§ 25. Babylonische Gefangenschaft. § 26. Makkabäer. 115
standen sein (aus den Reimen ergibt sich kein sicherer Anhalt für die Mund-art), und zwar um 1140.
Die eigentliche Fastenzeit beginnt mit dem Sonntag Quadragesima, vierzig Tage vorOstern (Fastenzeit). Die erste Stufe der Vorbereitungen reicht vom Sonntag Septuagesimabis zum Aschermittwoch (Vorfastenzeit, Septuagesimalzeit). Mit Septuagesima fängt dieliturgische Bußzeit an, das Alleluja wird nicht mehr gesungen (Depositio des Alleluja).Die 70 Tage der Septuagesimalzeit entsprechen nach der typologischen Auslegungsmethodeden 70 Jahren der babylonischen Gefangenschaft des Volkes Israel. 1 ) Die Gefangenschaftbedeutet diese Welt der Sünde. Durch Buße gelangen wir aus der Verbannung der Welt indie Heimat; das himmlische Jerusalem: das ist das Thema der Predigt am Sonntag Sept.,vgl. des Honorius Aug. Sermo Dominica in Sept., Migne 172, 851 ff. bes. 854 D. 855 AB.856 A, ferner Sacramentarium Kap. 1 u. 17, Migne 172, 737—739. 755; S. Bernhards Sermoin Sept. I; Mildebert v. Tours, Sermo in Sept., Migne 171, 419 ff.; von den mhd. Predigtenbesonders die des Speculum Ecclesiae (Kelle S. 44—47).
Dies ist auch der Inhalt des deutschen Gedichtes, nur daß die Gefangen-schaft hier nicht diese Welt bedeutet sondern den künftigen Tod 12, daslange Weh, große Qual, die Hölle 119—127. Der Zweck ist, zur Buße zumahnen. Weil wir Christen sind, brauchen wir nicht die lange Buße zu be-stehen, die siebenzig Jahre, sondern nur siebenzig Tage 82—107.
Der Stil mit der die Zuhörer einschließenden 1. Person Pluralis wir undden Anredewendungen ist predigtartig und stark formelhaft: 42. 53. 71 f.89. 97. 99. 101. 103, Berufung auf den Propheten 2 ) (Jeremias) 28. 69. 116.Am Anfang fehlen Verse, jedoch, wie es scheint, nicht viele, ob auch amEnde, ist ungewiß.
Die Reime sind sehr unrein, freilich ist der Text auch oft. entstellt;altertümliche Bindungen mit vollen Nebensilben kommen nicht vor. Die Versesind von mittlerer Länge, zuweilen kurz oder länger, aber nicht überlang.
§ 26. Makkabäer.
Ausg.: Gust. Schmidt, Die Hss. der Gymnasialbibl. II, 26—28, Progr. des HalberstädterDom-Gymn. 1881; Bartsch, Germ. 28, 267—271; Kraus, D. Ged. S.25—29 u. 147—157Kelle 2, 388 f.
Hs.: Zwei Bruchstücke eines Pergamentblattes in der Halberstädter Dombibliothek, Anfdes 13. Jhs.
Dialekt der Hs. und des Gedichtes (Heimat): südrheinfrk. Abfassungszeit des Gedichtes: um 1160. Die Bruchstücke umfassen 1. Macc. 13, 16—32Der biblische Bericht ist sehr in die Länge gezogen, denn er ist in demmhd. Erzählerstil dargestellt: zwei Dritteile des Gedichtes bestehen aus RedeZu predigtartiger Moralisierung- ist willkommene Gelegenheit gegeben beidem aufrührerischen Usurpator Tryphon (99 ff.). Erweiternde Erklärung mitwände 5.
Der Dichter sieht die Ereignisse und die Personen mit den Augen seiner
Zeit: volkstümlich aufgefaßt ist Tryphon als der ungetreue Dienstmann
(111 in der Herstellung von Bartsch), populär christlich ist sein Abfall
ein Werk de s Teufels. In echt epischer Weise wird ausführlich die Toten-
*) Septuagesimalzeit vgl. oben S. 87. Das I Schönbach, Ad. Predigten 3, 42, 15.Alleluja nider legen, vgl. So man alleluia leit, \ 2 ) Grunewald S. 19.