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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
Entstehung
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82 A. Geistliche Literatur, c) Geistliche Epik.

Auf den Segen folgt der Tod Jakobs 82, 4083, 20 und hier nimmtder Dichter noch einmal Gelegenheit, auf die Bedeutung der Beichte hin-zuweisen: wer den Teufel überlistet, daß er mit Beichte und Buße Gottes Treuesucht, der hat mit Abraham die ewige Ruhe, mit Isaak Freude, mit Jakob dieAnschauung Gottes und kann wohl sagen, daß es ihm gut gegangen sei.

Nun läßt sich die innere Entstehung des religiösen Gehaltes, dender Dichter in die biblische Überlieferung hineingelegt hat, überblicken. Esergibt sich ein doppelter Ursprung: die Lehre von der sündentilgenden Beichte,von der Gnade und vom Teufel stellt er aus eigenem Zutun in den Mittel-punkt der christlichen Glaubenstatsachen; dagegen bei dertropologischen Aus-legung des Jakcbssegens ahmt er einen Kommentar nach, in dessen Inhalter aber eben jene eigene Grundansicht über Beichte und Teufel einflicht

Der Dichter spricht die einfachsten religiösen Gedanken aus, er willmoralisch wirken, nicht wissenschaftlich, für das Volk, nicht "für die Ge-lehrten. Den Kindern hat Gott gegeben, was er den Weisen und Schlauenverborgen hat, den Kindern ist die Gnade geoffenbart 78, 711, die ge-lehrte Auslegung des Kommentars zum Segen über Juda nennt er eine tiefeRede, die wohl niemand ganz ergründen könne 78, 2 4. DogmatischeSchwierigkeiten vermeidet er. Über die Dreieinigkeit und das Meßwunderspricht er nur in wenigen und zudem nicht besonders klaren Worten 13,2731. 28, 1420. Marienverehrung kommt nicht zum Ausdruck; vonsante Marie wird nur gesagt, daß die reinen Jungfrauen bei ihr sind 20,40 f., daß Christus der Magd Sohn ist 80, 22.

III. Den biblischen Stoff hat der deutsche Dichter in volkstümlicheAuffassungsweise 1 ) übertragen, Menschen und Dinge sieht er als Er-scheinungen seiner Umgebung: das ist eine Umbildung der inneren Form,eine realistische Stilisierung des Vorstellungs- und Empfindungslebens. Esist zugleich auch eine Änderung der Erzählungsart: der Inhalt der einzelnenSzenen ist meistens zusammengezogen, 2 ) selten gedehnt; das Tempo derDarstellung ist rascher geworden, jedoch sind in die einzelnen Bilder kleine,ausprägende Sonderzüge hineingezeichnet, die der Erzählung eine schärfereGliederung verleihen und sie kräftiger ausmalen. Die Abtönung des biblischenKolorits zum m.alterl. deutschen ist die tiefliegendste Umwandlung, an dieStelle des alttestamentlichen Pathos, das der Ausdruck ist ewig gültigerWerte und einer großen und furchtbaren Weltgeschichte, ist volkstümlicheEinfachheit getreten, welche die Welt sieht mit natürlich menschlichem Emp-finden in dem engeren Rahmen der eigenen Zeit. Die hebräische Genesisist zu einem deutschen geistlichen Epos geworden. 3 )

frids, bes. S. 56 ff.; Albert Hass, Das

J ) Vgl. die Diss. von Petersen.

2 ) Kürzungen: Weller S. 87 ff.

3 ) Auf der Verständlichmachung, vulgari-satio, beruht überhaupt diese freiere Ueber-tragungsmethode in der ahd. und mhd. Litera-tur. Otfrid hat sie befolgt wie Hartmannv. Aue, vgl. Schütze, Beitr. zur Poetik Ot-

Stereotype in den ad. Predigten, Greifswald.Diss. 1903. Es ist die in literaturgeschichtl.Abhandl. mit unrecht sog.psychologischeVertiefung", s. Ehrismann, ZfdPh. 36, 516f.45, 306, Studien über Rudolf v. Ems S. 77 f.