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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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A. Geistliche Literatur, c) Geistliche Epik.

Die Quelle für das Gedicht ist im wesentlichen das alttestamentlicheBuch Tobias, wie Lamprecht selbst angibt (in testamento 32). Außerdemnennt er das Buch der Könige (in libro regum 160) bei der Behauptung,Salmanassar sei aus Israel vertrieben worden und geflohen: hier liegt abereine Verwechselung vor, nicht Salmanassar, sondern Sennacherib floh (vgl.253), die betr. von Lamprecht zitierte Stelle müßte 4. Reg. 19, 36 sein (reversusest, vgl. Jesaias 37, 37 egressus est et abiit et reversus est Sennacherib,von einer Flucht spricht nur Tob. 1, 21 (cum reversus esset rex Sen. fugiensa Judaea V. 254256 bezieht sich auf Jesaias Kap. 3639). 0 Die Be-merkung über den Umfang von Ninive 224227 ist des propheten buochentnommen (Jonas 3, 3). Zitiert ist ferner Salomo 186188, gemeint istwahrscheinlich der Leitspruch von der Gottesfurcht principium sapientiaetimor domini Prov. 9, 10. Aber Lamprecht ist in der Benutzung des biblischenBuches Tobias sehr frei verfahren. Aus diesem stammen folgende Partiendes Gedichtes (dazu einiges aus dem 4. Buch der Könige): 4650 = LiberTobiael, 2. 11; 55 f. = 1,5; 61 = 1, 2. 11; 65-74 1, 12; 75 f. = 1, 4;117129 = 1, 14; 123 = 1, 16; 125134 = 1, 6. 7; 135143 = 1, 17;144 f. = 1, 16; 147 = 3, 7; 155 f. = 1, 9; 159-162 = 1, 21 (4. Reg. 19,36); 163 = 1,11; 164166 = 1, 13; 168 = 1, 9. 175192 = 1, 19. 20;186-188 = 1, 100 ( = Prov . 9; io) ; 193 f. = 1, 2. 8; 233-238 = 1, 18;239 = 1, 22; 241244 = 1, 21; 250252 =4. Reg. 19, 35, Jesaias 37,36;254 = 4. Reg. 19, 13ff.; 256 = Jesaias 37, 36 f.; 257260 = 1,21; 261268= 1, 21. 2, 2-9; 269 f. = 1, 24. Die Reihenfolge der biblischen Erzäh-lung ist also nicht genau eingehalten. Ungeschickt ist die Umstellung inner-halb der Verse 135174, da hierdurch Verwirrung in den örtlichen Vor-stellungen eingetreten ist: die Geldleihung an Gabel in Medien, dann dieHochzeit, die in Israel stattfand, dann erst die Wegführung des Tobias nachNinive und nun endlich der Name seines Weibes und die Geburt seines Sohnes.

Die biblische Überlieferung ist stark ausgedehnt durch kürzere Erläute-rungen, z. B. die Arbeitsmühsale der Juden 53 f. 5860, das Schweine-fleischessen 6568 (vgl. 83), Sennacheribs Zug gegen Juda 245248; mehrnoch durch theologische und historische Zusätze: geistlichen Inhalt hat derganze Eingang 145, christliche Moral lehrt die Anfangsbetrachtung derErzählung von Tobias' Leben 97116, ein Beispiel für Glaubensfestigkeitenthalten die Verse 7892. Eine geschichtliche Abschweifung ist angebrachtgelegentlich der Stadt Ninive, deren Stiftung durch Ninus mit darauf folgen-dem babylonischen Turmbau und schließlicher Gründung von Trier 197230erzählt wird. Hier trifft Lamprechts Tobias mit dem Annolied zusammen,das die Erbauung Kölns zurückführt auf die älteste Städtegründung, dieNinives durch Ninus, Annol. 121 f. 147151. 3 ) Die Zusätze beruhen auf

J ) Statt Ezechielis 254 1. Ezechiasis, stattirbat 256 1. irbart(e), zu erbarn kund tun.2 ) V. 190 ist zu lesen seien gerede = sel-

gercete.

3 ) In dem Abschnitt von der GründungNinives berühren sich die beiden Dichtungen