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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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90 A. Geistliche Literatur, c) Geistliche Epik.

der negativen Schilderung an und gibt wiederum eine Ausrüstungsbeschrei-bung. Die Kröten werden Helden genannt 1384. 14081416, die Läusesind wilde Gottesritter 1482, die die Beleidigung Gottes rächten 1494, guteWiegande, schnelle Helden waren die Heuschrecken 21752180. Dieseverringernde Personifizierung der Kleinkreatur ist ein glücklicher Kunstgriff,um das Vorstellungsinteresse zu reizen. Das gleiche Kunstmittel, durcheine negative Veranschaulichung die positive Tatsache zu heben, wendetder Dichter bei der Errettung der israelitischen Knaben an: daß die Ammendie Kinder vor der Vernichtung behüteten, stellt er an dem Bilde einerWalstatt vor Augen: der Rabe brauchte hier keinen blutigen Schnabel zubekommen, die Geier konnten wohl ihr gieriges Schnappen lassen, dergraue Wolf brauchte nicht dahin zu laufen noch die Hetzhunde mit hunge-rigem Munde 157164. Dieser frühmhd. ritterliche Stil kam in der Kreuz-zugsepik (Rolandslied, Alexanderlied) zur Blüte, aus dieser Literaturströmungheraus ist die Verritterung in der deutschen Exodus zu erklären und diedem Dichter vorschwebenden Helden sind nicht nur Ritter im allgemeinen,sondern es sind im speziellen Kreuzritter, es sind Gottesritter.

Zu Gefühlsäußerungen der Trauer und der Freude gibt die Be-drückung und die Befreiung der Juden schon in der Bibel Gelegenheit.Sie sind in dem deutschen Gedicht häufiger und stärker: 453456. 511.925. 1051 ff. 10951098. 17391748. 3274; Totenklage Pharaos und derÄgypter 26802706; Klage der ertrinkenden Ägypter 3268. Das Mitleidder Ammen 153156, die Vaterfreude Moses 421 f. haben in der Bibelkeine Entsprechung.

Die Exodus hat nur den Zweck, die Tatsachen der Bibel zu erzählen,nicht auch, durch dieselben zu belehren, 1 ) eine besondere religiöse Auf-fassung ^hat der Dichter in die Überlieferung nicht hineingetragen, wie dortist Gott der Herr, der menschlich in die Geschichte seines Volkes eingreift.Den Hymnus Moses 32893296, der das Ende der ganzen Erzählung bildet,benutzt der Dichter, um eine Schlußmoral anzuknüpfen: so wollen auchwir tun, damit wir aus diesem Elend heim zum himmlischen Jerusalemfahren 32973302. Dieses aber ist eben der mystische Grundgedanke desAuszugs aus Ägypten (vgl. oben S. 47 Ezzo).

Der Sprachstil 2 ) ist einfach und nicht gewandt, die Sätze reihen sichparataktisch aneinander, oft durch eingeleitet. Zweigliedrige Ausdrückesind häufig, ebenso predigtartige Anrede-, Beteuerungs- und Quellenformeln.Die Anredeformeln weisen darauf hin, daß das Gedicht zum Vortrag bestimmt

! ) Die allegorische Auslegungsweise war | redete, dem er solche Schwierigkeiten nichtdem Dichter nicht unbekannt, denn er macht | zutrauen durfte, vgl. Alanus de Insulis, Summa

de arte praedicatoria, Migne210, 184C: Mi-noribus decet in parabolis loqui, majoribusrevelare mysteria regni Dei.

2 ) Scherer, QF. 1, 74 ff.; KossmannS. 5676, auch 5155; Behaghel, Beitr.30, 431 ff.

einige Male entsprechende Anspielungen(Kossmann S. 81): 602. 2490. 27972802(Vogt S. 312; Pniower, ZfdA. 33, 76 f.).Der Grund, weshalb der Dichter dieallegorische Methode vermeidet, liegt wohldarin, daß er zu einem weltlichen Publikum