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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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§ 17. Idsteiner Sprüche der Väter. § 18. Die altdeutsche Genesis und Exodus. 79

Tetschen 1904, dazu Dollmayr, ZföG. 56 (1905), 853 f.; Fritz Bulthaupt, Milst. Gen. u.Exod., Pal. 72, dazu Gierach, DLZ. 1913, 1386f, Behaghel, Lit.Bl. 1914,381 f., Moser, ZfdPh.46, 294 f.; Alfred Weller, Die frühmhd. Wien. Gen., Pal. 123, dazu rez. Archiv 134, 453 f.,Vogt, CB. 1915, 1277 f.

Hss.: Die Wien-Milstäter Genesis und Exodus sind in der Wiener Hs. 2721 (W) undin der Milstäter Hs. (M od. K) (s. oben S. 15) erhalten. M (K) ist eine über ein halbesJahrhundert jüngere Bearbeitung von W, 1 ) die den Sinn zwar wenig antastete, aber mitdem Grundtext doch ziemlich frei verfuhr, indem sie sprachliche und technische Altertüm-lichkeiten, veraltete Formen, Wendungen und Reime und ungebräuchlichere Redensartendurch neue und gewöhnlichere ersetzte und ein reineres Metrum herstellte. Aber durchKorrigieren wurde zuweilen der alte Text verschlechtert und durch Kleinigkeiten, wie Um-stellungen von Worten, Vereinfachung des Satzbaues, direkte Rede statt indirekte, die Aus-drucksweise alltäglicher gemacht. 2 ) Die Änderungen sind nicht überall gleich stark, amAnfang des Ganzen und des Joseph sind sie durchgreifender.

Der Joseph ist sowohl in der Wien-Milstäter (WM) als auch in der Vorauer (V) Ge-nesis überliefert. Das Verhältnis dieser drei Hss. des Joseph 3 ) ist der Art, daß W und Mwieder auf eine gemeinsame Vorlage zurückgehen, also WM V. Als Hs. verdient W denVorzug, M hat auch hier stark modernisiert, V hat viele Flüchtigkeitsfehler.

Inhalt der Genesis: I. Schöpfung und Sündenfall, Hoffm. 10, 123, 17: Einleitung10, 15; Erschaffung der zehn Engelchöre, Lucifers Sturz, Beschluß Gottes, den Menschenzu schaffen, um den gestürzten Engelchor zu ersetzen 10, 612, 5; Schöpfung von Himmelund Erde (das Sechs-Tagewerk) 12, 613, 2; Erschaffung des Menschen 13, 316, 14; dasParadies 16, 1517, 35; Erschaffung des Weibes 17, 3618, 11; Sündenfall und Verstoßung18, 1223,17. II. Kain und Abel 23, 1827, 5. III. Noe 27, 629, 35: Sintflut 27, 628,24;Noes Trunkenheit, Entstehung der Stände 28,2529, 18; Sprachverwirrung 29, 19-29,35.IV. Abraham 29,3636,14. V. Isaak und seine Söhne 36,1552,18. VI. Joseph in Ägypten52, 19-84, 20.

Die frühmhd. Genesis ist eine freie Übertragung des ersten Buches Moses.Ihm folgt der Dichter ohne stärkere Verletzung der grundsätzlichen Über-lieferung, doch hat er den biblischen Text vielfach umgestaltet durch Weg-lassung oder Zufügung (1) von Stoffteilen, durch religiös moralisierende Er-läuterungen (II) und durch Übertragung alttestamentlicher Darstellung in dieAuffassungsweise seiner Zeit (III).

I. Weggelassen ist vieles Nebensächliche wie die Kämpfe AbramsKap. 14, Abraham und Abimelech Kap. 20. 21, 2234, die Kinder Hethsund Ephron Kap. 23; und besonders die Geschlechtsregister 4,1724. Kap. 5.Kap. 10. 11, 1032. 25, 17 u. 1218. Kap. 36. 46, 8-27; aber auch dieZerstörung von Sodom und Gomorra mit Lots Flucht 18, 1633 u. Kap. 19,wie denn auch die Episode von Juda und Thamar wegen ihres verfänglichenInhalts ausgeschieden ist*) Kap. 38. Vieles auch ist gekürzt, wie die Ver-heißungen des Herrn an Abraham Kap. 13 u. 17, an Isaak 26, 15, anJakob 35, 1 15; Isaak in Gerar 26, 626.

*) Diemer, Gen. u. Ex., Einl. S. IV VI;Scherer, QF. 7,3 f.; Vogt S. 210230; 271273; Bulthaupt bes. S. 1719.

2 ) Bulthaupt S 148162.

s ) Vogt aaO.; Diemer, Gen. u. Ex. Bd. 2,52f.; Scherer, QF.7,45f. ; Kelle S. 118.320 f.

4 ) Beim Strafgericht über die beiden Städtekam die Gerechtigkeit Gottes in Frage. Un-erfahrene konnten sich diesen Fall nicht er-klären, deshalb wohl ist der biblische Berichtnicht aufgenommen worden, vgl. Oüoch,Dialogus de tribus quaestionibus Kap. XIX,Migne 146, 8486.