§ 24. Des Pfaffen Lamprecht Tobias.
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dem Einfluß der Predigt.') Mit den Erweiterungen ist im Tobias die gleicheTechnik wie im Alexanderlied befolgt.
Erhalten ist in den Bruchstücken nur das erste Kap. des Buches Tobias.Der Umfang, den das ganze Gedicht mochte gehabt haben, läßt sich ausden überlieferten Versen nicht abschätzen, da sich aus ihnen nicht ersehenläßt, wie Lamprecht die eigentliche Geschichte des Tobias behandelt hatte,ob der biblischen Vorlage folgend in ruhig ausmalender, von Zwiegesprächenund Gebeten durchwobener Erzählung oder rasch fortschreitend in knappstenBerichten. Für das letztere Tempo spricht die Anlage des auf uns ge-kommenen Anfangsteiles, der in kurze in sich geschlossene Abschnitte ge-gliedert ist. 2 )
Stark betont ist der moralische Gehalt. Gute Lehre zu geben ist derZweck des Gedichtes, Lamprecht spricht es selbst in der Einleitung aus:daz rvret manege gude sacken 12, und macht auch weiterhin durch formel-hafte Anreden, wie sie an die Gemeinde in der Predigt üblich sind, auftugendhaftes Verhalten aufmerksam: Hir mvgeter gvde dinc verstau 117,Nv verneinet eine dvgent groz 135. Hervorgehoben wird die Frömmigkeit,das Festhalten an Gottes Gebot (die [rechte] e) 74. 92. 106; im Glaubenstark bleiben 193 f., vgl. 78 ff. 125 ff., und das Wohltun: sus vordethe erdaz er gewan, diz svlen merken die riche man 151 f., vgl. 129 ff. 135 ff.177 ff.; der Gottesfürchtige vergißt keine Güte 188 ff.; unrechten Gewinnessoll man sich entziehen 28 f., nach Himmlischem soll man seinen Sinnrichten 175 f.
Nach Beda, Interpret, in librum Tobiae (Migne 91, 923-938), den Hugov. S. Victor benutzt (De mysteriis, quae continentur in libro Tobiae, Migne
außerdem noch in dem Verweis auf Jonas,den der Fisch nach Ninive trug, Tob. 224 f. =Annol. 152, und in der Bestimmung derGröße von Ninive, Tob. 226 = Annol. 148 f.Aber doch scheint Lamprechts Darstellungvon der des Annoliedes unabhängig zu sein,denn bei ihm stiftete Assur den Turm zuBabel 199-201, im Annolied 157 ff. aberNimrot, was mehr zu dem biblischen Be-richte stimmt, da Nimrot Urheber des baby-lonischen Reiches war (Gen. 10, 10). DerGründer von Ninive war nach der BibelAssur (Gen. 10, 11), nach des HieronymusChronik Ninus, so auch im Annolied undim Tobias (und meist in der mittelalterl.Weltgeschichte, vgl. Honorius Aug. De ima-gine mundi, Migne 172, 166 f.; Rudolf v.Ems in seiner Weltchronik vereinigt beideAnnahmen V.1064—1069.3386—3391.3404—3409). Als Stifter von Trier, der Tob. 229 f.ein kint (Nachkomme) des Ninus genanntwird, galt nach den Gesta Trevirorum Trebeta,der Stiefsohn derSemiramis (vgl. Massmann,Kehr. 3, 398 f., Rudolf v. Ems Weltchr. 3601 —3626, auch in der Ursperger Chronik, Migne
Deutsche Literaturgeschichte. II.
154,505. 6 f. Anm.; s. auch Wallner S. 206 f.
') Vgl. Hass an verschiedenen Stellen;Cruel desgl., bes. S. 134 ff.; Ehrismann,ZfdPh. 45, 306 und Studien über Rudolf v.Ems S. 73 ff.
2 ) Sie sind noch verdeutlicht durch Ueber-schriften oder ursprüngliche Randschriften(bezw. Vorschriften) der Abschnitte. Indessensind wohl nur die zwei lat. sicher echt, derTitel des ganzen Werkes „Liber Tobie" unddie Inhaltsangabe vor 97, die aber vor 30gehört. Die deutschen Üeberschriften, diealle den Namen Tobias enthalten (Thobi vor 77,Van Thobien 117. 135, [Van] Thobias 175.197. 231; die Vulgata hat nur Tobias, in derhebräischen und griechischen Fassung undin der Itala heißt der Vater Tobi, der SohnTobias), rühren vielleicht erst von einemSchreiber her, denn der Dichter selbst würdewohl den Inhalt des Abschnittes über Ninive,in dem gar nicht von Thobias die Rede ist,nicht mit „Thobias" angezeigt haben (vor197), hätte auch die Geschichte des ungenann-ten israelitschen Mannes 79 nicht dem Thobiaszugeschrieben (vor 77).