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A. Geistliche Literatur, c) Geistliche Epik.
klage (33 ff.) gehalten mit den typischen Motiven, den Ausdrücken desSchmerzes, der Rache und den beschwichtigenden Schlußworten des Trösters.Es ist aber auch der ganze Vorgang schon an sich so verwandt deutscherHeldensage: Simon schickt dem verräterischen Tryphon als Geiseln für dasLeben seines Bruders Jonathan dessen beide Söhne, aber der Treulose läßtsie töten und den Vater dazu. Simon hatte die Untat vorausgesehen undsein Volk vorher gewarnt, wie Hagen seine Herren, und er hat, wie Hagen,als Endergebnis die frostige Genugtuung: iz ist irgangin als ih e sprah(67 in Bartschs Wiederherstellung). Aber doch ist von dem Trotz dergermanischen Helden in dem Gedichte wenig zu spüren: der deutsche Um-dichter hat in die rein historischen Tatsachen der biblischen Erzählung seinsubjektives Empfinden hineingetragen, die strengen Formen des alttestament-lichen Heroismus sind in die weiche Stimmung mittelalterlich-romantischerSentimentalität verhüllt.
Einige lat. Worte sind zum Teil aus dem biblischen Text übernommen. 1 )Metrik: leichte Assonanzen. Kürzere Verse wechseln mit mittellangen.
b) Das neue Testament.§ 27. Die Gedichte der Ava.
Kelle 2,156—161. 357—360; Piper, GD. 1, 223—238. — Ausg.: Hoffmann, Fundgr. 1,127—204 (Hs. G); Diemer, D. Ged. S. 227—292, Anm. S. 65—74, Ehrl. S. XIV—XXXVI.XLIV (Hs. V); krit. Ausg. nach V und G: Piper, ZfdPh. 19, 129—196. 275—321. — W. Grimm,ZGdR. S. 37—39 u. Kl. Sehr. 4, 165—168; Haupt, ZfdA. 15, 265; Scherer, QF. 1, 57. 7,64—77. 12, 57; Rodiger, Anz. 1, 65 ff.; Ad. Langguth, Untersuchungen über die Gedichteder Ava, Budapest 1880 (dazu Steinmeyer, DLZ. 1880, 296 f.).
Hss.: V, Vor. Hs. Bl. 115c—125"; G, Görlitzer Hs., Bibl. d. Oberlausitzischen Gesellsch.d. Wissenschaften in Görlitz Nr. 10, perg. 4°, 56 Bl. zweispaltig, 14. Jh., in abgesetzten Versen,mit 29 Bildern (20 davon sind veröffentlicht von Piper GD. aaO.); die Gedichte stehen Bl. V— 24r,darauf folgt das Evangelium Nicodemi Bl. 24v—56v. 2 ) Beide Hss. haben Österreich. Dialekt, 3 )beide enthalten kleinere Lücken (in V ist außerdem ein Bl. nach Bl. 116 ausgeschnitten, == PiperS. 154, 405—668) und nicht unwesentliche Versehen, aus denen hervorgeht, daß sie voneiner gemeinsamen fehlerhaften Hs. abgeleitet sind. Die Görl. Hs. ist eine modernisierendeBearbeitung des alten Textes, abgefaßt in der Absicht, die Reime reiner zu machen und dasVersmaß zu glätten. 4 ) Sie enthält außerdem am Anfang noch ein Stück von 446 Versenmehr als die Vor. Hs. (Johannes Baptista).
Am Schluß des Werkes nennt sich die Verfasserin Ava (dieser Schluß,Piper S. 317, 393—406, fehlt in der Görl. Hs.), die Mutter zweier Söhne,deren einer aus der Welt geschieden ist; sie haben ihr den Inhalt des- Bucheserklärt (395), sie waren also Geistliche. Der Name Ava ist im 12. Jh. nichtunbekannt, für unsere Dichterin kommt aber besonders in Betracht eineNotiz der Melker Annalen, die auch in verwandten österreichischen Kloster-chroniken wiederkehrt: 5 ) MCXXVII. Ava Inclusa obiit, dazu in jenen andern
') Grünewald S. 11.
2 ) Beschreibung von G bei HoffmannS. 127 f.; Piper, ZfdPh. 19, 317 f.; LangguthS. 7 f.; Helm, Das Evangelium Nicodemi vonHeinr. v. Hesler, Bibl. d. Lit.Ver. Bd. 224S. VIII f.
3 ) Langguth S. 16—18. 27—35; Waag,Beitr. 11, 129—135.
4 ) Langguth S. 18—27.
6 ) Diemer S. XIV f.; Scherer, QF. 7, 76 f.;Kelle 2, 360.