§ 20. Das Lob Salomons.
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Text ist unbekannt. Der Dichter führt als Gewährsmann Hieronymus an,der habe die Wundergeschichte in dem Buche archely gefunden (5 b , 1 ff.):damit sind die Antiquitates des Hieronymus Egyptius (um 300 v. Chr.) ge-meint. 1 ) Gegen die Würde der alttestamentlichen Auffassung von Salomo,seinem Tempelbau, seiner fürstlichen Größe und Weisheit, hebt sich diesergroteske Beitrag zur Geschichte des großen Königs ab wie ein Spielmanns-scherz von einem ernsten Epos und ist vielleicht einer burleskeren deutschenBallade entnommen, und man hält die Szene wohl nicht mit Unrecht fürinterpoliert. 2 ) Der Stil 3 ) gibt keinen entscheidenden Anhalt, die Verse sindim allgemeinen kürzer, die Strophen länger als sonst. Lat. Formen hat auchder Interpolator, die wohl aus einer lat. Vorlage stammen (libano 40. 57,cisternam 18, dagegen verdeutscht dl cisternin 12; aber archely 5 = Archaeo-logia spricht nicht für besonderes Verständnis des Lat.). Der Grund aber,weshalb der Interpolator an Stelle der biblischen Darstellung vom Tempel-bau dieses seltsam profane Märchen setzte, ist die Freude am Wunderbaren{ein mlchel wundlr 5 b , 3, mlchills wundlrls glmach 8). Außerdem enthieltes die im volkstümlichen Epos beliebte Figur des Drachen und das echtspielmännisch-populäre Motiv, die Trinkerfreude des Wurmes; zugleich wardie Überlistung des Trunkenen ein Beispiel für die Weisheit des gefeiertenKönigs (er ded so wtsllchl 5 b , 16. 36. 52). Durch solche Popularisierung desbiblisch würdevollen Stoffes wollte der Bearbeiter auf das Interesse einesvolkstümlichen Laienpublikums wirken.
Den Kerngehalt des Gedichtes bildet Salomo in seinem Reichtum, seinerWeisheit, seiner Friedensliebe, als ein Vorbild weltlichen Königtums, undzugleich symbolisch als ein Abbild Gottes des allmächtigen Weltschöpfersund Himmelskönigs, insofern er den Tempel erbaute und einen glanzvollenHof hielt, und Christi des Herrn der Kirche und des Bräutigams der Seele,vermittelst seiner Beziehungen zu der arabischen Königin. 4 ) Die religiöseStimmung kommt besonders in den Eingangs- und Schlußstrophen zurGeltung, geistlich ist auch die Allegorie.
Der Stil ist episch, also formelhaft: Einfacher Satzbau, der oft parallelverläuft. Wiederkehrende Wendungen: 5 ) 3,4—20. 4; [3,10 = 5 b , 49]; 4,1 f. =12,lf.;4,6 = 5,8[5 b ,29];4,9f. = 12,6f.[5 b ,3 = 5 b ,8;5 b ,15f. = 5 b ,51f.;5 b ,40= 5 b , 57; 5 b , 41 f. = 5\ 63f.]; 7,10= 19, 9; 9, 1 = 11, 1; 13,5f. = 15, 3f.; 15,1=20, 1; 17, 1 = 18, 1; 16, 1 = 17, 2 = 18, 2. Bekannte Formeln: [5 b , 1
') Kelle 2,121.322f. Hieronymus v. Kardias. Handb. d. klass. Altertumswissensch. VII, 2,159 f.
2 ) MSD. II», 224-226; SCHERERaaO.; K.Hofmann aaO.; Waag, 2. Aufl. S. XXV; da-gegen 1. Aufl. S. XX. H.SCHAMMBERGER.ZumQed. 'Lob Salomons', Leipz. Diss. 1910, suchtauf Grund der rhythmischen Melodik dasGedicht verschiedenenVerfassernzuzuweisen.
s ) Wunderlich, ZfdPh. 26, 113.
4 ) Salomos Tempelbau ist Gegenstand fürdie Predigt der Kirchweihe, zur Feier derDedicatio Ecclesiae; teilweise ähnlichen In-halt wie unser Gedicht hat die Predigt beiSchönbach, Ad. Predigten Bd. 3, Nr. 44aS. 98 ff.
6 ) Kraus, ZföG. aaO. S. 136.