§ 18. Die altdeutsche Genesis und Exodus.
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Die Erlösung allerdings ist erst durch die Menschwerdung und denKreuzestod Christi möglich geworden, der sündlose Gott hat Adams Fallgetilgt 23, 11—17. Ein massiver Teufelsglaube herrscht in dem Gedichte. 1 )Der Teufel ist der Erzbetrüger, die Sünde kommt von ihm. Das Urlasterist der Hochmut, mit Lucifer hat er angehoben: an ime huob sich alter-est uberniuot 11, 14 (vgl. 11, 19), der Fall' des schönsten Engels geschahdurch Übermut, da er seinen Stuhl über den Thron Gottes setzen wollte11, 25 (= Jes. 14, 12 — 14); er wollte wie Gott sein im Hochmut 17, 6. 14.26, 38. Sein Abbild, der Antichrist, kommt vom Neid 43, 14 f.; auch erwill im Hochmut Gott sein 80, 4. 18 f. Dem Menschen, der der Welt lebt,die Demut aufgibt und in Hochmut und Herrschsucht nach Ehren strebt,schleicht der Teufel nach 80, 6 — 13. Durch Hochmut, der sie zu dem Baudes Turmes trieb, gingen Noes Nachkommen zugrunde. Die Lust (con-cupiscentia)'reizt Eva zum Apfelbiß 19, 7, vgl. 18, 10. Aus Neid verführteder Teufel den Menschen zur Sünde 18, 12 ff. 26, 32 ff., zur Wollust, zumHochmut, Habgier, Neid, Zorn' (das sind 5 Todsünden), zu verschiedenenLastern 20, 29—21, 30. Jederzeit sind wir bereit, uns mit Wollust, Neid,Hochmut und mit Habgier (4 Todsünden) zu- beflecken 23, 45. 24, 2. Kainist ein Beispiel des Neides und des Zornes, durch den Brudermord ent-stand der Neid und Haß unter der Menschheit 25, 24—33; Cham ein Typusdes verhöhnenden Spötters 28, 25—29, 18. Von Seth stammen die KinderGottes, von Kain die Kinder Belials, des Teufels 26, 26—45.
Zwischen zwei Mächten steht der Mensch, auf der einen Seite derTeufel mit der Verführung zur Sünde, auf der andern Gott mit der Gnade.Von der Beichte hängt es ab, welcher von beiden er zufällt. Der Schwer-punkt des moralischen Handelns ist für den Christen in die Beichte gelegt.Ihre Bedeutung für das kirchliche Leben des 11. und 12. Jtis. ist uns durchdie umfangreiche deutsche Beichtformelliteratur bezeugt. 2 )
Am Schluß des ganzen Gedichtes setzt wieder ein langes geistlichesStück ein, diesmal eine allegorische Auslegung, der Segen Jakobs 77,30—82, 40. Daß das hier Ausgesprochene einen tieferen Sinn habe, eintiefiu rede 78, 2, darauf machen die wiederholt eingestreuten technischenAusdrücke bezeichinet, bizeichinheit, bizeichinunge aufmerksam (78, 4. 5.11. 79, 2. 43. 80, 1. 36. 81, 5). Diese Symbolik am Schluß umfaßt die ge-samte Erlösungsgeschichte in der Entwicklung von Christi Geburt zum Tod,weiter zum Antichrist, jüngsten Gericht und Himmelreich. Die einzelnenStufen sind auf einzelne Söhne Jakobs verteilt. Der Mittelpunkt aller Ge-danken ist Christus als Überwinder des Teufels 78, 18 f. 32—40. 80, 36—42.82, 28 f. So ist die geistige Weltgeschichte auch in der Wiener Genesis auf-gefaßt in der Form des romanischen Kunststils als Kampf des guten undbösen Prinzips mit dem Sieg des Guten.
') Joachim S. 19 f.
Deutsche Literaturgeschichte. II.
*) LG. I, Reg. S. 457.
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