§ 12. Von der Siebenzahl.
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werden gelenkt auf das Hauptdogma der Dreieinigkeit und auf die menschliche Nichtigkeitgegenüber der im Jenseits zu erhoffenden Wesensvollendung.
Eine Fülle Gedanken sind verschlungen gleich Arabesken, die dochin wiederkehrenden Linien eine sinnvolle Ornamentik bilden, aus der einzelneMotive bedeutsam hervortreten. Die Grundidee ist die Erwerbung derGerechtigkeit, der Vollkommenheit {dumahüchait 20, 3); diese gibt der heil.Geist, er, ist der Geist der Heiligung (d. i. die Vollkommenwerdung, Rein-werdung von Sünden), er verleiht diese innerliche Heiligkeit durch die Gnade(Gnade 4, 11. 6, 9. 9, 6. 15, 2) und seine sieben Gaben sind ebenfalls Mittelzur Heiligung. -Er verleiht das Gnadenleben, er erweckt dem in Sünden er-schlaffenden Menschen ein Sein, er bewirkt eine Wiedergeburt (das neueLeben in der Gerechtigkeit deuten an 5, 2 ff. 6, 12. 8,9. 11, 4 f. 13, 3 f.
16, 2—4. 19, 9 f.). Dann erlangen wir die Gotteskindschaft, wir werden ausKnechten des Herrn, die in der Furcht vor Strafe befangen sind, zu Kinderndes Vaters, Gottesfurcht und Kindesliebe sind vereinigt (Str. 1 u. 4)- Christusist der Urheber unserer Heiligung, denn er hat uns die Gnade durch seinenOpfertod und durch die Taufe verliehen (6, 4 ff. 14, 10. 17, 5); Gnade undGeist machen uns sündenrein (6, 4 ff.). — Das Ziel der irdischen Läuterungist die Erlangung des Himmelreichs, des Gottschauens (Blick aufs Jenseits2, 8. 5, 6. 7, 5. 9, 5. 11. 11, 10. 14, 4. 17, 12. 18, 5 ff. 20, 5). Der Dualis-mus zwischen Welt und Himmel (18, 4. 19, 2 ff.), Teufel und Gott (16, 7 f.
17, 10 f.), Fleisch und Geist (10, 9 f. 11, 7 f.), Leib und Seele (12, 6 f.) isthier ausgesprochen in dem Gegensatz zwischen dem Geist der Welt unddem heiligen Geist. Das ist ein Hauptpunkt in der Lehre Ruperts von Deutz, 1 )unser Gedicht ist also ein Ausdruck dieser die Zeit besonders bewegendenFrage nach der Heiligung durch den Geist.
Quelle. Die Gedanken des Gedichtes mit ihrer eigenartigen Verbindungsind also der kirchlichen Literatur der Zeit entnommen und wahrscheinlichhat dem Verfasser eine ganz ähnliche lat. Zusammenstellung vorgelegen.
Der Stil ist der eines Vortrags vor einem Publikum, und zwar begreiftsich der Verfasser mit diesem zusammen als die gesamte Christenheit, wes-halb die 1. Person pl. durchgeht. Die Sprache ist einfach und verständ-lich, ohne viele Formeln (1, 12. 4, 1. 12, 4. 9. 20, 10); dreimal sind lat.Worte gebraucht. 2 )
Metrik. 20 Strophen zu je 12 Versen. 3 ) Keine starken Assonanzen;rührende Reime 4, 1. 9 (14, 5). 14, 11. 15, 3. 19, 1. 9. Die Verse sind vonmittlerem Umfang, zuweilen aber über das Normalmaß gelängt.
§ 12. Von der Siebenzahl.
Kelle 2, 131—134. 331—335; Piper, GD. 2, 92, Nachtr. S. 287. — Ausg.: MSD Nr. 44u. II 3 , 265—269; erster Druck von Mone, Anz. f. Kunde d. d. Vorz. 8 (1839), 44—46; Waag,
J ) Bach, Dogmengesch. 2, 256 ff.
") Grunewald S. 8.
3 ) Str. 4 hat 14 Verse, Scherer hat durch
Ausscheidung von V. 5. 6 die normale Zwölf-zahl hergestellt, MSD. II 3 , 259.