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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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§ 8. Das Anegenge.

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geblieben wären) auf das Thema: Warum hat uns Gott so geschaffen, daß wir den Sünden-fall begingen, da er ihn voraussah und ihn hätte abwenden können? d) 14,1325,63. Diebibl. Geschichte von der Erschaffung Adams bis zu Noes Trunkenheit. Auf den Rat derWeisheit erschafft Gott Adam, Verbot des Obstes (14, 1315, 38), Erschaffung der Eva (15,3916, 19), Sündenfall (16, 2073), Verführung durch die Schlange, Verfluchung (16,7419,70) Adams Nachkommen, Kain und Abel (19, 7122, 28), Noe.(22, 2925, 63). e) Gottkann nicht mit menschlichen Augen gesehen werden (25, 6428, 2). B. 28, 340, 3Das neue Testament. Weiter vom anegenge zu reden würde zu lang werden (28, 322).a) 28, 2330, 28. Die Beratung der vier Tugenden Gottes, Barmherzigkeit, Wahrheit, Ge-rechtigkeit, Friede, vor Gott über das Schicksal der Menschen: beschlossen wird die Er-lösung des Menschen durch den Gottessohn, der menschliche Armut annehmen und fürdie Menschen sterben solle, b) 30, 2933, 22. Die biblische Erzählung von der Verkündigungder Geburt Jesu bis zu den drei Königen; das weitere Leben Jesu wird übergangen.«) 33, 2335, 3. Die Sünden Adams und der Eva: sie sind aller Hauptsünden schuldig(33,2334,55); trotzdem erbarmte sich Gott (34,5635,3). d) 35, 440, 3. Das Er-lösungswerk: Eva Maria, Fluch Segen, Geburt des Kindes (35,436,51), AdamChristus, Christus büßt die Sünden Adams, HochmutDemut (36,5278), Beispiele fürChristi Demut: Geburt in der Krippe (36, 7982), Versuchung (37, 138, 9), seine Marter{38, 1034), sein Kreuzestod (38, 3558), Begräbnis (38, 5962), durch Christi unschul-digen Tod hat der Teufel das Recht an die schuldigen Menschen verloren (38, 6339, 12),Höllenfahrt, Auferstehung, Himmelfahrt (39,1340, 3). III. 40, 413 Schluß: Ermahnungan die Hörer oder Leser; Lob des Sohnes.

Die BezeichnungAnegenge", die schon die Hs. als Titel des Gedichtesaufgenommen hat, gebraucht der Dichter selbst 28, 9 und bezieht sie aufden ersten Teil des Werkes, so wie er auch im Eingang 1, 17-26 (vgl.auch 1,60 ff. 3,74 ff.) den Anfang der Dinge als Inhalt angibt. 1 ) ZumUnterschied von Ezzos Lied, das nach seiner Angabe von dem anegengehandeln will, nennt man das spätere Gedicht auch das jüngere Anegenge.

Das Anegenge ist eine Erlösungsgeschichte, als solche will der Ver-fasser selbst sein Werk aufgefaßt wissen (1, 2733. 3,74. 11, 60 ff. 29, 16 ff.).Der erste Teil, zwei Drittel des Gedichtes, enthält die Vorbedingungen zurErlösung. Die Hauptpunkte sind hier: die Trinität in der AbälardschenFormel, von ihr ausgehend die Erschaffung aller Dinge, der Engel undder Menschen, beide mit Freiheit des Willens; von ihr voraus gewußt derFall Luzifers und ebenso des Menschen, und vorausbestimmt die Erlösung.Im zweiten Teil wird, nach dem Beschluß der Menschwerdung durch dievier göttlichen Tugenden, 2 ) das Erlösungswerk selbst entwickelt und zwar

x ) Schröder S. 78.

2 ) Die vier Tugenden werden auch als vierTöchter Gottes angesehen, wonach diehäufig im MA. begegnende LegendeStreitder vier Töchter Gottes" genannt wird.Der Ursprung liegt im Talmud im Anschlußan Ps. 84, 11 f. Misericordia et veritas ob-viaverunt sibi, iustitia et pax osculatae sunt.Veritas de terra orta est, et iustitia de coeloprospexit. Die m.alterl. Fassungen gehen aufSt. Bernhards Predigt In festo Annunciationisbeatae Mariae virginis zurück, die Personi-

fizierung der Tugenden und ihre Deutung alsSchwestern und Töchter Gottes ist bedeutendälter. Vgl.HmNZEL, ZfdA.17,4351; Bartsch,Erlösung S. VIIIXXI; Scherer, ZfdA. 21,41416; Aug. Hartmann, ZfdA. 23,173189; Franck, ZfdA. 24,389 f.; Kelle S. 146 f.347; Schröder, ZfdA. 25,128 f. u. AnegengeS. 55f. Burdach, Vom MA. zur Ref. S. 300ff.;Teuber bes. 334 ff. Vollmer, Materialien zurBibelgesch. 1,25; Bernheim, Mittelalter!. Zeit-anschauungen S. 29 ff. u. die Greifsw. Diss.von Heinr. Krüger 1910, Frederich 1914,