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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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A. Geistliche Literatur, c) Geistliche Epik.

12, ähnl. 133, 24, walblut 130, 19, uolchwtch 131, 9. 137, 26, wichgeserwe151, 22. 175, 8. 179, 27 u. a. 1 ) In der Beschreibung von Judiths Kleidung161, 522 = Vulg. 10, 3 nennt er die vestimenta jucundltatis nicht un-passend brütgwant, denn das Brautkleid ist das Festgewand der Frau; 2 )die Sandalen, indultque sandalia pedibus suis, erwähnt' er nicht, weil sienicht zu der typischen Ausstattung der deutschen Frau gehören.

Gegenüber den hervorragenderen Werken .biblischer Epik, der Wien-Milstät.Genesis, den Vor. Büchern Mosis, auch der Exodus, deren Verfasser demüberlieferten Stoffe eigene Gedanken und eigenes Leben einzugeben ver-standen, stellt die jüngere Judith eine geringwertigere Schicht der Bibel-übertragungsliteratur dar. Dem entspricht auch die äußere Form, Stil undMetrik. Der sprachliche Ausdruck ist ungewandt, die vielen ausfüllen-den formelhaften Verse und erzwungenen Reime zeigen zur Genüge die Not,die der Verfasser bei der Übertragung des lat. Textes hatte. 3 )

Ebenso ist die Metrik 4 ) beschaffen, unbeholfen in Reim und Versbau.Die Reime fallen nicht mehr auf Flexionssilben, sind aber unverhältnismäßigoft unrein, nicht selten finden sich Dreireime. Die Verse sind ungleich gebaut.

Der Verfasser war ein Geistlicher, denn er kannte die Bibel und ver-stand Lateinisch. Er hat das liet (128, 1.19) für ein Laienpublikum gedichtet,denn er erzählt nur Tatsachen, und diese in anspruchsloser Form, geht abernicht auf den tiefern Sinn ein. Er rechnet nicht nur auf ritterliche Hörer,denn er richtet seine rede (127, 3. 128, 18) an die lieben täte 1.

Das ältere und das jüngere Gedicht von der Judith sind Vertreterder zwei verschiedenen Gattungen der erzählenden Dichtung, des epischenLiedes und des Epos, also zweier Stilarten, des gedrungenen Stils und desbreiten Stils. Das epische Lied läßt die Höhepunkte der Handlung scharfhervortreten, das Epos nivelliert; jenes stellt Ereignisse dar, dieses Situationen.Beide Dichter, der spielmännische und der geistliche, fassen den geistigenGehalt von verschiedenem Standpunkt aus auf, für jenen ist die Geschichteder Judith der Kampf des Christentums gegen das Heidentum, für diesenein Beispiel des Schutzes, den Gott den gläubig Gehorsamen verleiht.

§ 24. Des Pfaffen Lamprecht Tobias.

Abgedruckt und besprochen von Herm. Degering, Beitr. 41, 528553; Faksimile beiVogt u. Koch, LG. 4. Aufl. 1, 84. Wallner, Beitr. 43,199208.

Hs.: Bruchstücke einer Pergamenths. vom Ausgang des 12. Jhs. in Berlin, 2 Bll., insehr fehlerhaftem Texte.

Inhalt: A. 129 Einleitung. 16 Anrufung Gottes, 710 der Name des Verfassers,1129 Gehalt des Gedichtes: Belehrung den Guten und den Bösen. B. 30274 der er-haltene Hauptteil bis zum Schluß des Bruchstücks handelt nur von der Frömmigkeit undden Taten des alten Tobias.

') Scherer, QF. 7,57 f.; Pirig S.27 f. 39 ff.

2 ) Scherer aaO., vgl. mhd. brütlachen (beiWolfram), ein feines Gewebe, das nicht nurvon der Braut getragen wird, Heyne, Körper-pflege u. Kleidung bei den Deutschen S. 220.

3 ) Pirig S. 4550. Lat. sind häufig dieFlexionen bei Eigennamen, Pirig S. 15f.;Grunewald S. 11.

4 ) Scherer, QF. 7, 58 f.; Pirig S. 5976;Schröder, Gott. Nachr. 1918, 424.