76
A. Geistliche Literatur, b) Das Dogma.
erhaltenen Zeilen folgenden
roten Überschrift De
auf die zweite der unsesav et iacob.
Inhalt: Die Geschichte von Esau und Jakob, Lea und Rahel 1—73,dann von Jakobs Söhnen und von Joseph 74—108 allegorisch ('Misticum'vor V. 35) ausgelegt. Der Gegensatz von Juden und Heiden ist gegebenin Jakob und Esau bezw. ihren Nachkommen 11—17. Jakob außerdem istder in der Welt lebende und doch seine Seele bewahrende Mensch 45—48.Mit den Kindern der Lea und der Rahel stehen sich gegenüber die Judenund die Christen 30—34; 1 ) Lea und Rahel bedeuten das aktive und daskontemplative Leben 18—29. 35—66, womit beide Schwestern in demselbengegenseitigen Verhältnis stehen wie im neuen Testament Martha und Maria.Der Unterschied zwischen dem Leben der in Sorgen geschäftigen Welt unddem der inneren Beschaulichkeit ist ein Hauptmotiv der Mystik, derenganzes Sein aufgeht in dem Kultus des religiösen Innenlebens. 2 ) Die ganzverstümmelte mystische Deutung von Jakobs Kindern (Significacio superAbel 111—114) enthielt die Auslegung, daß Abel und Joseph die Unschuldund die Gerechtigkeit bezeichneten. 8 )
Das zweite Stück, 115—222, überschrieben Von den zehen geboten(rot), beginnt mit einer selbständigen Einleitung 115—141 (Anrufung Gottes115—125, das alte und das neue Testament 126—141). Der Hauptteil 142—206enthält die Bestimmung der 10 Gebote. Die Lehre der einzelnen Geboteist kurz angegeben, darauf folgt jeweils, soweit aus den abgerissenen Bruch-stücken zu sehen ist, eine Hinweisung auf das zukünftige Leben. Nach derBehandlung aller Gebote kommt zum Abschluß eine längere Vermahnungauf den jüngsten Tag, auf Himmel und Hölle. Dann aber sind noch einigeVerse über einen andern Gegenstand vorhanden, 207—222, sie handeln vonLucifers Fall. Ob dieses Thema noch mit dem vorhergehenden über die letztenDinge in Verbindung stand oder einen ganz neuen Abschnitt bildete, ist beidem unzusammenhängenden Bestand der Überlieferung nicht zu erschließen.Die hier gemachte Einteilung der 10 Gebote in 3 + 7, die erste und diezweite Tafel, die sich auf die Pflichten des Menschen gegen Gott bezw.gegen den Nächsten beziehen, ist die allgemein übliche in der Glaubens-lehre. In den ersten 3 Geboten wird zugleich die Verehrung der-Dreieinig-keit gelehrt, die übrigen bilden eine Siebenzahl, weil sich unser Leben unddamit das Werk unserer Nächstenliebe in 7 Tagen abspielt, vgl. bes. Hugov. St. Victor, De sacramentis lib. I pars XII Kap. 6. 7.8 (Migne 176, 352—360,bes. 355 AB) und Summa Sententiarum Tract. IV Kap. 3—8 (Migne 176,120-126).
*) Vgl. für diese Stelle bes. St. Bernhard,De modo bene vivendi Kap. 53; Appendixzu Hugo v. St. Victor De nuptiis II, 1 (Migne176, 1213 f.); Honorius Aug. Spec. eccl. Infesto Innocentium (Migne 172, 838 BC); Indedicatione Ecclesiae II (Migne 172,1107).
2 ) Oder wie Synagoge und Ecclesia inWillirams HL.
3 ) Abel und Joseph stehen in Parallele,beide sind innocens und justus, Pseudo-Hugo v. St. Victor, Migne 175, 640B. 652A.