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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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§ 10. Ein Scopf.

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Sein Gedicht nennt er di rede des geloubin 58, uon deme heiligen ge-louben 3738 (schon vorher hat er ein deutsches Werk geschrieben über dasjüngste Gericht und die letzten Dinge 16221641). Es ist ein geistlicherVortrag, er denkt sich einem Laienpublikum gegenüber, daher die unmittel-baren Anreden wie Verneinet waz man in sage 13, Zo gote solt ir hoffen55, nu vernemet ze düte dabi 65 u. a.; zur Belehrung der tumben will ersprechen (22), das sind die tumben leien im Gegensatz zu den wisen pfäffen.Aber es ist keine für den liturgischen Gottesdienst bestimmte Predigt, dieGegenstände sind nicht predigtartig ausgeführt und das Ganze ist zu um-fangreich angelegt. 1 )

Der Inhalt setzt sich, wie immer in der frühmhd. Literatur, aus religiösenund fest formulierten Anschauungen der Zeit zusammen, aber eine unmittel-bare Quelle 2 ) scheint dem Dichter nicht vorgelegen zu haben. So gehörtihm die Verarbeitung des schon in gegebenen Motiven überlieferten Materials.Außer dem nicänisch-constantinopolitanischen Glaubensbekenntnis hat er dieBibel sehr häufig benutzt, kein anderes frühmhd. Gedicht enthält im Ver-hältnis so viele lat. Zitate. 3 )

Die Verse*) haben ziemlich gleichmäßigen, meist gedrungenen Bau underweitern sich nicht zur Überlänge. Die Assonanzen sind nicht auffallend,schwache Flexionssilben sind nicht mehr reimfähig.

§ 10. Ein Scopf.

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(Der scopf von dem löne.)

Ausg. Martin, ZfdA. 40, 305 ff.; Leitzmann, Kl. geistl. Ged. S. 59. 30; Schröder,ZfdA. 41, 9294.

Hs.: Colmar, Kreisarchiv, 12. Jh. (s. unten). Dialekt der Hs. elsäss. Das Gedicht istin seinem ganzen Umfang erhalten, aber mit einigen Lücken. Der Dialekt des Gedichtesist alemann., abgefaßt ist es um 1150 oder nicht allzu lange nachher. Der Dichter war einVolkssänger, ein Spielmann, denn er nennt sein Werk am Schluß einen scopf. 5 )

Wie verschieden auch inhaltlich die einzelnen Teile sind, so läßt sichdoch ein einheitlicher Plan erkennen, dessen Pole Anfang und Ende derMenschheit bilden. Es ist eine Menschheitsgeschichte in einzelnen Bildern:(Prolog IL, 16); Ursprung derMenschen und ihre Verschiedenheit (IL, 744);das schlimmste Laster: der Wankelmut, die Unstäte, Untreue (4551), daransich anschließend das Weib, 6 ) die Ehe (IL, 1111% 3); der Mensch als Herr

1 ) Sichere Interpolationen sind nicht nach-zuweisen, höchstens sind einzelne wenigeVerse später eingefügt worden, vgl. Reissen-berger S. 6 ff.; Schröder, ZfdA. 33, 104Anm.; v. D. Leyen nimmt stärkere Interpo-lationen an S. 31 ff. und Beitr. aaO.; dagegenLeitzmann ebda aaO.

2 ) Kelle aaO.; v. d. Leyen S. 92 ff.

3 ) Grunewald aaO.ParallelenzurKaiser-chron. und bes. zum Rolandslied s. bei v. d.Leyen S. 9 ff.; anderes ebdaS.82 ff. 119158.

4 ) W. Grimm, ZGdR., Kl. Sehr. 4, 169;

Deutsche Literaturgeschichte. IL

Amelung, Zf dPh. 3,269 ff.; v. d . Leyen S.68.1534. 4555; Bruch aaO.; Schröder,Gott. Nachr. 1918, 424 f. Saran S. 254.

5 ) LG. I, 64 u. Reg. S. 467. Die Bezeich-nung "D.sc. von demlöne" stammt von demHerausgeber Martin, aber das Belohnen (mitdem Himmelreich III c 4. 6. 43. 44, vgl. Elis.Peters S. 137 ff.) ist ein selbstverständlicherund ganz nebensächlicher Zug.

6 ) Vgl. Franz Brietzmann, Die böse FrauPal. 42, S. 143 f. 160.