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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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A. Geistliche Literatur, b) Das Dogma.

tischer Methode den Glaub ensinhalt auseinandersetzen will, wodurch esmehr als irgendeine andere Dichtung dieser Zeit einen theologischen Cha-rakter trägt. 1 ) Aber freilich, ein geordnetes, einheitliches und vollständiges-System ist nicht erreicht.

Beziehungen zu deutschen Gedichten 2 ) sind nicht zahlreich. Es findensich Anklänge an die Wiener Genesis, an das Ezzolied und besonders andie Vorauer Sündenklage; sie können dem gedächtnismäßig überliefertenSprachschatz entstammen. Verbreitet war das Anegenge nicht, es hat keinenEinfluß auf die weitere Literatur ausgeübt. 3 )

Der poetische Gehalt des Gedichtes ist gering, die Sprache ist, be-sonders in den lehrhaften Teilen, eintönig und erhebt sich nicht über denAbhandlungsstil, denn es ist nur auf Belehrung, nicht auf Erbauung ab-gesehen. Immerhin gehörte schon eine sprachliche Schulung dazu, um demschwierigen Inhalt eine verständliche Ausdrucksform zu verleihen. Auch imStil 1 ) zeigt sich der Gelehrte: er baut künstliche Perioden, oft unter Vor-anstellung der Nebensätze, in der Inhaltsangabe 11, 6078 gehen 18 Zeilenvor dem Nachsatz vorher, in 1, 602, 19 sogar 28 Zeilen. Zum Predigt-und Vortragsstil gehören die vielen Formeln, Anreden an die Zuhörer, Bittenum Nachsicht, Fragen, Ausrufe, Quellenberufungen. Einen besonderen Tonbringen herein die obengenannten polemischen Zurückweisungen und War-nungen. Von einzelnen rein formalen Wendungen sind besonders zwei-gliedrige Ausdrücke, Parallelismus und Aufzählung häufig gebraucht. Lat.Worte kommen trotz des gelehrten Inhalts verhältnismäßig nicht viele vor. 5 )

Metrik. 6 ) Die Verse sind normal gebaut, doch manchmal mit schwerenSenkungsfüllungen oder umgekehrt mit fehlenden Senkungen. Die Reimesind oft ungenau, doch sind die Assonanzen meist leicht.

§ 9. Hartmanns Rede vom Glauben (Credo).

Kelle 6368. 281283; Piper, GD. 1,7582. Ausg.: Stellen vom Anfang und Schluß,in Graffs Diut. 1, 303307 und Hoffmanns Fundgr. 1, 256 f.; vollständig bei MassmannD. Ged. S. 142; v. D. Leyen, Des armen Hartmann Rede vom Glouven, Germ. Abh. XIV,.1897, dazu Reuschel, LitBl. 1899, 160164, Schröder, ZfdA. 35, 419 Anm., Uhl, ZfdPh.32, 263271, ferner Leitzmann, Beitr. 24, 206220 und Erwiderung von v. d. Leyen, ebda522528. Karl Reissenberger, Über Hartmanns Rede vom Glauben, Leipzig. Diss.1871; Scherer, QF. 12, 36 f.; Mart. Scheins, Ist Hartmann der Alte der .Verfasser desLinzer Entecrist? ZfdA. 16, 157164; v. d. Leyen, Kl. Beitr. S. 57 f.; John Meier, Beitr. 16,.99; Elis. Peters S. 137 ff.

Hs: Straßburg-Molsheimer Hs. Bl. 1^9b (Bl. 8 mit ca. 400 Versen fehlt).

Das Gedicht ist, wie die Reime beweisen, im mittelfrk. Dialekt 7 ) ab-

') Schröder S. 39.

2 ) SchröderS.69 77; Kelle S. 152f.355f.

3 ) Schröder S. 8991.

4 ) Zum Stil s. Schröder S. 2439.8486.

5 ) Grunewald S. 16.

6 ) Schröder S. 1223; Gott. Nachr. 1918,424.

7 ) Reissenberger S. 2139; v. d. Leyen

S. 1530; Paul Köhler, Der zusammen-gesetzte Satz ... in des a. Hartm. Rede v. Gl.,Berl. Diss. 1895; Jos. Bruch, Zur Spracheder Rede vom Gl. des Armen H., Prager D.Stud. H. 17 (1910). Zum Titel 'Rede v.GL' bezw. 'Credo': Schröder, Gott. Nachr.1917 S. 162.