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A. Geistliche Literatur, c) Geistliche Epik.
als Vorgeschichte zu dem Leben Jesu gelten. — Auch der Text selbst hatan einigen Stellen Eingangs- oder Abschluß worte: nach der Versuchung, alsJesus in die Öffentlichkeit tritt und den Grund zur Christenheit legt, stehendie Formeln da mit st div rede verendet 526 und Nv geb vns got diesinne 527; die Erörterung der sieben Gaben des heiligen Geistes beginntmit Nu Scalen wir beuinden 2269 und endet nd sprechen wir amen 2418;das jüngste Gericht wird eingeleitet durch Nu sol ich rede rechen Piper304, 1 und mit Amen, Piper 316, 392 wird das ganze Werk abgeschlossen. 1 )Es reihen sich Szenen an Szenen, meist in sich abgeschlossen, in ruhiger,manchmal auch dramatisch belebter Erzählung, zum Teil über den Umfangder biblischen Vorlage ausgedehnt. Ausführlich sind behandelt z. B. die Ver-suchung 463—525; die Berufung der Jünger 527—616; der Blindgeborene981—1092; die Kreuzigung mit den Kreuzesklagen 1587—1722; die Höllen-fahrt 1731—1782. 2 ) Nur flüchtig dagegen sind erwähnt Johannes als Pre-diger in der Wüste S. 152, 353—362 und der darauf folgende BethlehemitischeKindermord 363—372; die Heilungen 923—936; Lazarus' Erweckung 1093—1098; die Grablegung 1723—1730. Sehr zurück tritt Jesus als Lehrer; Berg-predigt und Gleichnisse sind übergangen, nur die letzten Lehren beim Abend-mahl mit dem Gebot der Liebe werden herangezogen 1273—1344. Am liebstenaber verweilt die Dichterin bei den büßenden Frauen: die Sünderin, diebeim Gastmahl des Pharisäers ihm die Füße wäscht 837—922; Maria, dieSchwester der Martha, die zu des Herrn Füßen sitzt 951—980, die ihn mitBalsam salbt 1125—1142; die Ehebrecherin, der Jesus die Sünden vergibt1189—1230; ihre Lieblingsgestalt aber ist Maria Magdalena 1693—1702.1807—1826. 1863—1866. In den Weltfrauen, denen Christus ihre Sündenvergab, in Maria Magdalena, die zur Büßerin geworden, mochte die Klausnerinihre eigenen Vorbilder gesehen, aus der Gnade, die der Herr ihnen gewährte,eigenen Trost geschöpft -haben.
die ganze Lebensgeschichte des Täufers, zu-sammengestellt aus den Evangelien, dabeidie Verkündigung Mariae (79—158). Stil undVersgebrauch weichen nicht wesentlich voiidem Hauptgedicht ab, doch sind von 1 bis280 verhältnismäßig viel mehr Flickversegebraucht als im Leben Jesu (17. 31. 52. 57.70. 80. 255. 28.0, alle mit dem Verbum sagen;ferner man list 207. 211. 221, wir lesen 233).Indessen liegt darin noch kein zwingenderGrund, dieses Vorslück der Ava abzusprechen,da es ihr möglicherweise bei seiner Abfas-sung noch an Versübung fehlte. Jedenfallsbestehen zwischen dem Görl. Johannes unddem Leben Jesu nähere Beziehungen, Vers-entsprechungen, Gleichungen im Ausdruck,Zusammentreffen gleicher biblischer Partien,aber wie die gegenseitige Beeinflussung auf-zufassen ist, liegt nicht klar.
') W. Grimm aaO. schließt aus den rühren-den Reimen, die im Leben Jesu häufiger vor-
kommen, daß dieses nicht von der Ava ver-faßt sei. Weiter geht Scherer, QF. 7 aaO.,indem er sechs Gedichte unterscheidet: I. ImLeben Jesu: 1. Johannes d. Täufer (Görl. Hs.).2. Christi Geburt bis zur Versuchung (Piper140, 1—158, 526), dieses besteht aber wiederaus zwei Hälften, deren zweite mitten in derErzählung von den drei Königen (150, 273)beginnt. 3. Die Stiftung der neuen Kirche(158, 527—294, 2268); diese drei Gedichtehaben drei verschiedene Verfasser. II. DerAva gehören nur die drei letzten Stücke an:4. Frau Ava von den Gaben des heil. Geistes(294, 2269—299, 2418); 5. Ava vom Anti-christ (299, 1—303,118); 6. Ava vom jüngstenGericht (304, 1—316, 392). Die eingehendenUntersuchungen über Sprache und Metrikvon Langguth haben eine solche Zerstücke-lung nicht bestätigt; vgl. auch Schröder,Anegenge S. 69 u. ZfdA.50, 312; Waag aaO.2 ) Schröder, Anegenge S. 54.