§ 24. Des Pfaffen Lamprecht Tobias.
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Der Verfasser nennt sich am Eingang seines Werkes V. 7 der paffe Lam-brecht. Es ist der Dichter des Vorauer Alexander. Das Bild vonLamprechts Persönlichkeit hat sich durch die vor wenigen Jahren erfolgte Auf-findung dieses von ihm herrührenden geistlichen Gedichtes, einer predigtartigenLegende, bedeutsam erweitert. Tobiaslegende und Vor. Alexander habenden gleichen Dialekt, moselfrk. 1 ) Auch im sprachlichen Ausdruck findensich zahlreiche Berührungen. 2 ) Aber doch bestehen zwischen beiden Ge-dichten nicht unerhebliche Verschiedenheiten, sowohl in der äußern wiein der innern Form. Im Tobias sind die Verse weniger ungleichmäßiggebaut, der Prozentsatz der unreinen Reime ist geringer, auch assonierensie weniger stark. 3 ) In der Darstellung machen sich zwei verschiedenestilistische Auffassungen geltend: im Alexander spricht der Volksdichter, imTobias der Geistliche, der Prediger. Dort ist Fülle und Leben* die Kraftder Persönlichkeit kommt zum Ausdruck, eine fortlaufende Handlung wirderzählt in Zeitfolge, durch Temporalsätze mit dö, also. Demgegenüber istder Ton im Tobias trocken, monoton, lehrhaft berichtend, es fehlen diedramatisch wirksamen Fragen, einmal begegnet ein Ausrufsatz (pwt 234),selten werden zweigliedrige Formeln gebraucht. 4 )
{verstau) Tob. 117 = muget ir (wol hören)
') Degering S.543-547; Wallner S. 2001-) Uebereinstimmungen, die auf ein unddenselben Verfasser deuten: Anna was sinwif genant Tob. 168 (vgl. auch 147. 199) =Philippus was sin vater genant Vor. AI. 10,Mennes was ein herzöge genant 1239 (vgl.auch 381. 815. 1391); durch Meden lant, darder engel sint warf gesant Tob. 145 f. =Medinrlch ist noch daz selbe lant, dar derengel mit Tobia wart gesant AI. 1461 f.;unde sich also besath Tob. 266 = unt sisich an dem besatten AI. 453; dar na overunmanigentachigelachTob. 169 f. = AI. 557 f.(vgl. auch 481); mortere, beim Bauwerk (desWerkes 209) verwendet Tob. 213 = AI. 709(werch 708); Alse Thobtas zu sinen dagenquam daz usw., Tob. 155 f. = unt bin alsochomen ze minen tagen, daz AI. 351 f.; dazer gewan : man Tob. 151 f. = AI. 525 f.; darna hiez er alle(z) irslan die da gote werenunderdan Tob. 241 f. = unt wurden imeundertän, er hiez si alle an daz crüce slahenAI. 653 f.; vast (= veste): gebrast Tob. 193 f.(s. Degerings Anm.) = AI. 675 f. Neptalymund Zabulon und, nach Degerings Besserung,Naason werden Tob. 43 f., im AI. 687—690genannt; auf Tobias in Medenreich wird an-gespielt im AI. 1461 f. (Meden lant Tob. 145);Zitate aus Salomo: Tob. 187 f., AI. 20. 62. —Die Formeln im Tobias sprechen wenigstensnicht gegen gemeinsame Verfasserschaft: ichsage uch 129 ist auch im AI. häufig, dazbuoch saget uns Tob. 122. 224= AI. 36.1396(vgl. 1529); Nu vernemet Tob. 135 = AI. 155;nu ne weiz ich Tob. 261 = AI. 748; Formelnmit man, mach men hören Tob. 78 (vgl. 218)= AI. man saget 1321, vgl. 1329; Hirmugeter
AI. 11; Eingangsformel mit Einführung desHelden: dar umbe ich doch des began Tob. 36(vgl. 30. 232) = umbe den ich is began AI. 60(die Straßburger Hs. hat umbe den ich diserrede began 64, Tob. stimmt also, wie zu er-warten war, mit V gegen S). Einige formel-hafte Wendungen mit quit 34. 186, verstan117, gescriven 160 kommen in V nicht vor,wohl aber in S, z. B. 2367. 5241. 4924, wasauf dem Inhalt beruhen kann und keines-wegs engere Beziehungen vom Tobias zu Sanzunehmen benötigt.
3 ) Einige „Reimbesonderheiten" bei De-gering S. 545; J. Vorstius, Die Reimbrech-ung im frühmhd. Alexanderliede, MarburgerDiss. 1917; vgl. auch Wallner. S. 201.
4 ) Der Tobias wird vor dem Alexander-lied verfaßt sein (anders Wallner S. 201),denn die Erwähnung von Naason, Neptalimund Zabulon im AI. 687—690 stammt dochwohl aus Tob. 43 f. Naason konnte Lam-precht nur aus Vulg. Tob. 1,1 kennen, dadieser Ort sonst nirgends in der Bibel er-wähnt wird. Naason und Neptalim hat eraus jenem Verse der Vulg. entnommen, Za-bulon aus Eigenem hinzugefügt (vgl. Kinzel,Lampr. Alex. Anm. zu 687. 689 u. 690,S. 433). Die im Tob. verstümmelte Stellescheint zu besagen: Nephthalim und Zabulonstifteten Naason, womit Lamprecht Nephtha-lim als Person, Sohn Jakobs, auffaßte, wäh-rend er später im Alexander richtig Neph-thali (ex civitate Nephthali Vulg.) als „Nep-talimlant" übersetzte. Das Interesse Lam-prechts für die Tobiasgeschichte zeigt ihreErwähnung AI. 1461 f.