§ 18. Die altdeutsche Genesis und Exodus.
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Sendung des heiligen Geistes (Anrufung 11 f., Bitte 12—20. 29—34, Be-gründung 21—28). Ihm entspricht am Schluß ein Epilog mit dem Dankan den heiligen Geist für die Gewährung der Bitte 3303—3316. Der Haupt-teil zerfällt in 3 Stücke: 1. Bedrückung der Israeliten, Vorgeschichte Moses,Moses und Aarons Berufung 35—938; 2. die Verhandlungen mit Pharao,und die zehn Plagen (die hier aber auf neun vermindert sind, da die dritteund vierte vereinigt wurden) 939—2750; 3. der Auszug 2751—3302.
Quelle ist eine Bibelhs., die aber von der Vulgata an etwa einemDutzend Stellen abweicht. 1 ) Erweiternde Zusätze sind häufig, Kürzungenseltener, 2 ) doch ist der Inhalt der Bibel dadurch wenig geändert. Die Über-setzung ist nicht frei von Mißverständnissen und Fehlern. Wie der Dichterder Genesis hat auch der der Exodus die Bibel in geistlich-epischem Sinnestilisiert, in der Art der Übertragung aber weicht er von jenem ab. Ersteht dem biblischen Text nicht so frei gegenüber, sondern folgt ihm Schrittfür Schritt, wobei er das dort Gesagte breiter und umständlicher ausdrückt.Bei der Übertragung des alttestamentlichen Stoffes in die Verhältnisse seinerZeit hat auch er epische Motive aufgenommen, wie den Empfang 389—398.889—892 u. 901 ff., einen Abschiedssegen 831—834, Totenklage 2680—2706.Am stärkten aber kommt der mittelalterliche Geist zum Ausdruck in derFreude am kriegerischen Leben. Moses wart ein degen lussam 425; dieIsraeliten sind die herren 135. 2940, die gotlieben Herren 3021; manchesind von adele geborn 127, herliche chnehte 129, si sint guote chnehte, ge-tanen wole vechten 95 f. Sie sind eine adelige Kriegerkaste, die in derGefangenschaft zu Knechtsdiensten erniedrigt wird; schließlich erlangen siewieder die Freiheit und es entsteht der Krieg zwischen den zwei feindlichenHeeren, dem israelitischen und dem heidnischen (swarze möre 3043. 3060.3256). Moralisch sind sie in Gegensatz gestellt: die Juden unternehmendie Fahrt ohne jeden Übermut 2928, der Heiden Prahlerei dagegen wargroß 3075—3077, vgl. 3038; als aber das Meer sie umringt, da geraten dievermessenen Helden in Furcht 3222. Mit diesem jähen Wechsel von Hoch-mut und Fall hat der geistliche Dichter die Verderblichkeit der Superbia,des Urlasters Satans und seines Geschlechtes, der Heiden, wirksam gekenn-zeichnet. Das Motiv aber der Ausrüstung und das große Interesse für denGlanz der Waffen und die Herrlichkeit ritterlicher Erscheinung hat er demdamaligen Heldenepos entnommen: 3 ) in solcher Pracht läßt das Rolands-lied Freund und Feind, Roland und die Heiden, auftreten 3279—3368(Bartsch) und das Endurteil über die Heiden ist ebenfalls: sie führten großenÜbermut 3361 ff. — Aber auch die Kröten, Läuse und Heuschrecken derPlagen werden als in das Land fallende feindliche Heerscharen aufgefaßt; siefechten gegen den mächtigen König Pharao für den erhabenen Himmelskönig1360—1362, besetzen das Land 1375. Der Dichter wendet dabei das Mittel
') Kossmann S. 24—32.
2 ) Vogt S.312—314; Kossmann S.40ff.
3 ) Vgl. Vogt S. 285 f.; Pniower, ZfdA-33, 80 ff.