94 A. Geistliche Literatur, c) Geistliche Epik.
Teil gehört der Exodus an, nämlich 32, 1—62^2, dann folgt 62, 3 — 14 =Num. 21, 6—9; 62, 14—26 = Ex. 17, 8—13; 62, 26—63,4 = Num. 13, lff>63, 4-27 = Jos. 2, 1; 63, 27—66, 8 = Num. 13, 24ff. 14, 1 ff.; 66, 9-15 ==Num. 20, 12 f.; 67, 15-69, 6 = Jos. 1. 3. 4. 6 (gekürzt).i) Das Verhältniszwischen Erzählung und Auslegung ist im Vor. Moses ein anderes als inder Genesis. Die Exodus hat schon an sich ein geringeres episches Ge-präge und nur wenige Höhepunkte in der Handlung; in der Vor. Bearbeitungaber überwuchert die Belehrung die biblische Überlieferung auf breite Strecken tMoses Stab ist das Kreuz 35, 8—18; die zehn ägyptischen Plagen sind ge-wisse Klassen von Sünden 38, 6—40, 14; das Osterlamm ist Christus undsein Tod 41, 19—42, 27; das Manna ist der Leib Christi im Abendmahl50, 6—20; die Stiftshütte ist die Christenheit 55, 24—26, die einzelnen Teilesind die einzelnen Glieder der Gemeinschaft der Heiligen 58, 10—60, 21;die eherne Schlange ist Christus 62, 8—11; s. ferner 35, 18—29. 43, 19—44,26. 48, 16—49, 2. 49, 3—18. 49, 18—50, 5. 50, 20-30. 50, 30—52, 3. 60,21—61, 3. 61, 3—22. 61, 22—62, 2. Die stärkste Verchristlichung aber deralttestamentlichen Religionsanschauung liegt in dem Gottesbegriff: aus demstrafenden Judengott ist der Gott der Liebe des Evangeliums geworden,an Stelle des Fluches, den der Herr über das Volk ausspricht Ex. 32, 33—35,setzt der Dichter die Segensworte des Evangeliums Matth. 22, 37—40, diedas Grundgebot des Christentums enthalten, die Liebe zu Gott und demNächsten 55, 11 — 19. Damit ist die Gottesvorstellung im Vor. Moses gekenn-zeichnet: es ist die gleiche wie in der Vor. Genesis, die Menschen sindGottes Kinder 36,5—8. 13—16. 18f.; Gottes ist die Gnade 55, 12.
Der Vor. Moses enthält nach der Erzählung von Moses in Ägypten denAuszug der Israeliten und schließt ab mit der Eroberung Kanaans, allegorischgedeutet ist dies die Rückkehr der Menschen aus der Verbannung in derWelt zum Heimatland im Himmel. Dieser Grundgedanke ist behandelt in43, 19—44, 26 und 49, 3—50, 5 (vgl. auch 37, 1-6). Um dieses Haupt-motiv gruppieren sich dogmatische Auslegungen: Christus und das Kreuz,das Meßopfer, die Taufe, die Trinität, und moralische: Verhalten der Menschenin der Christenheit, Sünden, Ermahnung zur Beichte und Buße, Hinweisungauf Gnade oder Verdammnis. Somit ist die alttestamentliche Geschichte imVor. Moses zu einem christlichen Kommentar geworden und zwar hat derVerfasser hier das Werk Ruperts von Deutz De Trinitate et operibus ejusvor Augen gehabt (vollendet 1117). Mehrere Deutungen, besonders auchdie Verdrängung des rächenden durch den gnädigen Gott, finden sich dortähnlich, aber allerdings nur in allgemeinen Zügen. Auch hier, wie in derganzen Bearbeitung, ist der Dichter recht selbständig verfahren. 2 )
Sehr häufig sind Formeln des geistlichen Vortrags. 3 ) Gedanken- undSprachstil sind also unterschieden in der Genesis und dem Moses der
*) MSD. II 3 , 248; Münscher S. 120ff. I S. 140—144.
2 ) Kelle S. 114f. 316—319; Münscher | 3 ) Münscher S. 112—114. 115.