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A. Geistliche Literatur, c) Geistliche Epik.
Weniger die Ausschaltungen als die Zutaten und Erweiterungenbeeinflussen die Darstellung. Sie sind verschiedenen Ursprungs. Besondersim 1. Teil, doch auch im 2. und 3., sind außer der Vulgata Nebenquellen be-nutzt. Größere Fülle und poetischen Schwung hat der deutsche Verfasser derlat. Genesisdichtung des Alcimus Avitus (t als Bischof von Vienne 523) ent-nommen, 1 ) die aus fünf Büchern besteht, zumeist dem ersten und zweitenBuch. Manchmal sind es mehr nur Anregungen oder Motive im allgemeinen,wie besonders bei dem Wunderwerk der Schöpfung und bei der Versuchung,zuweilen aber auch unmittelbare Entlehnungen.
So z. B. stammt die der menschlichen Natur glücklich abgelauschte Schilderung vonEvas Zweifel, ob sie der Lust zum verbotenen Obste folgen solle 19, 1 ff., aus Avitus(Migne334A); hier fand der Dichter auch die Verfluchung Chams mit der Entstehung derStände 29, 11 f. (352 AB); das verlorene Magdtum der Erde 26, lf. (340C) und einzelne aus-malende Züge, so 13, 5ff. = Migne327A; 13, 25 f. = 326A; 16, 20 ff. = 329 D. 330 CD, vgl.326C; 17, 38 f. = 327B; 18, 20 = 332D; 19, 36—39. 21, 33—40. 23, 31-40 = 339B;28, 21—24 = 356ABC. Bei einigen ausgedehnten Schilderungen sind außer Avitus nochandere Quellen benutzt, so für 13, 32—15, 34 (Migne 326AB) des Lactanz De opificioDei u. Isidors Etym. XI, 1 (oder des Hrabanus Maurus De Universo VI, 1); 16, 23—35 (vgl.Migne 326C)-= Isidor Etym. XVII, 8-11 (Hrab. XIX, 8); 26,10—25 (vgl. Migne 326A. 328A) =Isidor Etym. XI, 3 (Hrab. VII, 7). Mit diesen Einlagen ist ein dem biblischen Stoffe fremdesElement hereingekommen: Anthropologie, Ethnographie, Botanik, die sich aber an dasSchöpfungswerk und die Erzählung von den ersten Menschen ohne Zwang anschlössen.Die Teile IV, V und VI des deutschen Gedichtes sind von Nebenquellen wenig beeinflußt.Manche Motive, wie die gegensätzliche Charakterisierung Esaus und Jakobs, finden sich indes Hrabanus Maurus Kommentar zur Genesis, aber dieser hat seine Werke selbst wieder ausanderen zusammengeschrieben. 2 ) N
II. Der Dichter hat seinem Werke eine besondere, einelehrhafteTendenzverliehen, denn er knüpft an den biblischen Bericht, wo ihm der Inhalt ge-legen scheint, christlich religiöse Betrachtungen und Ermahnungen an. 3 )Die biblische Geschichte soll nicht nur Erbauung, sondern auch Belehrunggewähren, soll Fundamentstücke der christlichen Moral enthalten. Die Grund-pfeiler sind Sünde und Gnade, Gott hat die Gnade, die Gegensätze werdenvermittelt durch die Buße. Das ist die sittliche Lebensaufgabe: von der Sündedurch die Buße zur Gnade, die erfüllt wird in der ewigen Seligkeit. Diein den drei ersten Teilen ausgesprochene moralische Tendenz hat der deutscheDichter in das Werk hineingelegt. Die Stellen sind zahlreich: 11, 15. 12, 37.22,5. 22; 21,20—24. 33—40. 22,27—23,5. 23,31-24,20. 26,3-6.40—42.35, 41—36, 14; die Taufe sündentilgend 20, 29. 28, 21—24.*)
•) Migne 59, 323—368; Diemer, Kl.Beitr.aaO.; Scherer, QF. 1, 11 ff.; Vogt, Beitr.2, 289—292. 311 f.; Kelle S. 252—258;WellerS. 42—86; Osw. Zingerle, Der Pa-radiesgarten der ad. -Genesis, Wiener SB. 112(1886), 785—805; R. v. Fischer-Benzon, Ad.Gartenflora, Kiel 1894, dazu Hoops, LitBl.1897, 223—225.
2 ) Diemer, Kl.Beitr. aaO.;- Scherer, QF.1,52-57; WellerS. 80-83. Die lat. Kom-
mentare zur Genesis vor Hrabanus Maurusund Walahfrid nennt Kelle S. 21 f. 25.251 f. 258 f. Die Quellen für die Entlehnungendes deutschen Dichters sind noch nicht voll-ständig nachgewiesen.
s ) Weller S. 5—21. 190—192.
4 ) Gottes Gnade beim Sündenfall ist auchdas Thema der ersten Kapitel von OtlohsDialogus de tribus quaestionibus, Migne146, 61 ff.