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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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§ 19. VORAUER BÜCHER MOSIS.

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Vor. Hs.: dort herrscht die epische Anschauung und die erzählende Dar-stellungsweise, hier überwiegt die lehrhafte Durchdenkung mit predigtartigemAusdruck. In dem mehr formellen Sprachgebrauch, in der Syntax, in demGebrauch der Zweigliedrigkeit, des Epithetons, lat. Wörter, 1 ) lassen sichbeim Vor. Moses keine maßgebenden Sondermerkmale gegenüber derGenesis feststellen.

Gegen Ende greift die Erzählung noch auf das Buch Josua über 67,1569, 6, denn der Verfasser hatte die Absicht, mit der Besitzergreifung desHeimatlandes durch die Israeliten abzuschließen. Die Raab-Episode (63,427, Josua Kap. 2) ist schon vorausgenommen und mit der erstmaligenAussendung der 42 Kundschafter vereinigt worden. Die typologischen Aus-legungen hören hier auf. Der Dichter eilt zum Schluß. Moses' Ende wirdrasch abgetan 66, 16 ff., der Dichter muß es verschweigen, er will es inLatein sagen. Dann führt er einige Sätze De obitu Moysis an, sie stammenaus der apokryphen Himmelfahrt des Mose, Adscensio oder AssumptioMosis. 2 ) Gibt der Sinn mit der Eroberung Jerichos einen natürlichen Halte-punkt, so ist doch die Darstellung jäh abgebrochen. Unmittelbar darauf69, 6 folgt das Marienlob mit der Weissagung von der Geburt Jesu.

Zwischen dem Vor. Moses und der Wien-Milst. Exodus, die beidedemselben biblischen Buch entstammen, bestehen nur geringe Beziehungen;der Verfasser mag das ältere Gedicht gekannt haben, ist aber nicht von ihmbeeinflußt. 3 ) Die Gedankenbezüge gehen auf die Dreieinigkeit, auf die Gabendes heil. Geistes, auf Glaube, Hoffnung, Liebe, auf geistliche Tugenden undauf den Weg der in der Welt Wandelnden zu Gott 82, 884, 26. Die Stifts-hütte mit ihrem Inhalt ist auch im Vor. Moses als Grundlage zu geistlicherAuslegung gemacht 58, 762, 2, aber hier sind es andere Gegenständeund andere Deutungen. Die allegorische Partie wird rasch abgebrochenmit den Worten nu läze wir die rede stän von disen selben dingen 84,20 ff. Kurz wird zurückgekehrt auf die Lagerung der Israeliten 84, 26 undin eiliger Hast mit ein paar zusammengerafften Worten geschlossen. Dieletzten Zeilen sind verstümmelt.

IV. Marienlob, Bl. 93<-94», Diemer S. 69, 672, 8, s. unten.

1 ) Grunewald S. 10. Sprachl. Parallelenzur Genesis und zum Joseph s. MOnscherS. 151 f.; zu andern Gedichten: Diemer, Anm.S. 15ff.; Scherer, QF.7,48.

2 ) Diemer, Anm. S. 2426; über die Himmel-fahrt Moses s. Emil Schürer, Gesch. d. jü-dischen Volkes im Zeitalter Jesu Christi III 3 ,213222; Burdach, Faust u. Moses, Berl.Ak. 1912 S. 361 ff. In dem aus dem BuchJosua .(vgl. auch Josephus B. IV Kap. VIII,46 ff.) entnommenen letzten Stück 67,15 69,6wird der Held, der vorher Josue hieß (65, 1 f.66,4), Jesus genannt (67, 18. 24. 68,4.9. 29).Daraus braucht man nicht auf zwei verschie-dene Verfasser zu schließen (Rödiger, Anz.

1,77; Waag S. 103 f.). Jesus kommt fürJosue in der Bibel oft vor (Sirach 46,1; Hab.4,18; 1.Mach. 2,55; 2.Mach. 12,15; Apostel-gesch. 7, 45; Hebr. 4, 8), es ist die Form desJosephus, unser Verfasser aber konnte sieaus der Ascensio Mosis haben, wo sie Regelist, auch Ruperts v.Deutz' Kommentar konntemitgewirkt haben, wo Josue auf Jesus denHeiland interpretiert wird, Migne 167,10011005; vgl. Jesus der Gotes genanne Diemer68, 29f. (Zu 68, 47 vgl. den Jordansegen,'LG. I, 103).

3 ) Pniower, ZfdA. 33, 73 ff.; MünscherS. 132 ff.