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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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70 A. Geistliche Literatur, b) Das Dogma.

Kl. Ged. 2 S. 52-55 u. Einl. S. XXXVIII f. Bartsch, Germ. 9, 66; Scherer, QF. 12, 54;Kraus, ZföG. 45 (1894), 142.

Hs: Universitätsbibl. zu Innsbruck Nr. 652, Bl. 74 b76 a , folgt unmittelbar auf das Pater-noster, mit der Überschrift De Septem sigillis, die der ersten Strophe entnommen ist: mitinsigilen siben 1, 6.

Die Heimat des Gedichtes ist Österreich (MSD. II 3 , 267, zu Str. 6, 3. 4),die Entstehungszeit fällt etwa um 11451155. 1 )

Während im Paternoster und in den sieben Gaben des heil. Geistes vonder Ava die fünf Siebenzahlen planmäßig angeordnet und durch einen be-stimmten Grundgedanken verbunden sind, haben wir hier nur eine An-häufung vieler einzelner Fälle aus der Bibel und aus der Glaubenslehre.Ausgegangen ist von der Apokalypse, dem Buch mit 7 Siegeln, den 7 Augendes Lammes, das uns die Geheimnisse Gottes eröffnete (Str. 1).

Stil (zusammenfassendes 'wir'; Formel: 5, 4; lat. Worte) 2 ) und Metrik(rührende Reime 1,9. 4, 3. 6, 5. 8, 1) sind behandelt wie im Paternoster. 3 )Es ist möglich, daß beide Gedichte von ein und demselben Geistlichenverfaßt sind. 4 ) Es muß ihm eine lat. Quelle, eine nicht sehr abweichendeSammlung von Siebenzahlen, vorgelegen haben. Die V. 4, 3 f. stehenschon am Schluß der Geschichte von Josua in der Vor. Hs. (Diemer, D.Ged. 69, 46).

§ 13. Priester Arnold, Von der Siebenzahl zum Lobe des heiligen Geistes.

Kelle 2,166173.363367; Piper, GD.2,9799.Ausg.: Diemer, D.Ged. S.331357(Loblied auf den h. Geist"), Anm. S. 8287, Einl. S. XLIX f., dazu Kollation von Piper aaO.;Herm. Polzer-van Kol, Sprache u. Dicht. H. 13, Bern 1913. Scherer, QF. 7, 8189.12,54.64.68.78; Rodiger, Anz. 1, 88; Schönbach, Priester Arnolts Juliana (s. unten),bes. S. 459ff.; Schröder, DLZ. 1883, 555557; Waag, Beitr. 11, 142146; Schwietering,Singen u. Sagen S. 7.

Hs.: Vor. Hs. Bl. 129d133^ (349, 15350, 20 sind von einem andern, aber gleichzeitigenSchreiber geschrieben). Der Text ist ziemlich fehlerhaft.

Der Dialekt ist bairisch, 5 ) die Heimat des Dichters wahrscheinlichSteiermark oder Kärnten (Innerösterreich), 6 ) Verfasser ist der PriesterArnold, der auch die Legende von St. Juliana dichtete, Zeit der Ent-stehung um 1130.

Auch dieses Gedicht ist nicht nach einem festen System gebaut unterZugrundelegung einer bestimmten Siebenzahl wie das Vaterunser nach densieben Bitten, die sieben Gaben von der Ava nach den septem donis; dochaber ist es nicht ein planloses Gemengsei zufällig zusammengeraffter Hep-taden, 7 ) denn auch hier können gedankenknüpfende Fäden ausgelöst werden,

') MSD.II 3 ,269; Scherer aaO.; Kelle aaO.

2 ) Grünewald S. 9.

8 ) Kelle S. 131.

4 ) In der Hs. hat das Gedicht 6 Absätzevon 12 und einen von 22 Zeilen (der 6. Ab-schnitt derHs.). Scherer stellt für das ganzeGedicht gleichmäßig zwölfzeilige Strophendar, indem er jene 22 Zeilen des 6. Ab-schnitts in zwei Strophen, Str. 6 u. 7, zerlegt,wobei er für Str. 6 Ausfall von zwei Zeilen

annimmt. Aber jene 22 Zeilen gehören in-haltlich und der Quelle nach zusammen, sodaß sie wohl auch als ein strophisches Ganzezu gelten haben.

6 ) Waag aaO.; Polzer-van Kol S. IX u.5992. 97100.

6 ) Diemer S. XLIX; Scherer, QF. 7, 89;Schönbach S. 486 f.

') MSD. II 3 , 268. Scherer hat QF. 7, 81 ff.acht einzelne Stücke ausgeschieden, Frag-