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A. Geistliche Literatur, b) Das Dogma.
frei, neben Versen von normalem Maß stehen andere mit vielen Senkungen(gelängter Typus)'; 1 ) lange Verse befinden sich besonders am Strophenschluß.Die Reime sind weniger frei und altertümlich als im Ezzolied, die Zahlder reinen Bindungen ist viel größer, selten reimt ein einsilbiges Wort aufdie schwache Endung eines mehrsilbigen. Weibliche Reime sind viel zahl-' reicher als im Ezzolied. Bemerkenswert ist das Vorkommen von Dreireimen(s. oben S. 57), 2 ) die aber nicht als Strophenabschluß auftreten. Bestimmtist das Gedicht nicht zum Chorgesang, sondern zum liturgischen, rezita-tivischen Sprechvortrag (Einzelvortrag).
§ 8. Das Anegenge.
Kelle 2, 141—153. 342—356; Piper, QD. 1, 239—249. —Ausg.: Hahn, Ged. S. 1—40.—Scherer, ZföG. 19 (1868), 578 u. Kl. Sehr. 1, 619 f.; QF. 12, 60 f., dazu Steinmeyer, Anz2, 238; E. Schröder, Das Anegenge, QF. 44, 1881 (s. auch ZfdA. 26, 199 Anm. 35,423, dazuSchönbach, DLZ. 1881, 1112; Steinmeyer, Anz. 7, 333; Bartsch, LitBl. 1882, 129 f.; LC.1882, 1592); Bartsch, Beitr. 8, 494—505; Teuber, Über die vom Dichter des Anegengebenutzten Quellen, Beitr. 24, 249—360.
Hs.: Wien Nr. 2696 (s. oben S. 17) Bl. 179a—221b; auf Bl. 178b steht Daz buch heizzetdaz anegenge.
Der Dialekt 3 ) der Hs. und des Gedichtes ist österreichisch. Von einemGeistlichen wahrscheinlich in dem Österreich. Donauland wurde etwa um1160 das Gedicht verfaßt.
Inhalt. I. 1, 1—2, 19 Einleitung: Bitte zu Gott um Beistand bei dem Werke (1,1—26)Inhaltsangabe: die Erlösung der Menschen vor dem Anfang der Dinge beschlossen (1', 27—36)Rat für die tumben, man solle in die Geheimnisse Gottes nicht zu tief eindringen (1, 37—59)Inhaltsangabe des Folgenden in sechs Punkten (1, 60—2,19, vgl. 11, 60—78). — II, 2, 20—40, 3Hauptteil: A.2,20—28, 2 Das alte Testament, a) 2, 20—4, 44 Schöpfung. 1. Vor derSchöpfung saß Gott in seiner Majestät (2, 20—38), Himmel und Erde, das Licht und alle Dingeschuf er dem Menschen zum Dienst (2, 39-59); 2. Gott beschließt in der Trinität (Macht,Weisheit, Güte), 4 ) um die Wonne nicht allein für sich zu haben sondern sie allgemeinzu machen, die Schöpfung (2,60—76), Erschaffung der Engel (2,77—3,34), Gott berat-schlagt mit Güte und Weisheit, die Weisheit rät ihm, alle Dinge und die Engel zu schaffen,das Sechstagewerk (3, 35—78); 3. Luzifers Fall (3,79-4,44). b) 4,45-11,59 Die Trinität.1. Ihr Wesen (4,45—6,42): Vater, Sohn, Geist — gemalt, wlstuom, güete; 2. Der Anteilder drei Personen an der Ausübung der Macht 6, 43—7, 83): die Güte rät dem Vater, daß-er die große Wonne nicht allein haben solle, darauf überträgt der Vater dem Sohn dieSchöpfung Himmels und der Erde und der Geschöpfe. Nicht aus eigenem Bedürfnis haben•die drei Personen das Schöpfungswerk getan, sondern auf daß wir glücklich würden;-3. Die drei Personen sind nur ein Gott, Beweise (8,1—11, 59). c) 11, 60—14, 12 DieErlösung. 1. Inhaltsangabe in fünf Punkten: Wie die Barmherzigkeit den Sohn trieb,unser Leid zu vertilgen, durch welche Schuld wir Gottes Huld verloren, weshalb er lieberzu unserer Erlösung den Tod duldete, als daß er Adams Fall verhinderte, weshalb die un-getauften Kinder in das Feuer kommen (11, 60—78, vgl. 1, 60—2, 19); die darauf folgendenPunkte beziehen sich (mit Ausnahme von 12, 11—40, wo auf die letztgestellte Frage ge-antwortet wird: die ungetauften Kinder hätten doch die Hölle verdient, wenn sie am Leben
M Saran S. 252—254; W. Grimm, ZGdR.S. 173, Kl. Sehr. 4, 312. Scherer MSD. II 3 ,218—221 nimmt 4-, 5-, 6- und 7-hebige Versean (dazu Steinmeyer ebda S. 220; WaagS. XX f.).
2 ) Vogt, Beitr. 2, 258.
3 ) Schröder S. 3—12; Zwierzina, ZfdA.45, 75. 76. 407.
4 ) Siehe oben S. 7 f.