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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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A. Geistliche Literatur, c) Geistliche Epik.

V. Balaam, Bl. 94 a96», Diemer S. 72, 885, 3. a) Balaam und Balach72,825; Balaams Eselin 72,2675,10; Balaam und Balach 75,1176,4.

b) Die israelitischen Stämme 76, 478, 17; die Stiftshütte 78, 1784, 26.

c) Schluß, Balaams Segenswunsch 84, 2685, 3. Auch dieses V. Stück istzusammengesetzt aus epischen und didaktischen Partien, die sich aber hiernicht durchschlingen, sondern gesondert gehalten sind. Dem Ganzen liegtNum. 2224, die Erzählung von Balaam, zugrunde, die sehr frei behandeltist. 3 ) Das Ringen des guten Mannes mit dem störrigen Vieh liest sich wieeine komische Heldenballade. Mit sichtlichem Wohlgefallen verweilt derDichter bei dem ins Burleske gezogenen Vorgang, den ernst religiösenHintergrund der biblischen Darstellung außer acht lassend.

Der zweite Teil (b) ist die Aufzählung und die Lagerung der israelitischenStämme in freiem Anschluß an die Balaamepisode Num. Kap. 22, 41. 24, 2.5. 6 u. Kap. 26 sowie an Num. 2, 333. An die Leviten als Hüter der Stifts-hütte und Bundeslade (Num. 1, 49 ff.) ist eine Beschreibung des Inhalts derStiftshütte angeknüpft (78, 1784, 26). Die Dinge werden dann geistlichgedeutet und diese Auslegungen haben vereinzelt eine Ähnlichkeit mit Rupertsvon Deutz Erklärung.

Es ist ein seltsames Stück, zur Hälfte weltlich, zur Hälfte geistlich. DieWeissagung, die dem heidnischen Propheten sein Ansehen verschaffte,Num. 24, 17, ist ausgelassen, dafür bei Aarons Gerte die Hindeutung aufdie jungfräuliche Geburt Num. 17, 1 ff. beigebracht.

Die sprachliche Ausdrucksweise weicht etwas ab von der in derVor. Genesis und dem Moses. Am deutlichsten tritt das zutage in der An-einanderreihung der Sätze, wo die einleitenden dp wenig gebraucht sind.Vortragsformeln, etwas anders gewendet als im Moses, 1 ) sind häufig, wiedenn viele Wendungen und Sätze zur Ausfüllung oder zum Reimen dienen,besonders in der Aufzählung 76, 12 ff., z. B. patriarchis : daz ist gewis13 f., und so 76, 20 f. 21 f. 23 f. 26 f. 77, 4 f. 2 )

Metrik. 3 ) In den Reimen der Genesis und des Moses herrscht nochgroße Freiheit, nicht viel unter der Hälfte sind unrein, schwachtonige Neben-silben sind oft Reimträger, doch sind ganz schwere Assonanzen gemieden.Der Versbau ist mittlerer Art, ganz kurze oder überlange Verse sind selten.

: ) Münscher S. 113f. 115. Lat. Wörter:Grünewald S. 11.

2 ) Manches in Sprache und Inhalt erinnertan das Marienlob (Münscher S. 152):gleich der Eingang mit WUent Bari. 72,8wie Marienl. in MSD. Str. 1, 1, auch 2,5;Ausfüllung zweier Verse durch zwei Wort-paare : suoje oder siure, genuoge oder tiure78, 28 f. Huren unde guoten, edelen undefruoten Marienl. 3, 3 f.; irkennen : nennen 78,30 f. genennet: irkennet Marienl. 3,5 f.; sichpflegen 81,22 f. (und Moses 41,19) Marienl.3, 12. Ähnliche Motive: lilie 83, 26, lilium

(im Reim) 82, 7. 83, 17 Marienl. lilje 3,5,lilium (im Reim) 5, 11 (als Symbol der Un-schuld 83, 19 der Demut Marienl. 5, 13);berehaft 82, 23. 83, 26 Marienl. 4, 2;Aarons gerte 79, 20 ff. gerte von YesseMarienl. 2, 3. 6. 5, 1; diu gerte bezeichenetunser fr owen 80,18 f. Diu gerte bezeichenetdi magt Marienl. 4,1; des geistes gebe 82,24 f. mit sibenvaltiger gebe Marien!. 3,11,di siben gebe 4, 5; wuocher auf Christusbezogen 80,19 Marienl. 2,13; ireinbornensun 80, 19 f. Marienl. 4,3.3 ) Münscher S. 751C9. 145 ff.