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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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§ 19. VORAUER BÜCHER MOSIS.

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drei Engel, die Abraham besuchen, sind die sancta Trinitas 16, 24; die Drei-teilung der Gottheit übertragen auf die menschliche Seele ergibt die dreiKräfte vlrnunst (ratio), gehuht (memoria), wille (voluntas) 8, 68; alsSchöpfer wird Gott allein genannt 3,1 ff. Wie schwächlich ist diese spiritua-listische Verflüchtigung der Gottesvorstellung gegenüber der trostreichenLehre der Wiener Genesis von dem Gott der Gnade!

Auch sonst sind theologische, in der älttestamentlichen Genesis nichtenthaltene Beziehungen eingestreut: 9, 6. 10, 2f. 17, 14; 7, 22-8,2. 10, 1 f.516. 1925. 25-29. 11, 21 ff. 12, 1 ff. 12, 4ff. 15, 27ff.; 13, 2815, 9.16,8f. 19. 18, 21 f.; 17,2918,4. 18,2729. 29,2030,6. Diese Be-lehrungen und Erklärungen sind Gemeingut der mittelalterlichen Theologie,«ine spezielle Quelle, aus der die Vor.Genesis unmittelbar geschöpft hätte,ist nicht nachzuweisen. 1 )

Der Stil ist der der einfachen Erzählung. In der Satzverbindung herrschtParataxe vor, oft mit Aneinanderreihung mit oder durch anaphorischePronomina; die Nebensätze sind meistens temporal mit oder relativ ver-bunden. Epitheta sind spärlich verwendet und nur die typisch gebräuch-lichen, zweigliedrige Formeln sind beliebt. Häufig stellt sich die Beteuerungze wäre, daz ist war, ich sage dir ze wäre ein, besonders als Notbehelffür den Reim. Formelhafte Quellenberufungen sind selten. 2 ) Neue Personenwerden oft durch eine kurze, allgemein gehaltene Charakteristik eingeführt:4, 15. 11, 20. 12, 4. 15, 27. 16, 11. 19, 5. 21, 24. Individuell erfaßt ist derjugendliche Jakob als ein frommer Hirtenknabe: er kam selten aus dem Zeltseiner Mutter, da innen lernte er die süße Gottesminne, da hütete er seineSchafe; Gott kam selten aus seinem Sinne 21, 2922, 4. 3 )

II. Joseph in Ägypten, Bl. 78 b87 d , Ausg. von Diemer und Piper s.oben in der Literaturangabe. Der Joseph der Wiener Hs. ist unverändert indie Vor. Hs. aufgenommen worden, der Text der Wiener Hs. ist besser alsder an Flüchtigkeiten, seltener an überlegten Änderungen reiche der Vor.Hs. 4 ) Der größte Teil, Piper 12064, ist rein erzählend, der Schluß von2065 an, der Segen Jakobs, ist gedeutet auf Christus' Erlösungstod, denAntichrist, das Himmelreich.

III. Vorauer Moses, Bl. 87 d93<=, Diemer S. 32, 169, 6. Die Behand-lung des Bibeltextes ist noch viel freier als in der Genesis, sowohl hinsicht-lich der Auswahl als der Anordnung der stofflichen Elemente. Der größte

schiedenen Büchern des alten und neuenTestaments genannt. Hieronymus, Ambrosiusund Augustinus (Enchiridion 58, De civitateDei B. 11 u. 12) haben die Lehre von denEngeln begründet, die Rangabstufung derhimmlischen Hierarchie in den neun Chörenhat ihren Ursprung in des Dionysius Areo-pagita (5. Jh.) De coelesti Hierarchia c. 6 u.wurde bes. durch Isidors (Etymologien VII, 5).System zum festen Bestand der Kirchenlehre.

J ) Benutzung von Ruperts v. Deutz DeTrinitate et operibus ejus nimmt Kelle S. 110113 u. Anm. an; vgl. MOnscher S. 140 ff.

2 ) Münscher S. 113115.

3 ) Lat. Wörter s. Grünewald S. 10.Sprachliche Parallelen zu Joseph und Moses:Münscher S. 151153; zu andern Gedichten:Diemer, Anm. S. 3 ff.; Scherer, QF. 7,43 f.;Kelle S. 315 f.

<) Vogt, Beitr. 2, 210230.