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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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§ 18. Die altdeutsche Genesis und Exodus.

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Die Sprache 1 ) ist einfach, ohne rhetorische Stilisierung und ohne be-sonders hervortretende Eigentümlichkeiten. Zwillingsformeln, Epitheta,Anapher, formelhafte Wendungen und Sätze werden mit Maß gebraucht,stehende Beiwörter sind nicht gerade häufig, aus dem Lat. sind einigeKirchenwörter und Eigennamen entnommen. 2 ) Im Satzbau wechseln Para-taxe und Hypotaxe. 3 )

Die Wien-Milstäter Genesis steht mit den Lektionen -des kirchlichenGottesdienstes in Beziehung: in der Vorfastenzeit, die vom SonntagSeptuagesimae bis zum Dienstag vor Aschermittwoch reicht, und am II. undIII. Sonntag der darauffolgenden Fastenzeit ist die Lesung der Genesis vor-geschrieben. 1 ) Die ersten Kapitel derselben stehen in innerem Zusammen-hang mit der Bußzeit durch den Sündenfall, hier liegt der Ursprung derSünde und damit des Bußbedürfnisses. Daraus erklärt sich, weshalb in derdeutschen Genesis die Buße das religiöse Thema bildet.

Das Gedicht war zum Vortrag bestimmt, worauf die, allerdings nichthäufigen, Anredeformeln deuten, zumal es gleich mit einer solchen beginnt:Nu fernemet mlne liebe, Ich wll iu alne rede fore tuon. h ) Es wurde also ineinzelnen Lektionen 6 ) vorgelesen, und zwar wohl hauptsächlich vor Laien.Die ursprünglichen Lektionen, die jeweils auf die einzelnen bestimmten Tagefielen, lassen sich nicht mehr abteilen. 7 )

Der Verfasser war ein Klostergeistlicher, vielleicht ein Kanoniker, 8 ) erwar geübt im Predigen und die Ausdrucksformen der Predigt hat er auchder Sprache seines Gedichtes zugrunde gelegt. Von der Predigt hat erdie Vorzüge der Technik, des Aufbaus und der Gliederung, der Regehaltungder Aufmerksamkeit durch lebhaften Fortgang der Erzählung und durchWirkung auf das Gemüt. Das alles ist gelernte Kunst, ist Form, Stil, nichtangeborene, besondere dichterische Begabung. .Eine ausgeprägte künstle-rische und menschliche Persönlichkeit läßt sich darum aus dem Werke nichtauslösen, aber es offenbart sich hier eine maßvolle Natur, die das Mensch-liche mit menschlichem Verständnis beurteilt und nicht mit leidenschaft-lichem Übereifer asketisch verdammt. 9 )

1 ) Ueber den sprachlichen Stil s. WellerS. 87237; Bulthaupt S. 116144. 148162; Gotth. Krömer, Die Präpositionen inGen. u. Ex., Beitr. 39, 403523.

2 ) Weller S. 187f.; Grünewald S.9f.

3 )Wiederholung", s. Behaghel, Beitr. 30,431-564.

4 ) Schröder, ZfdA. 26. 199 f; über dieSeptuagesimalzeit vgl. Martin Gebert, VetusLiturgia Alemannica, St. Blasien 1776, II etIII pars p. 938 ff.; Thalhofer 2, 595601;Amalarius (Presbyter in Metz um 820), Deecclesiasticis officiis lib. I, I Cap. 1, Migne105, 993 ff.; Rupert v. Deutz, De divinisofficiis lib. IV Cap. 1-6, Migne 170, 8793.

5 ) Weller S. 186.

6 ) Man kann diese AbschnitteReim-

lektionen" nennen, Schröder aaO.

7 ) In der Vorfastenzeit, die 17 Tage dauert,an deren jedem eine Lektion stattfindet, werdendie Kapitel 114 der Genesis gelesen; denenentsprechen im Gedichte die Verse vom An-fang bis 30, 29, das sind 825 Langverse(1650 Verse). Die etwaige Anzahl der deut-schen Lektionen kann man aber nicht be-stimmen, da man nicht weiß, ob an jedemdieser 17 Tage je eine Lektion vorgetragenwurde.

8 ) Kelle S. 27 ff. 259 f.

9 ) Vogt S.267ff. 288 ff.; Scherer, QF.1, 7 ff., s. auch 12, 4449, hat aus Ungleich-mäßigkeiten der Behandlung und Bearbeitung,aus Schwankungen des Stils und der Methode(S. 9), 6 Verfasser erschlossen, wobei das