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A. Geistliche Literatur, c) Geistliche'Epik.
Seine Heimat hat der Verfasser in Österreich, vielleicht in Kärnten.Dorthin weisen die Sprachformen. 1 ) Für die Abfassungszeit 2 ) gibt dieAnspielung auf die Laieninvestitur 14, 15 f. einen Anhalt: gegen diese er-ließ Gregor VII. zum erstenmal auf der Synode zu Rom 1075 ein Verbot,vor diesem Jahre wird also das Gedicht entstanden sein, auch die Spracheund die noch sehr freie Reimkunst sprechen für diese Ansetzung. DieMetrik 3 ) zeigt die Freiheiten des 11. Jhs. Die Reime sind sehr altertüm-lich, oft stark unregelmäßig, tieftonige Silben sind leicht Träger der Bin-dung. Auch dreifache Reime kommen vor. Große Bewegungsfreiheit herrschtebenso im Rhythmus, die Verse sind ungleich gebaut, besonders häufigüberlang.
Exodus.
Hss. 4 ): Die Wiener Hs. ist am Schluß nicht vollständig, sie enthält nur Vulg. Kap. 1—8, 17, es fehlen die in der Milstäter Hs. vorhandenen Verse Diemer 138, 9—138, 35, beiKossmann 1401-^1454, vor allem aber die ganze Schlußpartie von Diemer 139,11, beiKossmann von 1480 an, also ca. 1887 Verse, d. h. über die Hälfte. W und M sind guteAbschriften ein und derselben Vorlage, M hat in der Exodus den Grundtext nicht moderni-siert wie in der Genesis. Zwischen der Wien-Milstäter Exodus und dem das gleiche Gebietumfassenden Vorauer Moses finden nur lose Beziehungen statt, ein sicherer Beweis da-für, daß der eine der beiden Dichter das Werk des andern gekannt habe, ist nicht erbracht.
Der Dialekt ist der gleiche wie der der Genesis, die Heimat desGedichtes ist also ebenfalls Österreich, wahrscheinlich Kärnten. Aber dieAbfassungszeit 5 ) fällt um einige Jahrzehnte später, etwa um 1120, denndie Verskunst 6 ) ist weiter vorgeschritten, das Gesetz der vier Hebungenist eingehalten, mit den Freiheiten allerdings der frühmhd. Zeit, so daßauch überlange Verse, besonders am Schluß von Absätzen, selten zu kurze,vorkommen. Die Reime stehen auf einer jüngeren Stufe als die der Genesis,die Freiheiten in der Assonanz sind geringer und tieftonige Silben sind nichtmehr so leicht Träger des Reimes. Der Verfasser war ein Klostergeistlicher.
Der Inhalt umfaßt die ersten 15 Kapitel der Exodus, d. i. den Auszugder Kinder Israel bis zum Lobgesang Moses nach dem Untergang derÄgypter im roten Meer. Den Eingang bildet ein Prolog mit Inhalts-angabe 1—10 7 ) und Bittgebet an Gott um Verleihung der Dichtkunst durch
erste Stück wieder in zwei Lektionen zer-fällt. Ihm folgen Rödiger, der für Schöpfungund Sündenfall zwei verschiedene Verfasserannimmt, und Pniower aaO. Die Einheithat Vogt durch exakte Untersuchungen be-wiesen; s. auch Kelle und Weller aaO.An ihr wird wohl jetzt kaum mehr gezweifeltwerden.
') Scherer, QF. 1, 64f. 12,44; VogtS.230—240. 261—266; Grudzinski, Dollmayr,Kreibich, Bulthaupt (S. 19—95) und oben.
2 ) Diemer, Gen. u. Ex., Einleit. S. VI ff.,Scherer, QF. 1,59—61 j Vogt S. 261; KelleS 27. 259
3 ) W. Grimm, ZGdR., Reg. S. 333; Vogt
S.217ff. 230—261.587—592; Rödiger aaO.;Dollmayr S.47— 109; Bulthaupt S.96—116.144—147; Schröder, Gott. Nachr. 1918S. 422 f.; SaranS.254.
4 ) Diemer, Gen. u. Ex., Einleit. S. Iff.;Scherer, QF. 1,70—77. 7, 6f.; Vogt, Beitr.2,271 ff.; Kossmann S. 2—5; BulthauptS. 1—18.
6 ) Pniower, ZfdA. 33,73-97.
6 ) W. Grimm aaO.; Scherer, QF. 1,71 ff.7,6 f.; Vogt S. 273-284; Kossmann S. 6—18;Schröder, Gott. Nachr. 1918, 424.
7 ) Die Zahlen beziehen sich auf die Aus-gabe von Kossmann.