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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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A. Geistliche Literatur, c) Geistliche Epik.

Zu Überlieferung, Dialekt, Orthographie, Heimat und Zeit s. das vorher-gehende Gedicht.

Inhalt. I. Einleitung Str. 1. 2: Holofernes der Gottesfeind. II. Hauptteil Str. 3 IIb:a) 36 Holofernes belagert Bathania (Bethulia); b) 7 IIb die Tat der Judith. Der Schlußfehlt, das Gedicht bricht unvollendet ab.

Quelle ist das biblische Buch Judith, und zwar mit Kap. 1. 2. 4. 6. 7.8. 10. 12. 13, aber der Dichter scheint den Text der Bibel nicht unmittelbarbenutzt zu haben. In der Entwicklung der Handlung weicht das deutscheGedicht außer starken Kürzungen nicht ab, wohl aber in vielen Einzelheiten,die besonders in der zweiten Hälfte, von Str. 8 an, die Gesamthaltung be-einflussen: Holofernes sieht die Judith herankommen Str. 8,19, 4, währendin der Bibel die Knechte sie ihm zuführen, ohne daß er sie vorher erblickthatte Kap. 10, 11 ff.; im Gedicht wünscht Judith das Hochzeitsmahl Str. 9,510, 4 und macht den Holofernes trunken, in der Vorlage sind diese Er-eignisse eine Fügung Gottes Kap. 12, 8, Holofernes verlangt selbst das MahlKap. 12, 10 und kommt durch übermäßige Fröhlichkeit Kap. 12, 20 in denverhängnisvollen Zustand; Judiths Gebet Str. 11, 38 = Kap. 13, 6 f.; dieEngelserscheinung in der letzten Strophe ll b , 1 ff. ist eine Zutat des Dichtersgegenüber Kap. 13, 8 ff. Kleinere Änderungen: der Name der Stadt,Bathania Str. 3, 8 gegen Bethulia (Bethania war dem Dichter aus der Lebens-geschichte Jesu bekannt); aus dem Hohepriester Eliachim in Jerusalem Kap. 4,5. 11 ist der Bischof Bebilin der belagerten Stadt geworden Str. 6, 11; derName der Dienerin Abra ist in Ävi verdeutscht; die Belagerung von Bethuliadauert in der Bibel zwanzig Tage Kap. 7, 11, im Gedicht mer danni einjärStr. 4, 2, die Frist bis zur Übergabe in der Bibel fünf Tage Kap. 7, 23. 25,im Gedicht drei Tage Str. 6, 14.

Das deutsche Gedicht ist für die Entwicklung unserer Literaturgeschichtevon ganz besonderer Wichtigkeit: es ist eine der wenigen volkstümlichenBalladen, die wir aus ahd. bezw. mhd. Zeit besitzen 1 ) und damit ein Musterfür den Stil eines epischen Volkslieds aus der mhd. Frühzeit; zugleich aberauch ein Beispiel für die Methode bei der Übertragung eines biblischenStoffs in ein deutsches Spielmannsgedicht, und zwar das einzige Beispielhierfür, denn die ältere Judith ist das einzige echte geistliche Spiel-mannslied. Der fremde Stoff ist in die deutsche Anschauungswelt um-geformt, darauf beruhen die meisten der oben angeführten Abweichungenvon der alttestamentlichen, jüdischen Erzählung. Deutsch ist das 'Lokale,eine Bischofsstadt, 2 ) elnl burch 3, 7, deren Herr, der biscof, den deutschenNamen Bebilin hat, die Bewohner sind die Bürger, burgärl 6, 10, an derenSpitze der burcgrävl steht 6,1. Mit dem Bischof als dem Herrn über Krieg

] ) Das Hildebrandslieds. LG. I, 115 ff., derSegen Ad equum erraehet S. 110, die Tänzervon Kölbigk S. 239 ff. Ueber das Wesendes epischen Liedes s. unten Spielmanns-dichtung.

2 ) Bethulia zu einer Bischofsstadt zu machenwird der Dichter veranlaßt worden sein durchdie in der Bibel vorhergehende NennungJerusalems und des Hohepriesters Kap. 4.