§ 9. Hartmanns Rede vom Glauben (Credo). 63>
gefaßt, in der Hs. aber ist derselbe nicht sehr ausgeprägt, der elsässischeSchreiber 1 ) hat stark normalisiert. Entstanden ist es um 1140—1150.
Inhalt. Der Einteilung liegt das nicänisch-konstantinopolitan. Glaubens-bekenntnis zugrunde. Die einzelnen Sätze desselben sind lat. aufgestellt,ins Deutsche übertragen und durch andere, verwandte Gedanken erweitert.Oft sind diese Ausführungen an lat. Zitate, die fast durchweg der Bibel ent-nommen sind, angeknüpft. 2 )
I. 1—60 Einleitung: Bedeutung des Glaubensbekenntnisses 1—24; Anrufung Gottes uroSendung des heil. Geistes 25—54; Angabe des Titels: di rede des geloubin 55—60. —II. 61—3708 Hauptteil: Erklärung und Paraphrase des Symbolums: a) Gott 61—178.b) Christus 179—1641. c) Der heilige Geist 1642—3708 (1680—3630 die Räte des heil.Geistes, darin eine Sündenklage 1752—2369). — III. 3709—3800 Schluß: Gebet an Christus;der Verfasser.
Das Gedicht enthält viel mehr als bloß die Erklärung der Sätze desSymbolums, denn dieses ist durch die Erweiterungen zu einer Glaubens-lehre, einer theologischen Summe ausgedehnt. Neben dem dogmatischenStoff tritt sehr stark die Absicht auf praktische Belehrung hervor in dergroßen Ausdehnung der Sündenklage und der Räte des heiligen Geistes..Hier offenbart sich ein Hang zu strenger Askese, ein Kampf gegen Reich-tum und Weltehre. In der Sündenklage zumal werden Beispiele gewählt vanbekehrten Weltkindern: der Schacher, der Zöllner Petrus, Maria Magdalena,.Afra, die ägyptische Maria, der ehrgeizige Theophilus; und die Seligen, dieim Himmelreich belohnt werden, sind die, welche die Welt aufgegeben haben.(2886), die im Kampf zwischen Geist und Fleisch (2988) Sieger blieben;die aus Überdruß an der Welt (3130) als Einsiedler in der Wildnis Ungemachleiden; die Eigen und Lehen (3168), Weib und Kind und Freunde verlassen,,um im Kloster große Mühsal zu dulden; die Eigen und Erbe (3199) auf-geben und den Gotteshäusern spenden. Auch spielt der Teufel die großeRolle des Menschenverderbers, nicht genug tun kann sich der Dichter, umgegen diesen schlimmsten Feind loszuziehen (11, 491—494. 597—688. 810—850. 861—880. 933—958. 1074. 1097. 1926—2001. 2720—2825. 3019 ff.).In volkstümlicher Weise ist dabei das Christentum aufgefaßt als ein Kampfgegen den Satan: ein Volkskampf wird gefochten, von St. Michael, vonChristus selbst gegen den Drachen; aus dem Himmel ward er geworfen tiefin den Höllengrund, da liegt er gebunden mit einer Kette um den Halsund einem Ring durch die Nase (515—554).
Das rein dogmatische Element weicht überhaupt einer volkstümlich sinn-fälligen Auffassung des Stoffes: Christus ist der Herr, die Jünger sind die-Holden, die ihm dienen 873. 1183. 1269. 1379. 1431. 1477. 1970. 2092.2220. 3072. 3122. 3154. 3717, er ist der Kämpfer und Sieger 515 ff. 866..1472. 3035 ff.; der Herrscher des Himmels in kaiserlicher Rüstung mit Speerund Schwert 1461 ff. Die den Sieg über das Fleisch gewinnen, sind die
1 ) Schröder, ZfdA. 33, 104 Anm. (vgl. dazu Weede, Diu Wärheit S. 96 f.).
2 ) Grünewald S. 21—25 u. 66 f.