114 A. Geistliche Literatur, c) Geistliche Epik.
175, 737—744), ist das Buch Tobias überreich an Beispielen und Ermah-nungen eines moralischen Lebens (maximis vitae moralis et exemplis abundatet monitis (Beda 923 C), vornehmlich aber sind durch Tobias in der geistlichenSymbolik Glaube und gute Werke, eben jene auch inLamprechts Gedicht hervor-tretenden sittlichen Forderungen, dargestellt: ipse serviebat Deo fide recta etoperibus justis (Beda 923 D). Zu den guten Werken gehört das Begraben derToten, daher Augustinus auf Tobias verweist in seinem Liber de cura promortuis gerenda (Migne 40, 595), vgl. auch Hrabanus Maurus (Migne 109,812 C). Besonders als Beispiel für Almosengeben wird Tobias zitiert (HonoriusAug.Spec. eccl.,Migne 172,888 B. 1082 A; Hugo v. Trimberg, Renner20861 ff.).Zusammengefaßt sind die vorbildlichen Eigenschaften in der Präfatio desMathaeus Vindocinensis: Tobiam decorat elemosyna, latria, firmaspes, illaesafides, exsequialis honor (Migne 205, 933). Des Ambrosius Erläuterung desTobiasbuches (Migne 14, 759—794) ist gegen den Wucher der Reichen ge-richtet (vgl. Lampr. 152—154). Immerhin gehört das Buch Tobias zu denim Mittelalter weniger bekannten Schriften des alten Testamentes. Eine lat.Tobiade in Distichen mit -schwülstiger Rhetorik verfaßte der eben genanntefranzösische Geistliche Matthaeus Vindocinensis um 1200, 1 ) ein französischesReimgedicht von Tobias' Leben Guillaume le Clerc de Normandie am An-fang des 13. Jhs., 2 ) beide in freiem Anschluß an die Vulgata. Volkstümlichgeworden aber ist die Gestalt des Tobias im Tobiassegen, zu dem jenereine Punkt der Erzählung, die Aussendung des Sohnes (Tob. 4, 22. 5, 4),die epische Einkleidung abgab. 3 )
In der Alexanderdichtung hatte Lamprecht die Aufgabe, eine Helden-laufbahn zu schildern. Er konnte ihr gerecht werden, denn der epische Stilbot ihm dazu die Kraft der Worte. Das Tobiasbuch aber ist eine naiveFamiliengeschichte und fromme Legende. Wird er auch die Wärme derSprache gefunden haben, um dem Idyll den herzgewinnenden Ton, derGottbegeisterung den hymnischen Flug zu verleihen? Nach den Bruchstückendes Eingangs haben wir Grund daran zu zweifeln. Über eine äußerlicheWiedergabe des Stoffes mit belehrenden Zusätzen ist er hier nicht hinaus-gekommen und man vermißt die Frische der inneren Teilnahme am Stoff.
§ 25. Babylonische Gefangenschaft.
Ausg.: Mone, Anz. f. Kunde d. d. Vorz. 8 (1839), 55—58, genauer_von_v. Kraus, ZfdA.50, 328 ff.; Leitzmann, Kl. Ged. S. 10—12. 30. — Scherer, QF. 7, 88. 12, 64; Kraus, D.Ged. S. 112 f.
Hs.: Pergamentbl. im Besitz des Stiftes St. Paul in Kärnten aus Maria-Saal. Es gehörtewahrscheinlich zu einer andern Hs. als die mit ihm gefundenen Bruchstücke aus Maria-Saaldes Joh. Bapt. und des S. Veit, denn es ist zweispaltig und von anderer Hand geschrieben.
Das Gedicht wird wohl im bairisch-österreichischen Sprachgebiet ent-
») Ed. MOldener, Göttingen 1855; Migne205, 925—980; vgl. Degering S. 553.2 ) Rob. Reinsch, La vie de Tobia, Archiv
Bd. 62 (1879), 375—396.3 ) Siehe Bd. 1,112 f.