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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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§ 21. Die drei Jünglinge im Feuerofen.

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licher Gottesmut zwingt selbst die Heiden zur rechten Überzeugung undzur Bekehrung. Von diesem christlichen Standpunkte aus erklären sich dieAbweichungen gegenüber der historischen, das ist der biblischen Auffassung:die christlichen Glaubenszeugen predigen von Gott (4, 6), ihre Lebens-aufgabe ist es, die Heiden zu bekehren, und sie gelingt ihnen; die drei Be-kenner des alten Testamentes dagegen können wohl für ihren Glaubensterben, aber die Gegner nicht von ihrer Irrlehre zur Wahrheit bekehren.Und andererseits ist der König kein blöder Tyrann, sondern ein wahrheits-empfänglicher Mensch, der Wandel seiner Gesinnung besteht aber doch nichtin der Bekennung, sondern nur in der Duldung des andern Glaubens. Indem alttestamentlichen Stoff sah das Mittelalter gläubige Männer, die in derdunklen Zeit des Heidentums schon vor der Erscheinung des Erlösers denwahren Gott verkündigten und ihr glaubenstreues Heldentum glich so ganzeinem Märtyrerwunder: das ist der Grund, weshalb er aus der Fülle desbewegten alttestamentlichen Lebens wieder werbende Kraft für die Christen-heit gewann. 1 )

In Stil und Metrik besteht kein prinzipieller Unterschied gegenüberdem Lob Salomons. Charakteristische Formen wie Wiederholungen (7, 7 f. =8, 7 f.), zweigliedrige Ausdrücke (6, 6), Formeln (2, 1), epische Epitheta (1,8. 2, 2. 7, 6. 12. 8, 6), lat. Sätze (7, 14 f.),*) begegnen im Verhältnis'seltener(das Gedicht umfaßt etwa nur ein Drittel der Verszahl vom Lob Salomons).

Die Hs. bezeichnet durch große Initialen 7 Abschnitte zu 12. 12. 8. 8.16. 16. 10 Zeilen (im dritten Abschnitt Lücke). 3 )

§ 22. Judith (die ältere Judith).

Kelle 2, 5 f. 239 f.; Piper GD. 1, 21522. Ausg.: Diemer, D. Ged. S. 119123, Anm.S. 47 f., Einl. S. XLII; MSD. Nr. 37 und II 3 , 234237; Waag, Kl. d. Ged. 2 S. 3843 u.Einl. S. XXIXXXXV; Schade, Geistl. Ged., Einl. S. XLXLVIII. Bartsch, Germ. 9, 64;K. Hofmann, Münch. SB. 1871, 558561; Scherer, QF. 12, 41; John Meier, Beitr. 16, 95;Kraus, ZföG. 45 (1894), 139; Sievers, Prager deutsche Stud. 8; V. Teuber, Die m.alterl.Ged. von d. Judith, Progr. Kommotau 1906; Wallner, ZfdA. 41, 76; ders., Beitr. 43, 181 ff.

Hs. Vor. Hs. Bl. 100»100 c . Der Text schließt sich ohne Unterbrechung in gleicherZeile und ohne durch großen Anfangsbuchstaben als ein neues Stück kenntlich gemachtzu sein an das vorhergehende Gedicht von den drei Jünglingen an. 4 )

1 ) Symbolische Bedeutung der tres pueriz. B. im Speculum Eccl. des Honorius Aug.,Migne 172, 905 BC. 1082 A; ein Bild der Ge-rechten beim jüngsten Gericht: Alcuin deTrinitate, Migne 101, 53, s. auch Sp. 485; imgriech. Physiologus: Strzygowski, Byzantin,Archiv H. 2, Reg. S. 128. Die drei Jünglingewerden oft in Gebeten angerufen als Bei-spiele, wie Gott die Bittenden erlöst.

2 ) Grünewald S. 8.

3 ) In MSD. sind 8 Strophen angenommen.Schade aaO.führt seineözeilige Strophe durch.

4 ) Die Hs. macht fälschlich einen Abschnittvor den beiden letzten, unechten Zeilen desGedichtes von den drei Jünglingen. DiefalscheAbteilung wird dadurch entstanden sein, daß

jene beiden Schlußzeilen, MSD. Nr. 36, Str. 8,11 f., in einer früheren Hs. von einem Schreiberan den Rand notiert waren, dann von einemfolgenden Abschreiber in den Text hinein-getragen wurden, wobei dieser die richtigeAbteilung verfehlte. Scherer trennt inMSD. zwei Gedichte, die drei Jünglinge unddie Judith. Diemer machte, der Hs. ent-sprechend, keine Trennung und faßte beideGedichte zusammen unter dem TitelGe-schichte der Judith nach älterer Bearbeitung"(S. 115), ältere Judith. K. Hofmann und ihmfolgend Waag, Beitr. 11, 116119 und inseiner Ausgabe, belassen ebenfalls die Ein-heit und geben den GesamttitelNabucho-donosor".