die genauen Zeitangabenin der Erzählung: eines mänödes zit 101, an dem ersten tage 163, uierzechtage unde naht 309, ferner 336. 366. 369. 382. 387. 421. 431. 434. 547.617. 643. 736. 1093. 1123. 1189. 1232. 1435. 1463. 1505 f. 1681, 1684. 1731.1807. 1810. 1867. 1881. 2021. 2137. 2143. 2179. 4 ) — Häufig sind lat. Wörterund Sätze eingestreut, davon viele reimend. 6 ) Mehrere Verse hat Avas Buchmit andern deutschen Gedichten gemein: 6 ) mit dem Ezzolied, der SummaTheologiae, den Büchern Mosis, Himmel und Hölle, dem Melker Marien-
l ) So und dö: Langguth S. 69—72.•) Langguth S. 34 f.
3 ) Scherer, QF. 7, 68. Da unmittelbareWendung an das Publikum außer hier nichtersichtlich ist, so ist die Dichtung wohl nichtals Predigt aufzufassen.
4 ) Vgl. Reuschel S. 38 f.
5 ) Langguth S. 23 f. 95 f.; GrünewaldS. 12—14. — Schröder hat ZfdA. 50, 312 f.aufUebereinstimmungen zwischen lat. Phrasenin der Ostermorgenszene 1899. 1904. 1925mit der lat. Osterfeier aufmerksam gemacht.Solche bestehen auch zwischen Joh. d. Täuferund dem Benediktbeurer Weihnachtsspiel,Schmeller, Carmina Burana 2 S. 85: auegratia plena . . . Maria Piper S. 131, 99 f.,spiritus sanctus 122, ecce concipies et partesfilium 125, ecce ancilla domini 157, dazuim Leben Jesu Magnificat Piper S. 144, 96.Ferner Leben Jesu u. Benediktb. Ludus pa-schalis: Ingressus Pylatus 1517 f. = Carm.
Bur. S. 95, eamus 1362 = Carm. Bur. S. 101,Jesu/n Nazarenutn... ego sam 1419 f. = Carm.Bur. S. 101, crucifige eutn 1558 = Carm. Bur.S. 104, Raboni 1904 = Rabboni auf dem neu ge-fundenen Blatte d. Carm. Bur. bei Wilh. Meyer,Fragmenta Burana Taf. 15 u. S. 144. Es sindSchlagworte aus dem Bibeltexte," die auch inden Predigten verwendet wurden. Ob Avabei ihrer Aufnahme von lat. geistlichen Spielenbeeinflußt wurde, ist fraglich, da solche lat.Zitate im Leben Jesu auch an Stellen vor-kommen, die nicht Gegenstand lat. Dramenwaren. Anders in dem Gedicht „Christus undPilatus": dieses beruht gerade auf den Text-worten eines Passionsspiels (s. unten).
6 ) Diemer Anm. S. 65 ff.; ders., Gen. u.Exodus, Vorrede S. VIII-X; Scherer, QF.7, 66 f. 73. 75 u. QF. 12, 57; Rüdiger, Anz. 1,66 ff.; Kelle S. 158—160. 358—360; Lang-guth S. 123—130; Schröder, Reimstud. II,408. 423.