§ 19. VORAUER BÜCHER MOSIS.
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war, und zwar vor Herren, denn für deren Interessenkreis paßt der ritter-liche Aufputz und die Anrede mine herren. Lat. Wörter kommen nur amAnfang und Ende vor, öfter aber lat. Flexionen in Eigennamen. 1 )
§ 19. Vorauer Bücher Mosis.
Kelle 2,110—119. 309—321; Piper, GD. 1,88. 193 f. 195—199. — Ausg.: Diemer, D.Ged. S. 1—85, Anm. S.3-31, Einl. S. XXXIX ff., dazu Kollation von Piper, ZfdPh. 20, 474—479; der Abschnitt über Joseph ist von Diemer nicht in seiner Ausgabe der Vor. Hs.abgedruckt (vgl. daselbst S. 32 und Einl. S. XL), sondern nachgeliefert als „Geschichte Josephsin Ägypten" in seinen Beitr. Teil V Nr. XX u. XXI, Wiener SB. 47 (1864), 636—687, 48 (1864),339—423; neu hgb. von Piper „nach der Wiener und der Vorauer Hs.", ZfdPh. 20,257—289.430—474. — Scheeer, QF. 1,4—6. 57 f. 7,42—51. 12,56 f.; MSD. II 3 , 248. 258 Anm.;Rödiger, Anz. 1,69—72. 75—78; Waag, Beitr. 11, 93—105; Alb. Mönscher, MarburgerDiss. 1908.
Hs.: Vorauer Hs. Bl. 74a—96 a . Der Text der Bücher Mosis ist nicht sorgfältig, er ent-hält viele Schreibfehler und Lücken. 2 ) Zwei Pergamentbl. des Vorauer Moses (= Diemer57,23—66, 8), 13. Jh., befinden sich im Linzer Museum. 3 ) Die Geschichte Josephs ist auchin der Wien. u. Milst. Gen. enthalten.
Das ganze Werk besteht aus fünf Teilen: I. Die Vorauer Genesis,Bl. 74 a —78», Diemer S. 3, 1—31, 30.
Schöpfung des Himmelreichs und der zehn Engelchöre, Lucifers Fall 3,1—5,8; Er-schaffung der Erde, der Sterne, von Sonne und Mond, des Paradieses 5,8—6,10; Er-schaffung von Adam und Eva 6, 10—7, 19; Sündenfall 7, 19—9, 26; Verstoßung aus demParadies 9, 26-10, 29; Kain und Abel 10, 29—11, 19; Adams Nachkommen 11, 19—12, 4;Noe, Sintflut 12, 4—13, 28; Noes Trunkenheit, Entstehung der Stände 13, 28—15, 9; Sprach-verwirrung 15, 10—24; Abraham 15, 24—19, 21; Isaak 19, 21—21, 13; Esau und Jakob 21,13-24, 17; Jakob 24, 17—31, 30.
Der Dichter kannte die Wiener Genesis, 4 ) wie aus einer Reihe sprachlicherÜbereinstimmungen hervorgeht. Sie lag ihm als Muster einer Bibelübersetzungvor, er hat aber seinen Text unabhängig von ihr gestaltet, ja man kann aneinzelnen Stellen, die das gleiche Thema behandeln, beobachten, daß erabsichtlich eine andere, eigene Fassung wählte. Es sind zwei verschiedeneBehandlungen desVulgatatextes: während der ältere Dichter den überliefertenInhalt mit Ausnahme weniger Partien beibehält, läßt der jüngere viel mehrStoffteile aus und zieht die beibehaltenen zusammen, stellt um, trennt Zu-sammengehöriges leichter als jener. Die einzelnen Bilder sind viel magerer,es fehlen die belebenden Kleinzüge, wenngleich auch hier zuweilen kurzeZusätze gemacht sind. Die Darstellung ist starrer, unbeholfener.
Aus der Anschauung seiner Zeit betrachtet auch dieser Dichter die alt-testamentlichen Begebenheiten. Manchmal findet auch er volkstümliche Töne,dahin gehört die Gebetsformel Ich wil dich wisen in daz paradyse 7, 14 f.,oder im Segen Isaaks dineme vihe unde dinier) fruht deme ne wirret hagel
1 ) Kossmann S.55; Grünewald S. 10.
2 ) Sprache: Waag aaO.; Münscher S. 13—74.
3 ) Mone, Anz. f. Kunde d. d. Vorzeit8,431 f.;Lambel, Germ. 7, 230—235; Diemer, WienerSB. 55 (1867), 286; Scherer, ZföG. 19 (1868),
738 u. Kl. Sehr. 1, 592.
4 ) Pniower, Zur Wiener Genesis (Diss.)Anhang S. I—V; Kelle S. 113. 315; Mün-scher S. 126—140; Scherer, QF. 1, 4—6.57. 7, 42. 12, 56; Rödiger aaO. S. 69;Waag, Beitr. 11, 93; Vogt, Beitr. 2, 209 ff.